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Der Israelit · 1901-10-14 · Heft 81 (14.10.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 81 (14.10.1901)
Date
1901-10-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1766ZÄ Ungarns im Dienste der Reform stehen und ihren neologen Geist selbst in der Schule nicht verleugnen. Sollen wir für unsere Behauptung Beweise bringen? Wir glauben nichts Neues gesagt zu haben, und diese traurige Thatsache ist auch kein Geheimniß. Die jüdischen Lehrer Ungarns, die ehrenwerthen Ausnahmen immer ausgenommen, rühmen sich ihrer reformistischen Gesinnung in geradezu ostentativer Weise und wünschen dafür noch einen „Jejascher Koach!" Darf es da noch Wunder nehmen, wenn der jüdische Lehrer in Ungarn eben in den frömmsten Kreisen so wenig populär ist? Kann, darf der jüdische Vater zu dem Lehrer Vertrauen haben, der seinem Kinde die Schöpfungsgeschichte der Bibel in Verbindung mit Darwin's Theorie lehrt? — Doch seien wir gerecht! Die jüdischen Lehrer Ungarns sind nicht ganz schuld an diesem Uebelstande. Ist es denn möglich, daß aus christlichen und neologen Seminarien gründlich gebildete jüdische Lehrer mit echt jüdischer Gesinnung hervorgehen sollen? Während die orthodoxe Judenhcit in Deutschland zwei oder noch mehr Vildungsanstalten für Lehrer hat, wie in Würzburg, Köln etc., und außerdem noch mehrere Präparandenschulen, wie in Vurgpreppach, Schwabach, die sowohl vom staatlichen, als auch vom religiösen Gesichtspunkte aus den rigorosesten Anforderungen genügen, besitzt die orthodoxe Judenheit Ungarns keine ei n - z i g e derartige Anstalt. Der jüdische Lehrer in Ungarn erhält seine Ausbildung entweder in einer nichtjüdischen Anstalt wöchentlich mit den obligaten zwei Stunden Religionsunterricht, oder, was beinahe dasselbe ist: in der neologen Lehrer-Präparandie in Budapest. Aber es ist doch nicht ganz dasselbe, denn in der letzteren wird pro Woche 5—6 Stunden jüdischer Unterricht ertheilt, der durchsetzt ist von „liberalen, neologen und fortschrittlichen" beseeligenden „Wahrheiten," die dem Heranwachsenden Geschlechte zu Gute kommen sollen. Deßhalb müssen wir betonen, daß man dort, wo der Religionsunterricht nicht bloß nominell ertheilt werden soll, gezwungen ist, einen tüchtigen „Melamed" zu halten. Denn wahrlich, selbst das Bischen „Fünf-Bücher-Wissen" gibt noch keine Befähigung für einen gründlichen, erfolgreichen, jüdischen Religionsunterricht ab. Wie tief beschämend ist es für Ungarn, der e i n st i g e n Pflanz- und Pflegestätte der Thora und Jirah, daß seine meisten Jugendbildner die Bibel mit Raschi-Kommentar nicht einmal lesen können, dafür aber unjüdischen Geist in die leichtempsänglichen Gemüther der Kinder senken. Und die Folgen eines solchen Zustandes? Lassen wir einen tiefen Denker und unübertroffenen jüdischen Pädagogen sprechen: „Wenig vermag das Haus ohne die Schule, Nichts aber die Schule ohne das Haus! Weh', wo sie nicht Hand in Hand gehen, wo, was das Eine baut, das Andere niederreißt, wo die Blüthen des Jisroelthums, die unter der milden Sonne des häuslichen Wortes und Beispieles aufkeimten, von der Schule kaltem Winde erstarrt, verderben, oder wo, was die Schule heilig und hehr, als des Lebens Höchstes preist, in des Hauses Räumen mit Füßen getreten wird; wo soll es hinaus, das Kind unter solchem zwiespältigen Einfluß?!" (S. R. Hirsch, Choreb, zweite Auflage, S. 410.) Diesen Zwiespalt zu beheben durch Gründung einer Vildungsanstalt für orthodoxe jüdische Lehrer, ist nun die dringendste Pflicht der orthodoxen Judenheit Ungarns. Und so lange die maßgebenden Faktoren noch immer nicht sehen wollen, wie unsere Jugend schaarenweise in die Arme der Neologie fällt und wenn sie nicht baldige Abhilfe für diese erschreckende Erscheinung schaffen: so lange können sie sich nicht des Vorwurfes entschlagen, daß sie eine ihrer heiligsten Aufgaben, die ihrer harren, ungelöst ließen, und schwer, überaus schwer lastet die Verantwortung auf ihrem Gewissen wegen einer solchen, durch nichts zu beschönigenden Unthätigkeit. Eine rettende That zur Erhaltung der Jugend für das überlieferte Judenthum, zur Erhaltung des Judenthums für die Jugend durch eine orthodoxe Lehrerpräparandie: das fordert von uns dringend die Zeit! Hoffen wir, daß unsere Anregung lebhaften Widerhall finden wird in dem Herzen eines jeden aufrichtigen, ehrlichen Juden! (Fortsetzung folgt.) Aeltir«gsnachrichten und Korrespondenzen. O e st e r r e i ch. Wien, 8. Okt. Die „W. Allg. Ztg." theilt folgenden Fall mit: Eine Wittwe wählte sich als Mitvormund für ihre zwei Kinder einen langjährigen Freund (jüd. Konfession) .ihres Gatten und suchte dafür die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts nach. Dieses lehnte jedoch die Bestätigung ab, und zwar mit folgender Begründung: „Es ist natürlich, daß der Mitvormund einen gewissen Einfluß auf die Erziehung seiner Mündel zu nehmen befugt, unter Umständen verpflichtet ist, und ist ihm ein diesbezüglicher Einfluß auch im Gesetze gewahrt. Von einer gedeihlichen Erziehung, das ist Heranbildung des Kindes zu einem charaktervollen Mitglied der Gesellschaft, kann aber natur- und erfahrungsgemäß nur dann gesprochen werden, wenn die Erziehung auf einer religiösen, eine außerhalb des Menschen bestehende Autorität anerkennenden Basis aufgebaut wird. Daß Religionsverschiedenheit zwischen Erzieher und zu Erziehenden kaum ein günstiges Erziehungsresultat erhoffen läßt, dürfte wohl kaum bezweifelt werden, daher erscheint es — wenn es auch nach

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