Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 80 (10.10.1901)
- Date
- 1901-10-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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liche Princip ansehe, aller Moral und folglich aller Eivilisation. bewahren und verbreiten sollen." Daß John Adams aber, der einer amerikanischen Puritanerfamilie entstammt, nicht etwa ein blindes Vorurtheil für die Juden hatte, das bezeugt er selbst. Zu Georg III. von England sagte er einmal: „Ich habe nur ein Borurtheil, das für mein — Vaterland." -£• Vermischtes. •*- Sofia. Herr Dr. H. Gr ätzer. Assistenzarzt an der Universitäts klinik zu Kiel, isi auf ganz besondere Einvfehlung des Leiters derselben, des Herrn Geheimraths von Es marsch I., zum Leibarzt deS Fürsten von Bulgarien ernannt worden. Feuilleton. Nach vierhundert fahren.?s Von Friedrich Rott. „Aber was treibst Du nur!" rief Jsabella unmuthig, „der abscheuliche Rauch verdirbt hier die schöne Seeluft. Wirf doch die Kerzchen hinaus." Sie schien im Begriff, dieses selbst thun zu wollen, Juanita aber hielt schützend die Hände vor ihr Eigenthum. „Ich flehe Sie an, gnädiges Fräulein — ich habe es doch auch erst jetzt im Kaiserhof erfahren, sonst hätte ich Ihnen doch auch nicht gerathen, die Wohnung hier zu miethen. Ich habe übrigens der Frau Holm schon gekündigt, habe ihr gesagt, daß Sie entweder heute oder morgen ausziehen werden. Die impertinente Frau will das freilich nicht gelten lassen und sagt, ob Sie hier bleiben oder ausziehen, für einen Monat müßten Sie die Wohnung doch zahlen. Aber was liegt denn daran, hier bleiben können Sie unter keiner Bedingung. Ich werde gleich wieder einpacken!" „Das wirst Du bleiben lasten,"-entgegnete Jsabella ärgerlich, „wenn es Dir hier nicht gefällt, kannst Du wohnen, wo Du Lust hat, ich aber bleibe hier. Jetzt gehe sofort zu der Frau Holm und sage ihr, daß ich nicht daran denke, auszuziehen." „Nm's Himmelswillen, gnädiges Fräulein, so hören Sie mich doch nur an. Ich habe ja auch nichts gegen die Wohnung an sich, und auch die Hausfrau ist nicht so arg. Aber die Inwohner im ersten Stock — denken Sie doch nur, gerade über diesem Zimmer, über dem Zimmer des Fräulein von Rauhenstein, wohnen Juden-Juden, sage ich Ihnen. — Und das alte Weib, das vorhin bei Ihnen war, ist ein Judenweib —" „Schweig!" herrschte Jsabella sie an, „oder sprich mit Achtung von der Dame, mit der ich während meines Aufenthaltes hier recht viel zu verkehren gedenke." „Gnädiges Fräulein!" rief Juanita, indem sie die Hände zusammenschlug, „ich sagte Ihnen doch, daß sie ein Juden — eine Jüdin ist —" „Das hat sie mir selbst gesagt." — „Was? sie selbst hat Ihnen gesagt, daß sic eine Jüdin ist? — Run, diese Frechheit! diese Frechheit! — Und diese Zudringlichkeit, gleich ihre Rangen herunterzuschicken, daß sie hier das Unterste zu oberst lehren und das Zimmer verpesten." Jsabella brach in ein herzliches Lachen aus. „Die schönen, sauberen Kinder haben das Zimmer verpestet?" „Run ja freilich," erwiederte Juanita erregt, „alle Juden verpesten die Luft, das ist bekannt. Und es war auch ein Odeur hier im Zimmer-nicht zum aushalten." Das junge Mädchen lachte noch herzlicher. „Jetzt verstehe ich Tein sinnloses Gebühren mit den abscheulichen Räucherkerzchen." „Es war nothwendig, gnädiges Fräulein, unumgänglich nothwendig —" Jsabella zuckte die Achseln. „Für die Zukunft verbitte ich mir das, so wie ich hier wieder eine Räucherkerze finde, werft ich sie zum Fenster hinaus. Und was die Kinder betrifft, so gefallen sie mir ausgezeichnet, und werde ich sie veranlassen, fleißig herunter zu kommen." „Gnädiges Fräulein!" Juanita hob flehend die gefalteten Hände und blickte wie verzweifelt auf ihre Herrin. ..Und ich warne Dich, daß Du ihnen nicht unfreundlich begegnest, sonst hast Du es mit mir zu thun." Die treue Dienerin stieß einen tiefen, schmerzlichen Seufzer ans, die Sprache schien ihr zu versagen, ihre sichtliche Verzweiflung amüsirte das junge Mädchen. „Du könntest mir eine Handarbeit herauslegen, das Wetter ist so unfreundlich, zum Ausgehen ist's für heute nichts, deßhalb beabsichtige ich, den Nachmittag oben bei Frau Müller und den lieben Kindern zuzubringen." Juanita stieß einen Schreckenslaut aus und sank in die Knie. „Gnädiges Fräulein —! bei allen Heiligen! — das darf ick, nicht zugeben!"- „Was ficht Dich an?" entgegnete Jsabella lachend, „habe ich Dich vielleicht um Erlaubniß zu fragen, wenn ich einen Besuch machen will?" Juanita ließ demüthig das Haupt sinken. „Verzeihung, gnädiges Fräulein — ich weiß wohl, ich bin nur eine Dienerin — aber um Ihrer lieben, seligen Mama willen habe ich das schöne Spanien verlosten, wo es keine Juden gibt — und Ihrer lieben Mama habe ich versprochen, daß ich bei Ihnen bleiben will, bis Sie verheirathet sein werden." — „Ich weiß, daß Du mir treu bist," versetzte Jsabella milde, „darum nehme ich's Dir auch nicht übel, wenn Du Dich zuweilen ungehörig ausdrückst." „Gnädiges Fräulein! —" „Laß' es gut sein und stehe aus."