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Der Israelit · 1901-10-10 · Heft 80 (10.10.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 80 (10.10.1901)
Date
1901-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1737 Oesterreich. Baden. ((Sin israelitisches Beth a u s in der Heilanstalt Allan d.) Vor einiger ^eii erging von der Direktion der Heilanstalt Alland an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien das Ersuchen, dieselbe möge das schon im Bauplane vorgesehene Lokal für ein israelitisches Bethaus nach israelitischem Ritus einrichten. Nachdem diese Anstalt im Sprengel der israelitischen Kultusgemeinde Baden liegt, so hatte in Vertretung des Wiener Kultusvorstandes Herr Dr. Alfred Berger bei dem Bice-Präses der Kultusgemeinde Baden, Herrn Ant. Schneider, die Anregung behufs lSinrichtung und Verwaltung dieses Vethanses gegeben. Infolge dessen richtete das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Baden im Vereine mit Herrn Dr. Berger dieses Bethaus sofort ein und stattete es mit allen nöthigen Utensilien aus. Es haben sich dabei als Vertreter der Wiener Kultusaemcinde Herr Dr. Alfred Berger und als Vertreter der Badener Kultusgemeinde der Präses Herr Moriz Leitner und der Vice-Präses Herr Anton Schneider besonders verdient gemacht. Bei der am 0. September stattgehabten Einweihung tvaren anwesend: Der Direktor der Anstalt, Regierungsrath Dr. von Weißmayer, sowie der Verwalter Kreek und die beiden Hausärzte; in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde Ober-Rabbiner Dr. Güdemann und Vorsteher Herr Dr. Alfred Berger; für die Badener israelitische Kultusgemeinde der Präses Herr Moritz Leitner, der Vice-Präses Herr Anton Schneider, die Veiräthe Herr S. Klauber und Herr Dr. Raab, ferner die Vorstandsmitglieder Dr. Joseph Schlvarz, M. Daniel und H. Flaschner, ferner eine grosse Anzahl von Gästen. Rabbiner Wilhelm Reich aus Baden hielt die Weihepredigt. Mit einem Gebet für den Kaiser und das Kaiserhaus schloß diese Feier. In der Anstalt sind derzeit 164 Kranke untergebracht und 806 aus Oesterreich-Ungarn zur Aufnahme vorgemerkt. F r a n k r e i ch. Paris. Mit besonderer Genugthuung haben die französischen Antisemiten den früheren Präsidenten Felir Faure zu ihren Gesinnungsgenossen gerechnet. Aber das war, wie sich jetzt herausstellt, ein großer Jrribum oder — Schwindel. Denn nach den Erinnerungen, Tie jetzt einer seiner intimsten Freunde im „Figaro" veröffentlicht, hat Faure anlässlich eines Gespräches über den grossen Einfluss zweier parteiloser Boulevardblätter Folgendes gesagt: „Die Geschichte dieser großen Blätter ist ein unwiderlegliches Beweismittel gegen die Antike miten. denn keines von ihnen ist in jüdischen Händen. Die angebliche Allmacht der Israeliten in der Politik ist ebenso gut eine Legende, wie die fabelhaften Gerüchte, die über die Jesuiten und die Freimaurer verbreitet werden." Engl a n d. London. (Baron H i r s ch ' s ch e Erbs ch a s t s st e u e r.s Die Erbschaftssteuer für den Nachlaß des Baron Hirsch hat in der Geldbewegung auf dem Londoner Platze eine Rolle gespielt. Die Steuer beträgt nicht weniger als 1,200,000 Pfund Sterling, welche von dem Testamentsvollstrecker an den Staat zu entrichten sind. Davon entfallen etwa 700,000 Pfund Sterling auf die Grundstücke und 600,000 Pfund Sterling aus die Legate. Der Betrag ist bei einer großen Bank hinterlegt worden, die ihn in die Bank von England abgesührt Hai. London. Das hier erscheinende große politische Journal „Daily Telegraph" bringt in seiner Nummer vom 14. September unter der Ueberschrift „Das jüdische Neujahr", folgende höchst interessante Schilderung, die sich wohl auf den zumeist von der ärmeren jüdischen Bevölkerung Londons bewohnten Stadttheik Whitechapel bezieht: , 6661" — Ein Rückblick! In fußhohen Lettern fiel gestern diese Anzeige dem fremden Wanderer in Whitechapel in die Augen. Sie bedeutete bloß, daß das jüdische Jahr 6062 mit dem gestrigen Sonnenuntergang seinen Anfang genommen. Reben dieser Zahl nimmt sich die unserer eigenen Aera fast kindisch aus! Mit der ersten Stunde seines neuen Jahres hält der Jude einen seierlichen Gottesdienst. Gestern Abends erwiesen sich die große Synagoge zu Aldgate und sein hart daran stoßender Appendir als viel zu klein, um alle jene aufzunebmen, die dem frommen Brauche beiwohnen wollten. Die Liturgie ist feierlich, fast düster-ernst zu nennen und der ganze Gottesdienst ist selbst für diejenigen. welche die Gebetssprache nicht verstehen, von sonderbar mächtigem Eindruck. Das Innere der Aldgate-Svnagoge mit seinen Kandelabern und hellglänzenden Vergoldungen rust die alten Zeiten des prachtgeschmücklen. farbigen Orients zurück und die an den Wänden befindlichen hebräischen Inschriften vervollständigen die Illusion noch mehr. Der Rabbi stimmt im festlichen Talar und schwarzem Barett einen sonoren Gesang an und eröffnet das neue Jahr. Zur Zeit, als die Straßen in Whitechapel noch einem sumpfigen Marschboden glichen, waren es dieselben Worte, die von Männern gesungen wurden, welche gerade so aussahen, wie der alte Rabbi an seinem Pulte. Ein Stimmen- Ehorus von Nennern und Jünglingen bricht wechselweise hervor, der Vollschrei des hebräischen Psalms Widerhall: an den großen, mächtigen Säulen, dann folgt todtenstilles Schweigen und man hört das Rasseln des draußen über dem Asphalt vorbeisausenden Eisenbahnwagens. Verschiedene Welten, verschiedene Jahrhunderte sind unter einander gemischt. Dem Engländer, welcher an den Anblick von größtentheils mit Frauen gefüllten Kirchen gewohnt ist, erscheint diese Masse ür Männern in den Synagogen verblüffend, noch ve. llüffender. ivenn er steht, wie eine kleine Prozessi' ehrwürdiger Männer, die Köpfe in ihre Gebetshai!.';-. eingehüllt, die Sitze verlassend, sich hinter den Rabbi

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