Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 81 (14.10.1901)
- Date
- 1901-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1754 Jahrzeitslagen gedacht. Beide muffen demnach auch hier ihre Thätigkeit entfaltet haben. Gleichzeitig sei hier eines großen Uebelstandes gedacht, der von den Litteraturvereinen systematisch fortgesetzt wird. Sie opfern alljährlich große Summen für Anschaffung recht unwerthiger litterarischer Erzengniste. Gin sehr großer Theil dieser Werke tragen nicht nur nichts zur Hebung des Judenthums bei, sie bringen es vielmehr in Mißkredit. Das Skribententhum, das solche Geistesprodukte schafft, ist von recht praktischem Sinn. Seine Autoren wiffen, daß etwa IM Litteraturvereine ihre Bücher kaufen und das ist schon ein ganz schöner Absatz. Für die Anschaffung jüdischer Merke, aus denen allein der Geist der Thora spricht, ist aber niemals Geld vorhanden. Wir stellen recht bescheidene Ansprüche in dieser Hinsicht. Wird man wohl in einem solchen Verein das übersetzte Mischnajoth (Jtzkowsli-Berlin), so weit es erschienen ist, finden? Werden sie die übersetzten Talmudtraktate anschaffen? Das fällt ihnen gar nicht ein. Dagegen trifft man hie und da Lazarus' Ethik. Dem Laien ist aber dieses Buch ebenso unverständlich, wie ein hebräisch verfaßtes. Es könnte viel mehr Originelles aus dem reichen Schatz der Thora an's Licht geschafft werden, wenn die Litteraturvereine auch jene Autoren und ihre Werke berücksichtigen möchten. M. Schweitzer. Siegbnrq, 7. Okt. Am 26. Oktober d. Js. “jS begeht die diesige Synagogengemeinde das 60jäbrige Jubiläum der Synagoge. Wie wir hören, soll dieser Tag zu einem Gemeindefeste gestaltet werden. Zur Hebung der Synagogenfeier ist ein großer Chor gebildet worden, der von Herrn I. Clewer geleitet wird, und außer der synagogalen Feier findet ein Festesten mit daran anschließendem Balle im Hotel zum Stern statt. Das Fest verspricht allem Anschein nach ein großartiges zu werden und werden sich gewiß die alten Siegburger wieder zahlreich an dieser seltenen Feier betheiligen. Limburg a. L., im Okt. Der „Deutsch - Israelitische Kinderhort" versendet seinen Jahresbericht. Am 9. v. Mts. hat derselbe seine Heilstätte zu Bad Schwalbach geschlosten. Im Vorjahre waren 41 Pfleglinge in Pflege, in diesem Jahre 92. Aber trotz dieser erhöhten Wirksamkeit konnte der Verein nicht allen Aufnahmesuchenden willfahren. Eine erhebliche Zahl, die schon in diesem Jahre einer Pflege dringend bedurften, haben wir für das nächste Jahr vormerken müssen. Die 92 Pfleglinge vertheilen sich auf die Heilstätte zu Bad Langenschwalbach und das Ferienheim zu Neubrandenburg. Dem Berufe nach waren vertreten: Arbeiterinnen 2, Buchhalterinnen 4, Hausfrauen ohne besonderen Beruf 16, Händlerinnen 2. Kunstschülerinnen 2, Köchinnen 3, Lehrerinnen 7, Modistinnen 4, Schneiderinnen 14, Verkäuferinnen 6. Ohne Beruf waren 32, darunter in Folge von Krankheit 10. Dem schulpflichtigen Alter gehörten 22 Kinder (17 Mädchen, 0 Knaben) an, 37 waren im Alter von 14—20 Jahren, und 33 waren älter als 20 Jahre. Ausgegeben wurden in 2668 Verpflegungstagen 8381.67 Mark. Die Verpflegungskosten betrugen pro Kopf und Tag 3.16 Mk> Ein Theil der Pfleglinge war in einem so schwächlichen Zustande eingekehrt, daß derselbe zunächst 8—12 Tage das Bett hüten mußte. In diesen Fällen wurde die Pflege um 8 -14 Tage verlängert. Der Vorstand ivendet sich nun an alle Menschenfreunde mit der Bitte um Hilfe, damit er ein Grundstück erwerben könne, das allen sanitären Anforderungen genügt. Wenn Vieler Herzen und Hände sich regen, dann wird die Heilstätte des Deutsch-Israelitischen .Kinderhorts im kommenden Jahre ihre Thore weit aufthun können. Der Vorstand des Deutsch-Israelitischen Kinderhorts besteht aus den Herren: A. M. Behrendt-Jena, Kaufmann; T. Fränkel-Bamberg, Lehrer; S. Hamburg-Volkmarsen, Kaufmann; Dr. Ferd. Hausmann-Straßburg, Elf., Arzt; H. Hirsch-Kirtorf, Kaufmann; W. Kronheim- Fraustadt, Kaufmann; S. Lomnitz-Limburg a. L.; Jos. Marcus-Vurgsteinfurt, Fabrikant; Th. Müller heim - Nenbrandenburg, Kaufmann; L. Nußbaum Bocholt. Lehrer; M. Ostermann-Bochum, Lehrer; Dr. H. Pieard-Lauterburg, Elsaß, Arzt; M. Nirlas Linw bürg, Kaufmann: Leop. Sternberg-Limburg, Kaufmann; B. Strauß-Gensingen, Lehrer; Gust. Westbeimer-Grünstadt, Stadtrat'h. O e st e r r e i ch. Wien, 8. Ott. In dem Septemberheft der Monatsschrift der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" wird Folgender' mitgetheilt: „Am 18. Juli d. I. veröffentlichte das „Deutsche Volksblatt" im Anschlüsse an ein Cirkular der Kaufmannes Leopold Landau in Pforzheim, dessen dreimaligen Aufenthalt in der Irrenanstalt Jllenau. aas großherzoglich badische Bezirksamt Pforzheim amtlich bescheinigt hat, unter dem Titel: „Ein Jude über den Blutmor'd" einen Artikel, in welchem die Juden in ihrer Gesammtheit als Mitwisser und Helfershelfer gräulicher Mörderbanden bezeichnet wurden. Gegen die Nichtbeanstandung dieses Artikels seitens der Wiener Staatsanwaltschaft hat die „Oesterreichisch-Jsraelitischc Union" schriftlich und mündlich an kompetenter Stelle energische Beschwerde erhoben und die nachträgliche Beschlagnahme der betreffenden Zeitungsnummer erwirkt." Aus Karlsruhe wird nunmehr geschrieben: die Strafkammer des hiesigen Landgerichts hat auf Grund des erhobenen ärztlichen Gutachtens die Ein stellnng des Verfahrens gegen Leopold Landau be schlossen, weil er sich zur Zeit der Begehung der Handlung in einem Zustand krankhafter Störung der Geistesthätigkeit befand. Wien. Sind die Juden für den neuen Zolltarif oder dagegen? Die alldeutschen Antisemiten sind da rüber in ergötzlichem Streite. Während die „Ost-