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Der Israelit · 1901-10-10 · Heft 80 (10.10.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 80 (10.10.1901)
Date
1901-10-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1730 dasselbe auch außerhalb der Synagoge öfters vom verewigten Wiener Oberkantor Sulzer Vorsingen ließ. In iener Zeit wurde das Kol-Nidre in das Programm der vornehmsten Konzerte in Wien und dann auch in das anderer Städte ausgenommen. Wie die erhabene Frau für die althebräische Poesie sich intereffirte, erhellt auch daraus, daß sic einmal den Qberrabbiner von Budapest zu sich befahl und ihn damit beauftragte, ihr die Klagelieder Halevps zu verschaffen, welche dieser über die Zerstörung Jerusalems geschrieben hat, und die Heinrich .Heine bekanntlich als das Vollkommenste in der Poesie bezeichnet hatte. Der Oberrabbiner von Budapest war zu jener Zeit Dr. Meiscl, welchem es trotz seiner litterarischen Verbindungen schwer wurde, eine gute Uebersetzung von Halevps unsterblichen Poesien zu verschaffen. Endlich gelang es demselben, eine solche aus dem vergangenen Jahrhundert zu bekommen, die jedoch in Sprache und Ausdrucksweise so veraltet war, daß er sie umarbeiten und neu drucken lasten mußte. Die Kaiserin freute sich über das Buch ganz außerordentlich und gab ihrer Befriedigung darüber in ihrer huldvollen Weise schmeichelhaften Ausdruck. Ungarn. Budapest, im Okt. Im neuerbauten Tempel des neuen isr. Knaben Waisenhauses hat der Ritualien- Vorsteber der großen Kultnsgemeinde, I. Deutsch, die Neuerung eingeführt, daß am Versöhnungstage das „Kol-Nidre Gebet" dreimal gesungen wurde. Es ist dies insofern eine Neuerung, weil im Haupttempel dieser größten Neologengemeinde Ungarns „Kol-Nidre" nur einmal gesungen wird. Damit dieser allgewaltige Tempel-Kurator aber nicht als „fanatischer Orthodoxe" verschrieen werde, ließ er den zweiten „Kol-Nidre" von der Oversängerin Iran Lukacs recitiren. Zur Beruhigung der konservativen Juden, ließ Herr Deutsch verlautbaren, daß die Dame eine Jüdin und Tochter eines jüdischen Kantors ist. Herr Deutsch wurde erst kürzlich vom Budapester Rabbinat mit dem „Morenu"- Titel ausgezeichnet. Das Document. ein Kunstwerk hebr. Kaligraphie, wurde auch im „Egyenlöseg" abgedruckt. In mehreren Neologengemeinden wurde der nichtjüdische Damenchor mit israelitischen Sängerinnen vertauscht. Und da wollen noch immer gewisse Fanatiker behauvten, daß die Neologen nicht genug orthodox sind. O. die Unverbesterlichen! (Ozcglcd, im Okt. Der hiesige römisch-katholische Kirchenrath hat in seiner vor Kurzem abgehaltenen Sitzung über Antrag des Distrikts-Dechanten einhellig beschlossen, dem Budapester Bankier Samuel G a st - mann für seine erfolgreiche uneigennützige Mitwirkung im Jntereste des Zustandekommens der 200,000 Kronen-Anleihe der Kirchengemeinde protokollarisch Dank zu votiren und ihm einen Auszug dieses Protokolls einzusenden. Der in Rede stehende Bankier, ein junger Mann und gesetzestreuer Jude, hat seiner Zeit auch bei der Beförderung der jüdischen Emigranten aus Rumänien thatkräftig mitgewirkt. Frankreich. Pari-S, 8. Okt. Im politischen Leben begegnet inan von Zeit zu Zeit Männern, von denen ein einziger Ausspruch Gt hinreichend, um ihre ganze Größe und Bedeutung zu würdigen. Wenn uns nur die beiden Aussprüche Friedrichs des Großen bekannt wären, „in meinem Staate kann Jeder nach seiner Facon selig werden," und „der Fürst ist der erste Diener des Staates," so würden allein diese Worte genügen, um den Philosophen von Sanssouci als großen König zu erkennen, lind das berühmte Wort Gambetta's: ,.Iv alsi'ienlisme cest l'ennemv1 legt klares Zeugnis; ab von dem Scharfsinn unb der Staatsklugheit des großen Bolkssührers. Was die Jesuiten und ihre Trabanten in den letzten zwanzig Jahren aus der Republick gemacht haben, kann man sich kaum vorstellen. Die Herren haben es mit der ihnen eigenen Schlauheit verstanden, das klerikale Wasser in die antisemitische Windmühle zu leiten. Statt Liebe und Eintracht zu predigen, haben sie nur Haß und Hader gesät. Den Ruf: „Tod den Juden! Nieder mit den Protestanten!" haben sie zur Schlachtparcle gewählt, um die Nolksmassen mit Vornrtheilen anzufüllen und immer mehr und mehr zu knechten und zu vermummen. Sie haben sich nicht gescheut, die schlimmsten Wablbeeinflustungen ,;u betreiben. Die Klerikalen, denen sehr große Mittel zur Ver siigung stehen, baden mit aller Energie öffentlich die antiseniitischen Kandidaten unterstützt. In gewisten Gegenden Frankreichs ist es überhaupt Sache der Unmöalichkeit, fortschrittliche und freiheitliche Ideen zu verbreiten, so groß ist der Einfluß, den die reaktionärklerikalen Feinde der Republik über die Volksmenge zu gewinnen verstanden. Daß eine wahrhaft republikanische Regierung, die dieses Ramens würdig zu sein behauptet, solche Zustände nicht weiter dulden kann, ist selbstverständlich, lind so hat bekanntlich das Ministe rium Waldecl-Roustean, das an Langlebigkeit imb Festigkeit seine Vorgänger weit übertrifft, vor einigen Mona len den beiden gesetzgebenden Körperschaften die bekannte 1 oi snr Ips assonations unterbreitet, die Mißbräuche der Mönche zu däminen sucht und die bekanntlich die Zustimmung sowohl der Depntiertenkammer, als auch des Senates gefunden hat. Diesem Gesetze gemäß mästen die geistigen Orden der Regierung ihre Statuten und ein Autorisationsgesuch einreichen. Diejenigen Orden, die bis zum 1. Oktober diese Vorschrift nicht erfüllt haben, werden aufgelöst. Einige Orden staben diesem. Gesetze durchaus nicht Nachkommen wollen und es vorgezogen, den Boden Frankreichs zu verlosten. Glückliche Reise, meine Herren! Unter den freigesinnten Bürgern wird wohl Niemand den Auszug der Mönche bedauern. Sie haben unaufhörlich Inden-

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