Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 81 (14.10.1901)
- Date
- 1901-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1756 deutsche Rundschau" behauptet, daß gegen den Ent- >vurs nur „die internationalen Kornjuden und die politischen Deutschfeinde seien", erklären die „Egerer Rachrichten": „Die Propaganda für den Schutzzoll ist ein Prodoli der „wissenschaftlichen Theorie hebräischer Denk- und kllesinnnngsart." lind eigentlich stecken hinter den Agrariern — die jüdischen Getreidehändler. An der durch den Zolltarif errichteten Mauer „wird sich das üidische Svekulanteuthum aus Kosten jener Landwirthe die Tasche siillen. die durch des Staates weise Fürsorge vor gänzlicher Verarmung nicht gesichert erscheinen. Der österreichische Landwirth wird mit jüdischen Dperationsziigen zu rechnen haben, die auf seine Köllen das Getreide über die künstlichen Schranken in's Innere Dentsckstands Hineintreiben." Wer von den beiden edlen Genossen hat nun Recht? Ungarn. ch'ttvapesi, im Okt. (Die jüdische n d i e i cd s t a g s - A b g c o r d n e t e n i n U n g a r n.t Meinen Bericht über die in Ungarn stattgefundenen ReichStaaswahlen nabe ich noch mit Folgendem zu ergänzen: Bon den sechzehn jiidischen Abgeordneten sind sechs neue Männer, die in ihren Bezirken mit großer Begeisterung gewählt wurden. Dr. Wilh. Bas z a - n p i, ein Fahre alter jüdischer Advokat u. Schriftsteller, bat einen der größten Wahlbezirke in Budapest erobert. Er besitzt kein Vermögen und keine Verbindungen mit den Großen des Reiches, ist aber der einzige Abgeordnete, der als liberaler Demokrat aufgw treten ist, und bat mit der überzeugenden Macht seines Wortes die Landeshauptstadt förmlich bezaubert. Sein Ebarakter und seine Genialität ist im ganzen Lande anerkannt. Er ist nur drei Wochen vor der Wahl ausgetreten, siegte aber mit einer Majorität von MO Stiimuen gegen den Kandidaten der Regierungspartei. Auch in jüdischer Beziehung verdient er Achiuna und Anerkennung, worüber wir bei anderer Gelegenheit referiren wollen. Dr. A. Reich in Baja hat noch nicht das Alter von 00 Jahren erreicht und wurde in seiner Vaterstadt als Abgeordneter der Kossntbpartei gewählt. Sein (Gegenkandidat war der königl. Ungar. Justizminister v. P l o ß. Auch dieser junge Advokat ist blos fünf Tage vor der Wahl ausgetreten und hat zur Ueberraschung des ganzen Landes als Kossuthianer gegen den Justizminister gesieat. Die Sache hatte aber eine kleine Vorgeschichte. Der Justizminister hat nämlich (eine Prograu-,inrede für „Kol-Ridre"-Abend in Basa angeknndigt. Die jiidischen Wähler ersuchten ihn, dies nicht am Jou'-Kipvur zu thun. Se. Erellenz hielt aber die jüdischen Stimmen ohnehin für ganz gesichert imb glaubte, sich um den „Kol-Ridre" überhaupt nicht zu schceren. Das Bankett wurde auch am Versöhnungsabend abaehalten — selbstverständlich ohne Juden. Acht Tage später war der junge jüdische Mann als Abgeordneter von Baja gegen den Justizminister gewählt. Nicht die Juden haben Se. Excellenz fallen gemacht, aber gestimmt haben sie nicht für den Gewalthaber und offiziellen Vertreter des Rechts, der ihre religiösen Gefühle so öffentlich gehöhnt hat. Sie haben sich überhaupt jeder Abstimmung enthalten In der Budapester Leopoldstadt ist Dr. M. M e - z e i, Rr langjährige jüdische Abgeordnete, gegen den Großtansmann P. S a n d o r , in der Minorität geblieben. Sowohl die Minister, wie die offiziellen Vertreter der großen Kultnsgemeinde haben mit allen Mitteln den bisherigen Abgeordneten Mezei protegirt, aber in der Stunde der Entscheidung zeigte es sich, daß seine Zeit abgelaufen ist. Er mußte einem jungen (Glaubensgenossen den Platz räumen. Allgemein wird es als Faktum hervorgehoben, daß der neugewählte Abgeordnete den. rumänischen Juden seinen Sieg zu verdanken habe. Als nämlich im Vorjahre die jüdischen Emigranten durch Budapest zogen und Mezei um Intervention bei der ungarischen Regierung angegangen wurde, erklärte dieser „Paradejude," er, als Abgeordneter, könne sich nicht für die Juden s o ervoniren." Als ein Retter in der Roth erschien damals Paul Sandor auf dem Plan und sammelte in acht Tagen 200,000 Kronen für die rumänischen Juden. Diese edle That haben die Budapester Juden, die sich nicht von den Gemeindevorstehern bei der Rase führen lassen und auch aus die Kultuszeitung „Eghenlöscg" nicht schwören wollen, glänzend h o n o r i r t. Mit Mezei verschwindet auch einer der größten Feinde des ungarischen gesehestrenen Judenthums. Die Dergewaltigung der Orthodoxen, die vor dem Kongresse begonnen, am Kongresse im Jahre 1868 statuirt und nachher mit vielen Erfolgen fortgesetzt wurde, ist zum größten Tbeile das Werk dieses „hervorragenden Juden." Es eristirt nur noch ein Mensch in Ungarn, der seine ganze Lebensarbeit ausschließlich diesem Zwecke widmete. Das Kongreßstatut hat auch Mezei verfaßt. Der Ministerpräsident erklärte auch unumwunden, daß er sich in jüdischen Angelegenheiten stets von Mezei informiren ließ. Die gesetzestreuen Juden haben alle Ursache, diesen politischen Tod nicht zu beweinen. Sein Nachfolger ist in religiöser Beziehung auch ein sebr schwacher Jude, hat aber den Vorzug, daß er kein fanatischer Feind der orthodoxen Juden ist — was in Ungarn sehr viel sagen will — und als Philantrov sehr viel verehrt wird. In Debrezin wurde Dr. Samuel B a k a - n h i, ein jüdischer Advokat und Anhänger der Kossuthvartei, zum Abgeordneten gewählt. Von diesem Abgeordneten erwartet man. daß er nöthigensalls auch jiidische Interessen vertheidigen wird. Der mit der antisemitischen Bokkspartei spmpatillrende jüdische Ugronist Samuel V i s o n t a i hat sein Mandat wieder erhalten. Franz C h o r i n , ein