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Der Israelit · 1901-10-24 · Heft 84 (24.10.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 84 (24.10.1901)
Date
1901-10-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 84« Der Israelit. Aentrat-Hrgan für das orthodore IudentHum. Begründet von . Dr. in Kaittj. j Donnerstag, den 24. Oktober 5662 (lOOi). Für 3 tuet Mcrvlr abonntrt man bei allen Postanstalten für die Monate November & Dezember auf den „Israeli»". Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträaer aufgeaeben werden. MM" Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen des Monats gegen Quittung in Eiupfang zu nelnnen. Äusland entsprechend bbher Are GrpedMon ües ..IsraeM." Leitender Artikel. Auffassung der Thaurotz. Von Saly <Äeis, Frankfurt a. M. Die Frage, wie wir Thauroh lernen und lehren sollen, ist eng verknüpft mit der Beantwortung der Frage: „Was ist die Thauroh an und für sich? Was ist sie ihrem Wesen nach?" und daraus folgend: „Was soll sie uns sein :'" So einfach und so natürlich nun diese Frage scheint, so unendlich schwierig dürfte sich ein nur einigermaßen präciser, den ganzen Inhalt der Thauroh umfassender Bescheid gestalten, denn wenn wir gleich an die richtige Quelle gehen und keck zu den Talmudfolianten greifen, so wird ein ganzes Leben emsigsten Suchens nicht hinreichcn, um die Thauroh in jener Klarheit und Reinheit zu erfassen, wie sie ihr Meister in's Dasein rief. Und doch läßt kein Irrlicht den unermüdlichen Pfadsucher umherirren, ihn treulos in grundlosen Morast zu locken; nein! — vielmehr je weiter er vorwärts strebt, desto Heller wird sein Auge, desto schärfer sein Ohr, desto hoffnungsfroher und selbstbewußter sein Schritt. Was er nicht zu träumen wagte, es wird zur süßen Ahnung, und was durch grauen Nebel hindurch in unsicheren Umriffen ihm entgegendämmerte, gewinnt feste Form und Gestalt bei den plötzlich herausbrechenden Strahlen der Erkenntnißsonne. Hinauf zu den lichten Höhen Gott geheiligten Menschenthums führt die Beschäftigung mit der Thauroh. Wie wir uns selbst zum Segen werden können, wie wir mit den uns von Gott verliehenen Kräften in dem Menschenkreis, in den Gott uns hineingestellt, zum Segen werden können, lehrt der Thauroh Wort. Ihre Erforschung — ausgeübt bei Tag und bei Nacht nach der Weisung unserer Chachomim — wird so zu einem heiligen Gottesdienste und gestaltet so auch unser Leben zu einem Gottesdienste, indem sie dann — stets noch frisch in uns wach — unseren Gedanken und Handlungen Richtung und Ziel gibt. Ein Gottesdienst unser Leben — welch' herrlicher Gedanke! Den Willen Gottes zu erfüllen, sowohl daheim im Hause und am Herde, als draußen im Kampfe um's tägliche Brod; aus Gott zu begreifen all', was bewegt des Menschen Herz, jede Freude und jedes Leid: — sollte man da nichl eilen in jeder freien Minute zu jenem Buche, in dem Gottes Wünsche für jeden Moment unseres Daseins verzeichnet sind? Doch da höre ich einwenden: „Sagt nicht der königliche Sänger: nar -n Sip Gottes Stimme in jeder Kraft, im Rauschen des Waffers, wie im Wehen des Windes; im Emporblühen der Blume, wie in ihrem Verwelken!" Genügt also nicht die uns umgebende Natur, um uns Gott zu lehren und uns zu Gott zu erziehen? Die Natur! — die Natur ist stumm, und auch die Tbierwelt weiß dem Menschen nichts von Gott zu erzählen. Ohne die Offenbarung Gottes am Anfang der Menschheitsgeschichte hätte der göttliche Keim im Menschen verkümmern müssen. Erst Gott lehrte dem Men-

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