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Der Israelit · 1901-10-21 · Heft 83 (21.10.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 83 (21.10.1901)
Date
1901-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1802 lins Bodenstein und Sanitätsrath I o st e r i t. Dieselben bleiben bis zum 1. Januar 1902 im Amt, während die Herren Adolph Mayer, Isidor Sachs, Berthold Israel, Prof. Landau und Oscar Berlin bis zum 1. Januar 1906 bleiben. An Stelle des verstorbenen Herrn Leonhard Sachs werden gewählt: in den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße Herr Gustav Löwenberg, in den Talmud-Thora- Vorstand Syndicus Dr. Minden, in das Kuratorium des Zweiten Waisenhauses Adolph Mayer, in die Kommiffion für die festgottesdienstlichen Veranstaltungen Herr Willibald Löwenthal, in die Subventionskommiffion Herr Heinrich Blumenthal. Frau Agnes S e l i g s o h n geb. Caspersohn hat zur Unterstützung armer Kranken 4000 Mk. gespendet. Bewilligt wurden 493 Mk. zu Reparaturarbeiten für die Mädchenschule. Ferner wird beschlossen, in Zukunft auch ein Kind aus dem Kidduschbecher trinken zu lasten. Das Statut des Reichenheim'fchen Waisenhauses hat einige Aenderiingen erfahren. Herr Dr. Paul Rosenzweig wird hierauf einstimmig zum Assistenzarzt des jüdischen Krankenhauses gewählt. Er folgte sodann die zweite Lesung des Krankenhausstatutes. Möge dieses Statut endlich unter Dach und Fach kommen. E. R. ERvtkuhnen, 16. Okt. Ein schrecklicher Fall ereignete sich in der vorgestrigen Nacht. Zwei jüdische 'Auswanderer, ohne genügende Legitimation aus der Rückreise von Amerika nach Rußland begriffen, wurden von hier aus behufs Uebertritts über die Grenze, über Gr. Kallweitschen geschickt. Dort wurden sie beim Ueberschreiten der russischen Grenze von einem Grenzsoldaten angehalten. Dem einen Auswanderer, einem jungen Mann, gelang es, zu entkommen, aber dem anderen Emigranten, einem Greise von über 60 Jahren, der auch über 13 Rubel und eine goldene Uhr nebst Kette bei sich führte, wurde von dem Soldaten ein Knebel in den Mund gesteckt. Dann beraubte derselbe den Greis seiner Habe und hängte ihn auf dem jüdischen Friedhof in Wtsttiten, der hart an der Grenze liegt, auf. Nach vollbrachter That lief der Soldat weg. Wann wird endlich einmal die „Links-" (Beiseite-) Beförderung aufhören? Im Laufe eines Jahres ist dies der zweite Fall, an dem ein Menschenleben zu beklagen ist. Als Pendant hierzu möge folgende wahre Geschichte vom 13. September gelten: Als die Handelsfrau Lauer aus Stallupönen gestern früh zum hiesigen Markte fuhr, fand sie aus der Strecke von Stallupönen nach Derden einen jüdischen Mann von 77 Jahren fast leblos auf der Ehauffee liegen. Frau Lauer nahm den Kranken auf ihren Wagen. Er konnte kaum noch sprechen. Wie sich herausstellte, hatte er 7000 Rubel und einen rustischen Reisepaß bei sich. Er heißt Dandinowsky und ist aus Leskowitz, Gouv. Minsk. Wahrscheinlich befindet er sich auf der Rückreise von einem Badeorte: das Geld ist ihm bis zu seiner Weiterreise hier amtlich aufgehoben worden. Ohne den Samariterdienst der Frau L. wäre der Mann sicherlich aus der Landstraße gestorben. Dandinowsky ist inzwischen abgereist und das Geld an eine russische Bank gesandt worden. — Das Stallupöner Hilfskomitee für die Abgebrannten in Wystiten hat die Summe von 1334 Mk. gesammelt. Die Sammelliste ist nun geschlosten. Auch die Czarenspende von 3000 Rubel ist gleichmäßig — je nach Größe des Verlustes, Anzahl der Familie und Grad der Bedürftigkeit — vom Wystiter Komitee vertheilt worden. Die von unserem Kaiser gespendeten 10,000 Mark sind mittlerweile — der Bestimmung gemäß — in Kleidung und Mundvorrath aufgebraucht worden. Die Brod- und Fleischvertheilungen haben somit auch aufgehört. Eduard S e g a l l. Frankfurt a. M, 16. Okt. Die „Kleine Presse" schreibt: „Jüdische I u st i z a n w ä r t e r im Frankfurter B e z i r k." Mit der Erklärung, die der Frankfurter Oberlandesgerichtspräsident Dr. Hägens auf die Beschwerden jüdischer Referendare abgab, ist der Fall noch nicht erledigt. Die Zeitschrift: „Im deutschen Reich" erzählt: Jüdische Referendare, die nicht ans seinem Bezirk stammen, dienen unter He'wn Hägens wohl überhaupt nicht. Jüdische Kandidaten aber, die im Bezirk geboren und erzogen sind, wurden zahlreich wegen Ueberfüllung abge>viesen, selbst tvenn ihre Eltern dort noch wohnten. Die Abgewiesenen wandten sich zunächst den Nachbarbezirken zu. Die Präsidenten Hamm in Köln, der verstorbene Dr. Falk in Hamm und Dr. Eccius in Kastel, haben einzelne übernommen, schließlich aber erklärt, daß sie doch keinen Salon der von Hägens Zurückgewiesenen eröffnen könnten. Die Akten aller dieser Oberlandesgerichte würden eine deutliche Sprache führen, wenn sich der Justizminister daraus unterrichten wollte. Die Zugehörigkeit zum Bezirk schloß für Juden ihre Rückweifung nicht aus, »veil der Bezirk „überfüllt" sei, dabei wurden aber Monat für Monat neue Referendare angestellt, ohne daß den Zurückgerviesenen etwa eröffnet wurde, daß sie warten könnten, bis durch Beförderung, Versetzung oder in anderer Weise Raum für sie geschaffen sei." Sind diese Angaben richtig, so läge allerdings eine ungleichartige Behandlung vor, die sich nach freiheitlichen Ansichten mit der Verfassung nicht verträgt und offenbar noch über die Praxis des Justizministers hinausgcht, der ivcnigstens die Gleichberechtigung der Juden im Justizdieust anerkennt, solange ihre Zahl dem jüdischen Prozentsatz der Bevölkerung entspricht. Aber lvir vermögen nach der gesummten Persönlichkeit des Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten nicht an antisemitische Regungen bei ihm zu glauben und nehmen an,

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