Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1901)
- Date
- 1901-10-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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y uh M^WMWWWWMMWWWWW^^^D8 1778 Bon @otteä Gnaden Friedrich Wilhelm, König von Preußen, Unseren gnädigen Gruß zuvor. Achtbarer lieber Getreuer! Da wir in Unserem Hoflager eine genaue Nachweise über die in den einzelnen Provinzen vorhandenen Schulen fiir Kinder jüdischer Nation und über die sonstige Unterweisungsart derselben zu haben verlangen. so geben wir Euch hiermit auf, Uns spätestens in vier Wochen ausführlich zu berichten: 1. <Db und wo besondere jüdische Schulen oder sonstige Unterrichts-Anstalten in Eurer Provinz vorhanden sind. 2. Was selbige für Fonds haben, oder wodurch sie sonsten unterhalten werden. 3. Was darin gelehrt wird und wie dieselbigen überhaupt beschaffen sind. 4. Bon welchen Personen diese Schulen gehalten oder der Unterricht gegeben wird, wobei 1) deren Namen, Alter und Baterland, und wie lange sie dort stehen. 2) deren Geschicklichkeit und moralisches Betragen, 3) von wem dieselben ihre Anstellung haben und 4) was für Gehalt oder sonstige Vergütung dieselben für ihre Arbeit erhalten, u. woher dieselben fliesten, zu bemerken sind. 6. Wohin die Kinder an solchen Orten, wo keine jüdischen Schuten vorhanden sind, in die Schule gehen, ob sie die christlichen Schulen besuchen oder auf welche sonstige W«üse sie an dergleichen Orten unterrichtet werden. 6. Wobev die einzelnen Orte zu benennen sind. Welche Familien sich cttva eigene Privatlehrer für ihre Kinder halten, nebst Namen und Vaterland dieser Lehrer. 7. Wie hoch die Anzahl der schulfähigen Kinder, das heißt deren, die zwischen sieben u. fünfzehn Jahren inclusive sind, an jedem Orte sep, Ivo jüdische Familien angeseffen sind. Vorzüglich aber fordern tvir Euch aus, diejenigen zweckdienlichen und ausführbaren Vorschläge, welche Ihr etwa mit Zuziehung des LandrabbinerS und der übrigen Judenschafts-Borsteher zur Einrichtung oder zur Verbesserung der Schulen und des sonstigen Unterrichts für die Kinder jüdischer Nation in Eurer Provinz zu machen wisset, zugleich uns vorzulegen. Sind Euch mit Gnaden gewogen. M ü n st e r , d. 2. Jul» 1806. Königl. Preust. Kriegs- und Domäne-Kammer. Schwedin g. Möller. An den Obervorsteher der Judenschaft S a l o m o n L i s f m a n n zu Paderborn. In den darauffolgenden Jahren hatte der Staat andere Sorgen, als sich um jüdische Schulen zu kümmern, und so tonnten die angebahnten und gewünschten Verbesserungen nicht zur Ausführung kommen. Für die östlichen Provinzen wurde erst das Gesetz vom 1. Juni 1833 maßgebend. H o r w i tz , Lehrer. Eydtkuhnen, 73. Okt. Am Donnerstag Abend fand in der alten traditionellen Wolpe'schen Synagoge in Kibartv das „Beendigungsfest" für die des Talmuds Beflissenen statt. Es tvurde das Ende des letzten Bandes gelesen irnd erklärt nach der tiefdenkenden Geistesart unserer alten Weisen. Dann hielten die Rabbiner M a j o f e s aus Wilkowischken, Lay aus Wirballen und Goldmann, der täglich in der erwähnten Schule lehrt, Ansprachen. Sieben Jahre sind zu diesem heiligen Studium nöthig gewesen. Ein schöner Abschnitt der gezählten Tage unseres Lebens, wo Alles nur eitel, einem Windhauche gleich, >no der Mensch täglich sich immer seines Nichts bewusst tverden soll! Und diejenigen. welche diesem Studium obliegen, haben ihre kurze Lebenszeit in geistiger Vervollkommnung wohl genossen! Nach der Lehr- und Lernstunde wurde eine reichlich gedeckte Tafel hergerichtet und junge und alte Schüler - zuru Thorastudium wird inan nie zu alt — erquickten sich „nach gethaner Arbeit bei Speisen und Getränken." Etwa hundert Personen, Damen und Herren, Jünglinge und Jungfrauen, wohnten der erhebenden Feier bei. Frau W r u b l e w s k y und Frl. Rahel Kreis, die Nichte des Herrn Wolpe, sorgten für die treffliche Bedienung bei Tische. Die Theilnehmer blieben bis zur frühen Morgenstunde beisammen. Der Schass-Gemeinde wünschen wir ein noch recht langes Bestehen. Dem alten Herrn Wolpe, Kibartv, de: sich um dieselbe so sehr bemüht, möge cs vergönnt sein, noch recht lange sein bildendes frommes Merk auszuführcn. Das Gleiche sei dem Herrn Lehrer der Schule beschieden und allen Denen, welche um die Pflege und den Fortbestand derselben bemüht sind. - 'Ihn Mittwoch, den 10. Oktober, findet die „Neuwahl des ersten Vorstandes" unserer Synagogen Gemeinde statt. Herr Julius S ch e r e s ch e w s k y , der 13 Jahre e r st e r Vorsteher gewesen, dankt Alters halber ier iss über on Jahre alt) ab. Herr Landrath Redcrn aus Stallupöuen ivohnt der Sitzung als Vertreter der Negierung bei. Zu nüiuscheu wäre, dass die konservative Partei siegte. Bis jetzt überivog in unserer Gemeinde stets die liberale Partei. So sehr auch Herr Julius Schereschcwsly während seiner langjährigen Amtsthätigleit die Interessen der Gemeinde tvahric, so muß ihm doch sein Jndifferentismus zum Vorwurf gemacht tverden. Die Synagoge tvar ihm eine vollständige terra incogfiiita Selbst zn Neujahr und an Jom Kippur tvar er leider dort nicht zu erblicken. Am Samstag, 12. Okt., Abends, fand in Kibarty im Fuchsmann'schen Theatersaal eine Wohlt h ä t i g k c i t s - V o r st e l l u n g zu Gunsten der Abgebrannten in Wystiten statt, welche die schöne Summe von über 300 Rubel einbrachte. In der Vorstellung wirkte auch Fräulein B r e d o w s k y , die Tochter des Bürgermeisters von Kitbary niit und erfreute die Anwesenden durch ihr flottes Spiel.