Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1901)
- Date
- 1901-10-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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■»imnjUijy 1793 stände übergangen iverden können, der natürlich Brünn mit Gewalt als Sitz des Landesrabbiners erhalten wissen will. Deßhalb ist ein „cavea-it consules“ am Platze. Was gedenken die Rabbiner Mährens Zu thun, damit die ohnedies schwer gefährdete Sache des eonservativen Judenthums nicht noch größeren Schaden erleide? Hier gilt es: nwb innti>n dmmx pxr oipes ö"X. Es liegt übrigens nicht in den Intentionen des jetzigen Landesrabbiners, die eonservative Sache zu schädigen. Hat er aber auf die bevorstehende Neuwahl richtunggebenden Einfluß? Kann er ihn haben? nach Allem, was hinter und vor den Couliffen der Brunner Cultusrathstube vorging, wird dem Landesrabbiner eine kleine Rolle Zufallen. D'e Sorge um das Schicksal des gesetzestreuen Iudenthums in Mähren ist deßhalb eine berechtigte. Vielleicht entschließt sich der Briinner Vorstand, in welchem Zahlreiche Männer sitzen, die es mit dem Judenttzuu! ernst und gut meinen, es einem tüchtigen, conservativen Rabbiner möglich Zu machen, nach Brünn zu gehen, sich und diesem den Weg Zur Beseitigung der Hindernisse, die ja allbekannt sind, Zu ebnen; er thäte wobl und weise daran. Der Herr Landesrabbiner, ein kluger, diplomatischer Kopf, wird der Jnauguirung eonservativer Pläne sicherlich keine Schwierigkeiten bereiten: die Zeiten haben sich geändert. Die Ueber zcugung faßt immer tiefer Wurzel, daß daS Heil des Iudenthums nicht im Aufgeben, sondern im treuen Belvahren der geheiligten Traditionen liege. Z. Zeitungsttachrichterr und Correspondenzev. Deutschland. Berlin, im Ott. (Reisebriefe aus Aegypten und S y r i e n.) In den in der „Voss. Zeitung" veröffentlichten Reisebriefen aus Aegypten und Syrien von Karl Beth, findet sich folgende bemerkenswertbc Schilderung über Jerusalem: „Viele Völker sind in Jerusalems Mauern gewesen, viele Könige haben in ihm einen Thron inne gehabt. Jetzt ist der Halbmond das Zeichen seines Geschickes, und das Volk des Halbnwndes zeigt, wie sehr es sich dessen bewußt, die Macht in seinen Händen zu haben — auf wie lange? Jenes Volk aber, das diese Stadt zum Centrum eines geistigen Gottesdienstes machte, jenes Muttervolk aller Religion und reinen Gottesanschauung, es hat. da es wieder gekommen ist und gesucht hat nach den Stätten se'ner Väter, nichts gefunden, das es sein Eigen nennen dürste, von den geweihten Plätzen, nichts denn jenen engen Mauerwinkel vom Tempelplatz in der schmutzigsten und in der erbärmlichsten Gegend, in der Nähe von auf Schüttboden wucherndem Stachelfeigenkaktus und von dem Mistthor. Laut klagend stehen und knien hier seine Gerechten voll aufrichtigen Schmerzes über die verflossene Größe. Tief hat es mich ergriffen, als ich diesen Platz betrat. Ja, ich möchte fragen, wer überhaupt kann, ohne von wehmüthigem Mitgefühl ergriffen zu sein, die Kinder Israels des Freitags gegen Abend an dieser ihrer „Klagemauer" sehen, wo selbst die halb oder ganz verschleierten Frauen ihrem Jammer Ausdruck verleihen,wo die Männer im plüschenen Kaftan und mit langen über die Schläfe herabfallenden Seirenlocken sich zu Gruppen um einen Vorbeter schaaren, um den Beginn des Sabbats zu feiern? Der Vorbeter und wer sonst noch einen Platz an der Mauer sich gesichert hat, legt die flache Hand beim Gebete an die alten Steine der äußeren Wandung, im Gefühl des Mitbesitzes und froh, wenigstens hierbei nicht gestört zu werden. Welch' trauriger Ueberrest vom einstigen Besitze des Berges Morija! Einmal im Jahre findet noch heute eine große Klage-Liturgie statt über den llntergang des jüdischen Königreichs. Das ist im Monat Ab. Eine ausgearbeitete Klage-Litanei wird abgebetet, in der man jammert, über „den Tempel, der zerstört ist, die Mauern, die zerrissen sind, des Volkes Herrlichkeit, die entschwunden, die Priester, welche gestrauchelt haben, und die Könige, welche Gott verachteten." Wie tief werden da einige das Leid empfinden, das über die Urväter kam. Das Land, das dies Volk sein eigen nannte, bewohnt es als ein Fremdling, kaum geduldet. Was ist denn, das sie zurücktreibt in's alte Vaterland, diese Vielen, denen man den weißen, zarten Teint des Rordcuropäers noch ansieht, selbst in ihren .Kindeskindern? Manche freilich werden keine gute Erinnerung an den Norden mitgenommen haben, diejenigen nämlich, welche auch nichts als Haß zu spüren bekamen. Da mag dann die Aussicht verlockend gelvesen sein, hier ein einigermaßen ruhiges Leben zu verbringen. Sehr Viele erhalten von Europa eine Unterstützung, die nur zu einem Gebet für die Glaubensgenoffen verpflichtet, das an dem Klageplatze gesprochen werden soll; denn ein Gebet an dieser Stelle halten die Israeliten vielfach für wirlungskräftiger. Aber sicherlich steht es nicht so, wie man vielfach hört, daß dies der Hauptgrund der Rückkehr sei. Mir scheint, daß das kameradschaftliche Verhältnis zu den Türken sicher kein befferes ist, als dasjenige zu den Deutschen in Deutschland, sondern vielleicht ein schlechteres. Bedenkt man zudem, daß seit Jahren jene Unterstützung, die Chaluka. nicht sebr gestiegen, dagegen die Zahl der Reflektanten mehr denn um's Doppelte angewachsen ist, so verliert auch dieser Grund seine Zugkraft. Vielmehr scheint mir ein innerlich religiöser Zug nach dem Stammland ihrer Religion in diesen zurückgekehrten Israeliten überaus mächtig zu sein. Ideale sind es, denen sie folgen, wenn sie aus der Kultur der gemäßigten Zone in die orientalische Einfachheit zurückkehren, um in den vor den Thoren der Stadt in langer .Häuserflucht angelegten Judenkolonie zu wohnen."