Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 80 (10.10.1901)
- Date
- 1901-10-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1731 haß und Protestantenhetze gepredigt, nun ernten sie die Früchte ihrer gewissenlosen und demagogischen Agitation. Das Gesetz ist weit davon entfernt, allen Ansprüchen der Linken zu genügen, verdient aber trotzdem, mit Genugthuung ausgenommen zu werden. Nur eine Bemerkung möchte ich noch hinzufügen.' es wird niemals gelingen, den Einfluß der Klerikalen auf dein Wege der Gesetzgebung völlig zu bekämpfen. Warum schicken selbst viele Republikaner ihre Kinder in die von 7<efutten geleiteten Schulen? Weil der Staat es unterlassen hat, Schulen in genügender Anzahl zu gründen. Warum führen in vielen Krankenhäusern die Nonnen das große Wort, in welchen Häusern gar oft die Nichtkatholiken in ihrer Gewissensfreiheit verletzt werden? Weil der Staat es versäumt hat, eine genügende Anzahl non Krankenwärterinnen heranzuziehen. Die Jesuiten haben sich stets der Aufgaben, die der Staat zu erfüllen vernachlässigt hat, bemächtigt und sie in allerdings origineller Weise zu erfüllen gesucht, um dadurch einen Einfluß auf das Volk zu gewinnen, was ihnen auch großartig gelungen ist. Eine wirksame Bekämpfung der Klerikalen kann ich inir nur dann versprechen, wenn die Regierung ihrer Aufgabe bewußt, s e l b st energisch und fleißig an die Erfüllung dieser Aufgabe herantritt. Rinn mißverstehe uns nicht; wir sind weit davon entfernt. Andersgläubige zu bekämpfen, und mit den Katholiken Deutschlands leben ja unsere Glaubensgenossen im vollkommensten Frieden. Aber wenn wir seit Jahrzehnten von den französischen Klerikalen mit allen Mitteln verfolgt werden, so ist es uns wohl gestattet, aufzuathmen, wenn diese an ihrem Treiben verhindert werden. Pi. England. London. (Selbstaufopferung eines jüdischen Knaben.) In einer der belebtesten Straßen Londons war Salomon Galamon, der elfjährige Sohn eines Whitechapler Schneiders, daran, mit seinem vierjährigen Bruder die Straße zu überschreiten, als dieser fiel und in Gefahr stand, unter die Räder eines daherkommenden Lastwagens zu gerathen. Salomon gelang cs, unter den Hufen der Pferde weg seinen Bruder zur Seite zu reißen, er selbst aber konnte sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen, wurde überfahren und starb bald darauf im Hospital, wohin man ihn gebracht batte. Als seine Mutter, in Thränen gebadet, dahin kam und weinend an dem Bette des verunglückten Sohnes niedersank, war seine erste Frage, ob man seinen kleinen Bruder heimgebracht habe. Darüber beruhigt, sagte er: „Sei nicht böse! Ich weiß, ich muß sterben, aber ich konnte ihn doch nicht überfahren kaffen. Ich sterbe nicht umsonst. Er ist gerettet, wenn ich mich auch nicht retten konnte." Amerika. Prooklvn. (Der Jude als Patriot.) Der hiesige Baptistenprediger C. Peters, der sich bereits durch ein Werk „Witz und Weisheit aus dem Talmud," bekannt gemacht hat, kündigt ein Werk an, welches betitelt ist: „Der Jude als Patriot." In diesem Wert wird auseinandergesetzt, welche Verdienste sich die europäischen Juden um die Entdeckung, die Kolonisirung und die Unabhängigkeit Amerikas erworben haben. Die Inden haben ihr Geld hergegeben, um die Armeen auszurüsten und zu erhalten, welche die Unabhängigkeit Amerikas erkämpften und haben selbst ihr Blut für die Freibeit des Landes vergoffen. Bon den ersten Anfängen der Republik an bis auf den heutigen Tag haben die Juden in der amerikanischen Armee und Marine eine hervorragende Rolle gespielt, ebenso wie in allen anderen Zweigen des Staatsdienstes. Es dürste, wie hier hinzugefügt sei, Vielen unbekannt sein, daß Juden sich auch auf den Schiffen des Kolumbus befanden, welche die erste Fahrt nach der neuen Welt machten. Spanische, portugeisische und französische Juden ließen sich dann in Mexico nieder und gelangten daselbst rasch zu Ansehen und Reichthum. Einige der vornehmsten Familien des heutigen Mexico, so beispielsweise die Trevinos, die Carabjal. sind jüdischen llrsprungs. Ja Hunderte von Eingeborenen traten zum Judenthum über, da das Verhalten der Juden ihnen besser gefiel, als der Hochmuth der spanischen Priester lind die Grausamkeit der spanischen Soldaten. Dann freilich kam die spanische Inquisition und zerstörte alles. Von welcher Bedeutung aber die Juden in Alt-Mexico gewesen sein mußten, geht daraus hervor, daß es in der Stadt Mexico einen „Judenplatz," eme „Judenstraße" gibt, und daß in den Sagen, die mit einigen Häusern verknüpft sind, Juden eine Rolle spielen. Die Inquisition trieb alle Juden aus dem Lande und zwang die Zurückbleibenden zum Nebertritt. Nach dem hier Mitgetheilten wird man es begreiflich finden, daß bereits im vorigen Jahrhundert ein amerikanischer Patriot, und zwar kein Geringerer, als der um die Durchführung der amerikanischen Unabhängigleitsertlärung hochverdiente erste Vizepräsident und zweite Präsident der Bereinigten Staaten, John Adams, kurz nach Unterzeichnung der Unabhängige Uitserklärung am 4. Juli 1776, den Juden folgendes glänzende Zeugniß ausstellen tonnte: „Die Juden haben mehr zur Civilsirung der Menschen beigetragen, als jede andere Nation. Wäre ich ein Atheist und glaubte an ein blindes ewiges Fatum, dann würde ich dennoch glauben, dieses Fatum habe bestimmt, daß die Juden als das wesentlichste Instrument zur Civilisirung der Menschheit dienen sollen. Wäre ich ein Atheist von der anderen Sorte, die da glaubt oder zu glauben vorgibt, alles geschehe durch Zufall, dann wiirde ich glauben, daß der Zufall es einmal gewollt habe, daß die Juden der Menschheit die Lehre von einem höchsten, weisen, allmächtigen Herrscher des Weltalls, die ich als das große und wesent-