Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1901)
- Date
- 1901-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1777 wegen Beleidigung der Konitzer Behörden und der Berliner Kriminalpolizei erstattet worden. Die Beklagten hatten den Antrag gestellt, ein Gutachten der Obermediziualbehörde darüber einzufordern, ob Ernst Winter vermittelst des „Schächtschnittes" getödtet worden sei, da sie (die Beklagten) vom Vorliegen eines Ritualmordes im Falle Winter fest überzeugt seien. Den Gerichten ist jetzt, wie das „Kl. Journal" mittheilt, dieses Gutachten der Obermedizinalbehörde zugegangen, und zwar dahin lautend: Ernst Winter ist nicht durch den sog. „Schächtfchnitt" getödtet worden. Die völlige Blutleere des entseelten Körpers ist vom medizinischen Standpunkte aus leicht erklärlich, da durch Abtrennung sämmtlicher Gliedmaßen und Oeffnen der Lenen das Blut freien Abfluß hatte und durch das Liegen im Wasser vollständig ausgelaucht worden war. Ans Ostsriesland, 15. Olt. Aus der Konferenz des Bereins der jüdischen Lehrer der Nabbinatsbezirke Emden—Oldenburg—Bremen, fand sich auch Gelegenheit, Stellung zu dem vielfach angefeindeten Artikel des Herrn G. aus Frankfurt a. M. zu nehmen. Abgesehen von dem Ausdruck der Generalisirung, fanden die in dem Artikel niedergelegten Anregungen ungetheilten Beifall, was vor allem der Beschluß am deutlichsten darthut, daß die Lehrer des Landrabbinats Emden aus freiem Antrieb sich zusammenschaaren werden, um sich das Maß von jüdischem Wissen anzueignen, das ein Lehrer besitzen muß, um den an ihn herantretenden Anforderungen voll zu entsprechen. Herr Landrabbiner Dr. Lob in Emden ist gerne bereit, dem jungen Unternehmen seine Dienste zu widmen. Es ist erfreulich, zu beobachten, daß unter den Lehrern des genannten Bezirkes noch ein gesunder, für edle Anregungen empfänglicher Geist ruht, der es verabscheut, die ernstgemeinten Rathschläge braver Männer mit nichtssagenden Vierwitzen und Spötteleien abzufertigen. Die Erkenntnis seitens der Konserenzmitglieder, daß noch manches zu geschehen hat, um sich den Fond von jüdischem Wissen anzueignen, der dem Lehrer zur Seite stehen muß, kann wahrlich doch nicht als Beleidigung des Standes betrachtet werden. Aber auch die an den Haaren herbeigezogene Mache gegen den „Israelit" wurde in gebührender Weise kritisirt. Des ferneren sprach man sich gegen die Verbindung des Verbandsorgans mit dem „Hamburger Familienblatt" aus. Der zum Verbandstag gewählte Delegierte ist mit genauen Weisungen versehen, aus welchen die Stellung der diesseitigen Lehrerkonferenz zur Evidenz hervorgeht. Ein Weiteres über diesen Gegenstand zu bringen, müssen wir uns heute versagen. Altona, 2. Cheschwan. Am Sonntag *wnn 's »im fand hier unter großer Theilnahme die Bestattung des nach schwerem Leiden verschiedenen R. Zwi Hirsch Wagner statt. Der Verblichene war durch seinen biederen ehrlichen Charakter, durch seine aufrichtige unbeugsame Frömmigkeit, durch seine unvergleichliche Ausübung der verschiedenen Gemilus Chasodim, der echte Typus der früheren ras ’fcos: rvtws ’&wx. Er war ein intimer Jugendfreund der geistig hochstehenden Männer R. Jsak Hirsch s. A. in Hannover, wie auch von R. Jsak Bing in Frankfurt a. M. Es gab in unserer Gemeinde keine einzige Chewro, die von uns Zeit, Vermögen oder persönliche Bemühung erforbett, welcher Hirsch Wagner nicht als Vorsteher oder thätiges Mitglied angehörte. Die Pflichten, bei denen es heißt: x-n cbiyb ravp ppm der eigentliche Lohn bleibt uns im Jenseits aufbewahrt, erfüllte er mit seltener Sorgfalt und Eifer. Als Vorsteher der Hachnosas Kalo suchte er diesen Verein so zu fördern, daß er Ersprießliches leisten konnte. Als Deputirter des Bikur Eholim-Vereins durchwachte er früher Nächte am Lager der Kranken. Als Gabai der Kabronim leitete er über dreißig Jahre diese Chewra, und mit besonderem Pflichteifer übte er Chesed schel Emes. Aber am Wichtigsten war ihm die Wohlfahrt und das Gedeihen des hiesigen Klausinstitutes, wo er vor einigen Jahren sein 25jähriges Jubiläum als Präses feierte. Durch seine umsichtige Verwaltung, durch sein rastloses Bemühen, suchte er immer mehr Gönner der Klaus zu erwerben. Unter seiner Leitung entstand die prächtige Klaussynagoge mit dem schönen Beth-hamidrasch. und entfalteten sich die äußere Gestaltung und die finanziellen Verhältnisse immer besser. Als er vor kurzer Zeit sein Amt niederlegte, wobei er aber einstimiuig als Ehrenpräses ernannt wurde, konnte er mit freudigen! Bewußtsein auf ein festbegründetes Werk zurückblicken, an welchem er am eifrigsten mitgewirkt hat. Außer dieser Thätigkeit wirkte er als Repräsentant der hochdeutschen Jsraeliten-Gemeinde, wo er sich allgeineiner Sympathie erfreute. Des Rausch hachodesch wegen unterblieben die Hespedim, was Herr Oberrabbiner Dr. Lern er vor der .Kwuroh erwähnte, und es sich vorbehielt, zu anderer Zeit und an anderer Stelle das vorbildliche Wirken dieses seltenen Mannes näher zu schildern. Die Klaus wird R. Zwi Hirsch Wagner stets ein dankbares Andenken bewahren, nim an eitwö n'pnjt SD. Cassel, 14. Oft. (Sin denkwürdiges Aktenstück zur Geschichte jüdischer Schulen i n P r e u ß e n.) Bekanntlich wurde in Berlin durch den Einfluß Mendelssohns im Jahre 1778 die jüdische Freischule gegründet, die selbstredend für eine Anzahl von Schulen vorbildlich wurde. Dennoch dauerte es geraume Zeit, bis in den Provinzen Elementarschulen errichtet wurden. Erst das Gesetz vom 11. März 1812, das allen jüdischen Bewohnern völlige bürgerliche Freiheit brachte, trug wohl zur Besserung des Schulwesens erheblich bei. Dennoch entging der bisherige Zustand des jüdischen Schulwesens keineswegs den Augen der Regierung, wie es aus beifolgendem Reskript zu ersehen ist: