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Der Israelit · 1901-10-10 · Heft 80 (10.10.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 80 (10.10.1901)
Date
1901-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1729] ändern in: „Landesverband der deutsch-sozialen Reformpartei" und mit der deutsch-sozialen Partei ein freundschaftliches Verhältniß aufrecht zu erhalten. Man erklärte sich ferner aus Anregung der „Deutsch-sozialen Partei"' bereit, einer Reichstagskandidatur Schack- Hamburg für Kassel-Melsungen zu unterstützen, vorausgesetzt, daß dieser keine weitere Kandidatur annehme. Koblenz, 8. Okt. Still, ohne Sang und Klang, wurde am vergangenen Samstag das 60jährige Bestehen der hiesigen Synagoge begangen, die am 24. Januar 1851 eröffnet wurde. Die Feier war auf Sukkoth verschoben worden, da die Renovirung der Synagoge erst im Sommer beendet wurde. Von der Feier, die in einer Art „Erinnerungspredigt" bestand, kann man sagen: „Verlegte Märkte werden schlecht gehalten." Montabaur, 7. Okt. Eine seltene Feier beging am 5. d. M. unsere Gemeinde. Handelte es sich doch um die Einweihung der neuen Thora-Rolle, die von der in weiten Kreisen durch ihren wohlthätigen und frommen Sinn bekannten Frau Isaak Stern Ww. gespendet worden war, um einem fühlbaren Mangel abznhelfen. Am Freitag Nachmittag begann die Vorfeier dieses hier außergewöhnlichen Festes. Die Thora-Rolle wurde um 5 Uhr unter großer Vetheiligung der hier weilenden zahlreichen Fremden und der gesummten Gemeinde, aus dem Hause des Herrn Heimann Stern in feierlicher Begleitung unter den Klängen einer Musikkapelle zur Synagoge getragen. Nachdem von einem eigens zu dieser erhabenen Feier gebildeten Chor das „Matauwu" in ergreifender Weise gesungen und die Thora in den Araun hakodesch gestellt war, hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Weingarten - Ems die Festrede. Zunächst dankte er der edlen Spenderin für ihre hochherzige Gabe in beredten Worten und erflehte für sie Gottes Segen. Alsdann wies er darauf hin. wie zu allen Zeiten die Thora von unfern Vätern hochgehalten wurde, „wie der Jude stets über seiner Thora lag und sie studirte." selbst dann, als das Jntereste aller Völker durch welterschütternde Ereignisse für deren Religionen geschwunden war. Und so solle auch die Gemeinde das Gotteswort stets hochachten und es nicht über den Sorgen des Alltaglebens vergesten und vor allem für die religiöse Erziehung der Kinder Sorge tragen. Mit einem Segen für die Gemeinde endete die Vorfeier. Der Festgottesdienst am Sabbatmorgen wurde ebenfalls mit dem „Matauwu" eröffnet. Darauf erfolgte die eigentliche Einweihung der neuen Thora durch Vorlesung aus derselben. Nach dem Vortrage eines Chorals hielt der Herr Rabbiner eine Ansprache an die Gemeinde, welcher er die Worte zu Grunde legte: 2,0"! '"! 'w r,a nx-i' (5. B. M., Kap. 16, Vers 16). Darauf sprach er über die Bedeutung des „Regen-Gebetes." Wie der Regen nichts nützen könne, wenn der Acker nicht bearbeitet und zu seiner Aufnahme genügend vorbereitet wäre, so sei auch mit dem bloßen Beten nichts gethan, wenn nicht die Arbeit, d. h. das rechte Verständniß der in der Thora enthaltenen Lehren und die Ausübung der Gebote dem Gebete vorausgegangen sei. Darum sollen wir unsere Kinder stets auf die Bedeutung der göttlichen Gebote aufmerksam machen und sie zu deren Erfüllung anhalten; in der Jugend müsse das Herz für die Aufnahme der Thora vorbereitet und fähig gemacht werden, pflügen müsse man, wenn der Segen nützen solle. Daran schloß sich das Mussaphgebet, bei welchem abermals der Chor durch seine Vorträge zur Verschönerung des Gottesdienstes beitrug. Aus Württemberg, 3. Okt. (R e l i g i 0 n s - bekenntniß in Württemberg.) Am 1. Dezember 1900 zählte man 1,407,176 Evangelische (69,1 pCt.), 601,794 Katholiken (29,9 pCt.), 12,639 Israeliten (0,62 PCt.), und 6913 Sonstige (0,33 pCt.). Vom 3. Dezember 1858 bis 1. Dezember 1900 stieg die Zahl der Evangelischen von 68,46 pCt. auf 69,1 pCt., die der Dissidenten von 0,13 auf 0,33 pCt., und ging die Zahl der Katholiken von 30,75 pCß auf 29,9 pCt. zurück. Günstig für die Bekenner der jüdischen Konfession ist die Zahl der Gefangenen in den Strafanstalten Württembergs. Unter 1897 Gefangenen befanden sich 1130 Evangelische 69 pCt.), 767 Katholiken (40 pCt.) und 4 Israeliten 0,2 pCt.). O e st e r r e i ch. Wien. (Kaiserin Elisabeth und das K 0 l - N i d r e.) Wenn die wehmüthigen ergreifenden Klänge des uralten Klagegesanges, des Kol-Nidre, die Räume der Synagoge durchfluthen und alle Zuhörer mächtig ergreifen, wie immer, wenn dieses Juwel uralter, sich in den grauen Nebel der Urzeit verlierender Kunst zum Vorschein kommt, erinnere ich mich auch daran, daß dasselbe eine hohe Bewunderin hatte. Es ist nämlich eine bekannte Thatsache, daß dieser Gesang voll mystischer Kraft und Weihe, aus welchem eine tiefe Himmelssehnsucht spricht und den ein englischer Dichter mit ven Worten bezeichnet: „Ein brechend Herz/ das fleht in Melodien ■— ein ©laube, der den Sieg errang," nicht nur auf die Bekenner der mosaischen Religion, sondern auch auf Kunstfreunde, die anderen Konfessionen angehören, einen tiefen Eindruck macht,, so daß am Vorabend des Versöhnungstages, an welchem allein dieser Klagegesang angestimmt wird, der Tempel stets auch von zahlreichen Nichtjuden besucht wird.. . Hne.Pewunderin dieses uralten, herrlichen Sanges war auch die verewigte Kaiserin von Oesterreich, die in Men am Vorabende des Versöhnungstages öfter die Synagoge zu besuchen und das Kol-Nidre anzuhören pflegte. Dieses melodische Klagelied bewegte die Kaiserin und erregte ihr Wohlgefallen in solchem Maße, daß sie sich

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