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Der Israelit · 1901-10-21 · Heft 83 (21.10.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 83 (21.10.1901)
Date
1901-10-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1809 Entscheidung wird wohl auch eine ausreichende Motivirung dieses Gutachtens bringen. Eydtkrchnen, 16. Ott. In der heute ^Nachmittag 4'/- Uhr stattgefundenen Neuwahl des ersten Vorstehers der hiesigen Synagogen-Gemeinde, an der als Vertreter der Regierung und Protokollführer Herr Landrath R e d e r n aus Stallupönen theilnahm, wurde einstimmig von den 21 stimmberechtigten Mitgliedern Herr Spediteur Josef L o e w e n st e i n gewählt, an Stelle des Alters halber ausgeschiedenen Herrn Julius Schereschewsky, der über 12 Jahre dieses Amt verwaltet hat, aber leider sehr indifferent war. Herr Loewenstein, welcher der konservativ-gemäßigten Partei angehört und gegenwärtig das Amt eines zweiten Vorstehers und Kaffirers der Synagogen- Gemeinde bekleidet, die Interessen der letzteren in jeder Weise vertreten und auch in der Veamtenfrage, welche leider in unserer Gemeinde viel Erregung hervorgerufen, stets versöhnend und parteilos gewirkt hat, ist der berufenste Mann für diesen ehrenvollen, aber auch gerade nicht leichten Posten. Herr Josef Loewenstein hat die auf ihn gefallene Wahl dankend angenommen, und die Gemeinde kann sich gar keinen besseren Führer wünschen. Jetzt werden jene schönen Tage zurückkehren, die die Gemeindemitglieder unter der Aera des verstorbenen Vaters des Herrn Loewenstein in Liebe zum Gotteshause so innig zusammengehalten haben. Zu wünschen wäre nur, daß als zweiter Vorsteher auch ein in religiöser Beziehung und rücksichtlich des Verwaltungssinnes ein Herrn Loewenstein gleichkommender Mann gewählt werde. Eduard Segall. Kassel, 18. Okt. Ein interessanter politischer Prozeß soll nach jahrelanger Dauer endlich am 22. Okt. vor dem hiesigen Schöffengerichte seinen Abschluß finden. Es handelt sich um den Beleidigungprozeß des antisemitischen Reichstags- und Landtags-Abgeordneten Werner gegen den Redakteur Erdmannsd ö r f f e r ' in Wilhelmshaven (früher Marburg). Letzterer hatte Anfang 1898 eine Broschüre erscheinen lassen, in der er die antisemitische Partei kritisch beleuchtete und u. a. die Behauptung einfließen ließ, antisemitische Abgeordnete lieferten gegen Entgelt einem jüdischen Jornalisten Nachrichten parlamentarischer Art (Kommissions-Berichte). Von den „Deutsch.-Soz. Blättern" des Abg. Liebermann von Sonnenberg wiederholt aufgefordert, Namen zu nennen, „widrigenfalls er sich dem Verdachte aussetze, Verleumdungen verbreitet zu haben." nannte Erdmannsdörffer endlich die Abgeordneten Werner und Hirschel. Werner drohte Klage an, diese erfolgte aber nicht. Erst im August 1899 griff Erdmannsdörfer auf Grund eines anderweitigen Angriffs der „D. S. Bl." gegen ihn auf die Anklage gegen Werner zurück und erweiterte sie mit der Beschuldigung, daß Werner, als er seine Verbindung mit einem jüdischen Journalisten ableugnete, eine bewußte Unwahrheit ausgesprochen habe. Nunmehr kündigte Werner wiederum Klage an. Als diese aber im Oktober 1899 noch nicht erhoben war, interpellirte ihn Ermannsdörffer in seiner Zeitung und in einer Versammlung zu Hersfeld daraufhin und erhielt zur Antwort, daß Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgt sei. Diese lehnte kurz darauf die Strafverfolgung Erdmannsdörfsers ab. Erst im April 1900 endlich wurde von Werner gegen Erdmannsdörffer die Privatbeleidigungsklage erhoben, worauf im Frühjahr dieses Jahres (1901) die erste Verhandlung vor dem Amtsgericht zu Kassel erfolgte. Erdmannsdörffer lehnte hierbei jede Ehrenerklärung ab, da seine Beschuldigungen wahr seien. Werner sagte, er habe nicht für Dr. Hamburger, sondern für den antisemitischen Herrn Dahsel gearbeitet. Was dieser mit den Berichten mache, sei ihm gleich. Erdmannsdörffer behauptete demgegenüber, daß Dahsel nur Deckadresse gewesen sei. Der Gerichtshof beschloß darufhin, Zeugen kommissarisch zu vernehmen. Und zwar wurden in den nächsten Monaten vernommen: Dr. Hamburger (inzwischen wegen der Zolltarifverhökerung aus Deutschland verschwunden), die Parlamentsjournalisten Woth und Dahsel und die Reichstagsabgeordneten Müller- Fulda, Liebermann von Sonnenberg, sowie der frühere Abgeordnete Zimmermann. Wie nun mitgetheilt wird, sind die Aussagen durchweg im Sinne des Angeklagten ausgefallen, insbesondere dürfte die Aussage des Herrn von Liebermann ein interessantes Licht auf die „freundschaftlichen" Beziehungen zwischen diesem und seinem Gesinnungsgenossen Werner fallen lassen. In dem Prozeß werden auch die Akten eines Prozesses Hirschel- Erdmannsdörffer verlesen werden, in dem Hirschel einen völligen Rückzug vor seinem Gegner antrat. Brrrgpreppach, 17. Okt. Mit dem Beginne des neuen Schuljahres, das in dieser Woche mit einer Ansprache des Vorstandes, des Herrn Distrikts-Rabbiners Dr. A. Cohn an die versammelten Schüler eröffnet wurde, waren 26 Jahre verflossen, seit dem Tage, an welchem der älteste Lehrer an der hiesigen Präparanden- Schule Talmud Thora, Herr Wolf N e u m a n n . durch den Begründer derselben, Herrn Rabbiner Hirsch s. A., an dieselbe berufen wurde. Nahezu 600 Schüler, die heute selbst bereits als Lehrer oder in einem anderen Berufe eine segensreiche Wirksamkeit entfalten, wurden durch Herrn Neumann in diesen Jahren nicht nur unterrichtet, sondern fast Alle haben während der Zeit ihres Aufenthaltes an der Präparantenschule auch in seinem Hause gewohnt und somit auch außerhalb der Schule seine Erziehung genossen. Als Herr Rabbiner Hirsch s. A. sich in den letzten Jahren genöthigt sah, seine Thätigkeit an der Schule einzuschränken, führte Herr Neuman die Geschäfte der Vorstandschaft, die er auch später bis zur Neubesetzung des erledigten Rabbi - nats wiederholt übernahm. Zu allen Zeiten aber hat, wie Herr Rabbiner Dr. Cohn in seiner Ansprache, in

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