Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1901)
- Date
- 1901-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1779 München, 13. Okt. Die Wittwe des kürzlich verstorbenen Herrn Isidor Landauer, über dessen Leben und Wirken Sie jüngst berichteten, hat an den hiesigen Magistrat als Vermächtniß ihres Gatten den Betrag von Mk. 500 für das Krankenhaus l. d. I. und Mk. 100 für das Waisenhaus gelangen lassen, wofür Frau Josesine Landauer ein Dankschreiben erhielt. — Heber den am 9. Oktorber hier verstorbenen kgl. Geheimen Hofrath Herrn Dr. Sigmund Ritter von Heule schreiben die hiesigen „Neuesten Nachrichten": „(T o d e s f a l l.) Der kgl. Geheime Hofrath Dr. Signnind Ritter von Henle ist gestern Mittag hier verschieden. Dr. von Henle war lange Jahre als kgl. Advokat thätig, als welcher er sich dank seiner Kenntnisse und seiner Geschäftsgewandtheit einer ausgedehnten Praxis erfreute. Gleichzeitig führte er die Rechtskonsulentie für das herzogliche Haus in Bayern. Der Hingeschiedene, in allen Gesellschaftskreisen hoch angesehen und hochgeschätzt, war ein Freund des ihm zu früh vorangegangenen v. Schauß und stand stets treu zur liberalen Sache, die er auch als Abgeordneter für München im Landtage warm vertrat. Herr von Henle war am 30. Juni 1821 geboren, absolvirte 1838 das alte Gymnasium und bestand im Jahre 1843 das theoretische Eramen an der kgl. Universität hier. Nach zurückgelegter Praxis beim kgl. Kreis- und Stadtgerichte München und beim kgl. Landgerichte Miesbach promovirte er am 1. Juli 1845 unter Döllingcrs Rektorat und dem Dekanate Arnold mit Auszeichnung als Doktor jur., um noch im gleichen Jahre mit hervorragendem Erfolge den Staatskonkurs zu bestehen. Jin Jahre 1854 wurde Ritter v. Henle, nachdem er mehrere Jahre als Konzipient in der Kanzlei des kgl. Advokaten und herzogl. Leuchtenbergischen Kabinetsrathes Keller thätig gewesen, zum kgl. Advokaten in München ernannt. In Anerkennung seiner verdienstlichen Leistungen in diesem Berufe wurde er 1877 mit dem Ritterkreuze 1. Klasse des St. Michaelsorden delorirt und ihm anläßlich seines Rücktrittes von der Advokatur am 31. Dezember 1882 der Zivilverdienstorden der Bayerischen Krone verliehen. Seit 1832 Mitglied des Verwaltungsausschusses des Pensionsfonds und der Unterstützungskasse für Advokaten-Witt- >oen und Waisen, bekleidete er bis zu seinem Rücktritte die Stelle eines Vorstandes dieser Anstalt. Zum herzoglichen Hause stand Dr. von Henle nicht bloß als Rechtsbeirath und Hofrath, auch nach seiner Resignation noch, in naher Beziehung, sondern zählte auch zu dem intimerer Kreise der Notabilitäten, welche Herzog Marimilian in Bauern häufig zu geselligem Verkehr an seinen Hof zog. Am 1. Februar 1889 wurde ihm für feine Verdienste um das herzogliche Haus der Titel eines Geheimen Hofrathes verliehen. Zum bayerischen Landtage war Ritter von Henle anfänglich als Ersatzmann, in der Wahlperiode 1877—1883 als Abgeordneter für München I gewählt worden. Mit seinen Parteifreunden, einem Volk, Schauß und Wülfert, wirkte er da im Sinne eines besonnenen Liberalismus und war als Mitglied des Gesetzgebungsausschusses thätig. Am 30. Juni dss. Js. konnte Geheimer Hofrath Dr. von Henle noch seinen 80. Geburtstag, am 13. Juli die Feier der goldenen Hochzeit im Kreise seiner Familie in ungetrübter geistiger Frische begehen. Am 9. Oktober setzte ein sanftes Sterben seinem bis zu den letzten Tagen rastlos thätigen Leben ein unerwartetes Ende. Mit Dr. v. Henle ist wieder einer jener Männer geschieden, die in der Blüthezeit des bayerischen Liberalismus für dessen Ideen hingebend gewirkt und allzeit treu zu dessen Sache gestanden. Die bayerischen Liberalen wie Alle, die ihm im Leben näher getreten, werden seiner nie vergessen." Leider hat der Verstorbene, der als Mensch und für sein öffentliches Wirken größte Hochachtung verdiente und erfuhr, als Jude dem Judenthum gegenüber eine solche Stellung beobachtet, daß eine nähere Präcisiruna derselben in diesen Blättern besser unterbleibt; es mögen daher lediglich obige Ausführungen des hiesigen führenden Blattes Erwähnung finden. Baden, 15. Okt. Seit gestern tagt zum dritten Male <1895, 1898, 1901) in dem Ständehaus in Karlsruhe die israelitische Landessynode des Großherzogthums Baden. Vor Beginn der Sitzung wurde ein Festgottesdienst mit Predigt in der Synagoge abgehalten. Die Eröffnung der Synode geschah im Aufträge der Regierung durch den Geh. Oberregierungsrath Bechere r. Zum ersten Präsidenten wurde Rechtsanwalt Dr. Hachenburg- Mannheim und zum ersten Vicepräsidenten Rechtsanwalt Dr. Friedb e r g - Karlsruhe gewählt. Zu Sekretären wurden ernannt Dr. H a n n e s - Konstanz u. Wertheimer in Bühl. Der Präsident theilte mit, daß aus der Mitte der Versammlung die Anregung ergangen sei, an den ehemaligen Staatsminister, Se. Exeellenz Dr. Nock, eine Adresse abzusenden, in welcher dem langjährigen bewährten Leiter des Kultusministeriums der Dank ausgesprochen wird für die Förderung und Unterstützung, die derselbe den Kultusangelegenheiten der isr. Gemeinden Hot angedeihen lassen. In der heutigen zweiten und letzten Sitzung der israelitischen Snnode wurde eine Reihe interner Angelegenheiten erledigt und nach kurzer Debatte das Budget erledigt, bei dem Mk. 45,760 jährlich durch Umlage zu decken sind. Mit besonderer Genugthuung wurde die Einstellung von Mk. 9000 für soziale Zwecke begrüßt, die besonders dafür verwendet werden sollen, ein Lehrlingsheim zu gründen. Nach Wahl des Synodalausschusses wurde die Tagung gegen 2 Uhr geschlossen. S ch r t i g. Basel, im Okt. (Israelitisches Waise n h a us.) Die Verwaltungskommission des Schweizerischen Israelitischen Waisenhauses hat von der Re-