Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-10-17 · Heft 82 (17.10.1901) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 82 (17.10.1901)
Date
1901-10-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449223--54459-2505166
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

42. Jahrgang. :U( Iweite Aeikage zu M 82 des „Israelit Leitender Artikel. Pnuliiizciihkit, (^eijciiiüait uni) ftituiitt Ks Mährischt« ^»-ksridbiiilits. 1. Vergangenheit. Es tann und soll an dieser Stelle nicht eine er' schöpfende Geschichte des Mährischen Landes Rabbi nates gegeben iverden. Rur ein tarier Ueberblick, eine flüchtige Hewschau über die großen Männer, lvelche die Würoe eines Landesrabbiners von Mähren bekleidet haben, soll als zu dem eigentlichen Gegenstand gelten, um den es sich handelt, um die Frage nach der Zutnnst dieser onrch Tradition geheiligten Institution. Kaiser Atarimilian war der Schöpfer des Mährischen Landesrabbinats. Der erste Landes rabbiner laar, wenn die Rachricht des Chronisten David Gans richtig ist, R. Moses Rlordechai Cles, Zeitgenosle des R. Salomo Luria (4.44F'). Sein Nachfolger ivar R. Liwa ben Bezatet, der weltbekannte „Hohe Rabbi Lölv," der 1 rsr>-->—1 oTo dieses Amt be kleidete. Der Glanz seines Namens rührt nicht so sehr ans dieser, als ans der nachfolgenden Zeit seines Wir lens in Prag. Merkwürdig genug, daß ans der Zeit seines Wirkend in Mähren und Nikolsburg, denn dieser Vorort der Indenschaft Mährens, diese hochberühmte Gemeinde, war von 'Anfang an bis in die jüngste Ge genwart Sitz deS Landrabbiners, kaum eine Spur, kaum eine Erinnerung sich erhalten hat. Tie geschäftige Sage weiß mehr zu melden, als die verläßliche Geschichte. Ihm folgte im Amte Rabbi Judah Lob Enlenburg (1474 - 4G1S), dessen Raschikommentar, Akinchath Iü'hndab sehr beliebt gewesen ist; diesem R. Lipmann Deller lTosafoth Ioiiltob), der nur einige Monate in R,ähren blieb, um dann nach Wien und Prag zu gehen; sein Nachfolger ivar R. Petachjah ben Joseph aus Worms -ln.:7); ihm folgten R. Rkenachem Mendel Krochmal iZemaeh Zedeä), R. Gerfon Aschke nasi lAbodath Dagerschunil; Aron ben Iechestel Charit; Arjeh Lob Krochmal; Clieser GlendI Fanta; Gabriel ESteles; David Oppenheim; Baruch CskeleS; Mosis Lemberger: Gerfon Pnllitz; Samuel Schmelke Hurlviß: Gerfon Chajuth; Mordechai Benet; Nachum Trebittch. Wir brechen die Lette vorläufig hier (4842) ab. Die Thätigkeit dieser Nlänner erfüllt einen Zeitraum * von fast :‘<) Jahren. Cs waren Jahre der Sättigung,! des Glanzes lind der Größe. Noch größer als die Zeit! waren aber deren Führer und Leiter. Absichtlich nannten ivir nur deren Namen; indem man sie nennt, kennt sie jeder nur einigermaßen mit der Geschichte des JudenthnmS Vertraute. Durchwegs waren es ja wahrhaftige Geistes- und Charaktergrößen, die durch ihre Gelehrsamkeit, ihre Werte, ihre Thaten weit hinaus über die Marlen Mährens berühmt und allverehrt geivesen sind, lieberslüssig erscheint es zumal, von ihrer tiefen, unbeschreiblichen Frömmigkeit zu sprechen. Die breiten Schichten des damals frommen, gottesfürchiigen Voltes, vermochten die Gelehrsamkeit und das unermeßliche Wißen dieser Heroen naturgemäß nicht genügend zu bewerthen; was aber auch ihnen möglich ivar, das war die uneingeschränkte Bewunderung ihrer Menschengröße und sittlichen Crhabenheir. Patriarchen sahen die Zeitgenossen in ihnen, Väter und Fürsorger, Lehrer und Berather. Ihr Leben war aber aueb in jeglicher Beziehung vorbildlich und mustergiltig. Daher die Erscheinung, daß diese großen, geschichtlichen Figuren noch heute glorificiert werden und im Munde des Volkes wie Männer der Sage leben. Man beugt sich luufi heute vor ihrem Geiste, ihrer Hoheit, ihrer Würde. Die Spuren, die sie ihrer Zeit aufgedrückt, sind selbst in den, dem gesetzestreuen Judenthum entfremdeten Kreisen Mährens — und diese Kreise sind die weitesten — hoch nicht ganz oerwischt; allerdings kann der größte Theil des Mährischen Jndenthums diesen leisen Spuren mir erröthend folgen. Das Mährische Landesrabbinat war in jener Zeit eine autoritäre Stelle im Judenthume Europas; es lvar eine religiöse Behörde obersten Ranges, an die man mit jeder schwierigen Frage und Sache herantrat. Diesem Hellen Tage folgte ein schönes Abendroth. Die letzten Landesrabbiner, lvelche in Nikolsburg ihren Siß batten, lvaren: Samson Raphael Hirsch und Salomo« Ouetsch. DaS Andenken Hirsch's lebt in der Erinnerung des gegenwärtigen Judenthums in und außer Deutschland so frisch, so neu, so regsam, daß eine Erörterung seiner Bedeutung völlig unnöthig erscheint; er hätte der Retter und Reorganisator des konservativen Jiiornthuins in Mähren werden können zu jener Zeit, als der Freiheitsgeist an die Pforten des Ghetto pochte, wenn »'.all ihll in Mähren verstanden und begriffen Höne. Zu t'urz lvar des scharfsinnigen Talmudgelehrten Sa!. Quetsch Wirken, als daß man einen Erfolg des selben verzeichnen könnte. Der Sitz des Landrabbinats lvurde bald nach seinem Tode, und nach einem mehr jübrigen Interregnum nach Boskowitz verlegt und zum provisorischen, später definitiven Landesrabbiner der gelehrte R. Abraham Plarzek erwählt, der dieses Amt! in Ehren bis zu seinem 1884 erfolgten Tode bekleidete. Jnzlvischeil lvar das Judenthum Mährens religiös tief

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.