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Der Israelit · 1901-10-17 · Heft 82 (17.10.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 82 (17.10.1901)
Date
1901-10-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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WWWSWWWWWWWWWW MWWMWM 1792 gesunken,' es war nur mehr ein Schatten des alten gelobten Landes der Frömmigkeit und Pflege jüdischer Miffenschaft,- die Talmudgelehrten des Landes standen wie verlorene Posten vereinzelt auf dem Blachfelde nach verlorener Schlacht. 2. Tic (Hegenwart. Schon bei Lebzeiten seines frommen, gelehrten Paters, Rabbi Abraham, versah Dr. Baruch Placzet, der jetzige Landesrabbiner von Mähren, der jüngst die vierzigjährige Wiederkehr seines Amtsantrittes als Rabbiner und Prediger in Brünn, dem heutigen Sitz des Landesrabbinates, gefeiert hat, die Geschäfte des Ersteren und wurde dann von den Rabbinen Mährens mit Zustimmung der ältesten unter denselben zum provisorischen Landesrabbiner gewählt und dann von der Regierung als solcher bestätigt. Es ist außer Frage, daß Herr Dr. Ä. Placzek sich bewußt war, welche Verantwortung er übernahm, indem er die Bürden und Würden seiner großen unsterblichen Borgänger auf sich lud. Er verpflichtete sich auch, das Amt stets in conservativenl Sinne zu verwalten; hierdurch gerieth er aber bald mit sich selbst in Widerspruch, da Brünn, seine Stammgemeinde, nichts weniger als diesem Programme entsprechend war und zweierlei Seelen in einem Geiste und Herzen friedlich nicht nebeneinander leben könnten. Obzwar aus einstigen Mitgliedern zahlreicher, frommer Gemeinden des Landes zusammengesetzt, war doch Brünn vom Geiste des Reformjuden thums geleitet und getragen; der Seelsorger setzte ihm keinen genügend starken Widerstand entgegen. — Der Einfluß des geistlichen Oberhauptes des Landes ist auf das Geringste beschränkt. Aber, der Sohn des ehrwürdigen R. Abraham Placzek, blieb insofern den väterlichen Traditionen und den gegebenen Versprechungen getreu, als er von seinem Rechte der Autorisation sämmtlicher Mährischer Rabbinen, segensreichen Gebrauch machte und zumeist gemäßigt conservative oder gemäßigt liberale Rabbiner bestätigte. In zahlreicher: Fällen wurde jedoch auch dieses Prinzip durchbrochen, denn die neugebildeten Gemeinden wählten in ihrer gewährleisteten Autonomie Reform-Rabbiner; und diesen, welche regelniäßige Schulung und Bildung besaßen, konnte der Larrdesrabbiner die Autoritation nicht entziehen, ohne mit den betreffenden Gemcindevorständen in ernsten Conflikt zu gerathen, der allerdings eine czv gewesen wäre. — Tie äußere Position, der Landesbehörde gegenüber wurde durch Placzek entschieden gehoben. Denn sein persönliches Auftreten und Gehaben imponirt allenthalben und seine Kanzelberedsamkeit ist anerkannt. Ter Beamtenstand in den mährischen Cultusgemeinden ist, Dank dem nicht unbedeutenden Einflüße Placzek's, im großen Ganzen ein ziemlich guter und entspricht, lvenn die Ansprüche auf das leider zur Rothwendigkeit gewordene Mindermaß herabgeschraubt werden, bescheidenen religiösen Grundsätzen. Es gibt in Mähren noch immer eine ansehnliche Zahl conservativer Rabbiner, Gemeinden und Institutionen. Brünn aber ist zu einer ausgesprochen neologen Gemeinde geworden. Das Beispiel der Landeshauptstadt, des Sitzes des Landesrabbinates, wirkt verderblich auf die Peripherie; die Provinzgemeinden und deren Verwaltungen weisen auf Brünn hin und berufen sich auf die Centrale. Die weck vorgeschrittene Lockerung der religiösen Zustände in der Mehrzahl der Landgemeinden eröffnet ein trauriges Bilc für die Zukunft. Die Schwäche und Oberflächlichkeit in der Behandlung religiöser Fragen, die Zerstörung der Bollwerke frommer Institutionen, der bereits erfolgte Einsturz vieler, der Glaubenserhaltung gewidmeter Aufbauten, nehmen von Tag zu Tag überhand, und der Zeitpunkt ist nicht ferne, wo das conser vative Iudenthum in Mähren der Geschichte angehören wird. 3. Tic Zukunft. In Brünn wird demnächst ein Rabbiner und Prediger neben Herrn Landesrabbiner Dr. B. Placzek angestellt werden. Dieser, in: Amte ergraute Mann, fühlt sich müde und denkt ernstlich daran, sich von der Kanzel nnd den Easualien zurückzuziehen, behält sich aber die Verwaltung des Landesrabbinats zunächst vor. — Es ist aber außer Frage, daß der Reugewählte voraussichtlich der prädestinierte Landesrabbiner sein wird; wenigstens läge dies in der Raiur der Verhält niste und Umstände. Es liegt auf der Hand, daß nur Rabbiner der rcformatorischen Richtung sich ernstlich um die Brünner Stelle bewerben können und dürfen, wofern sie nicht mit ihren lleberzeugungen brechen und so ein trauriges Beispiel von religiösem Wankelmuth liefern wollen. Beklagenswert!) ist dieser Umstand unstreitig. Käme ein Prediger und Rabbiner conserva tw-w Richtung nach Brünn, der mit dem nöthigen Rüstzeug von Kanzelberedsamkcit, talmudischer Tüchtigkeit, litterarischer Bildung, Organisationstalent und Energie ausgestattet wäre, vielleicht könnte er ein Reiter in der Roth werden. So aber ist der Weg verlegt; denn jede Eonzession auf dieser Linie bedeutet Rückzug nnd Fahnenflucht. Deshalb ist die Neubesetzung in Brünn, lvenn auch vorläufig die Landes rabbinerfrage nicht acut ist, dennoch epochemachend. Denn ein Eonclave der Mährischen Rabbiner zur Vornahme der Wahl eines Landesrabbiners kann rascher, als man es glaubt, nvthig werden. Diese Rabbiner des- Landes nämlich haben dem Gesetze gemäß die Wahl vorzunehmen. Brünn aber wird von großem, wenn nicht gar ausschlaggebendem Einfluß sein; denn dorthin sind Aller Augen gerichtet und ob nun der dort neugewählte Rabbiner a latere des Landesrabbiners cum oder sine jure successionis eingesetzt wird, er kommt ernstlich in Betracht und wird bei einer zutünf tigen Neubesetzung des Landesrabbinats schwer, oder doch nur nach großem Ringen mit dem Brünner Vor-

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