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Der Israelit · 1901-10-10 · Heft 80 (10.10.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 80 (10.10.1901)
Date
1901-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1738 Gottesleugner und suchen wir darzuthun, daß selbst auf Grund ihrer Theorien die Gotteserkenntniß im Allgemeinen und die von Gott gewollte Sendung Israels im Besonderen uns erblüht. Die gegenwärtig beliebteste philosophische Theorie ist die Evolutionstheorie, d. i. diejenige monistische Weltanschauung, welche annimmt, daß im Weltall ein einheitlicher, durch mechanische Ursachen bedingter, unaufhaltsam fortschreitender Entwickelungsvorgang stattfindet. Die Abstammungs- oder Umwandlungslehren, Descedenz- oder Transformationstheorien, ein Tbeil der Evolutionslehre, betreffen nur die lebenden Wesen. Die wichtigste derselben ist gegenwärtig die Selektionstheorie oder der Darwinismus. Diese Anschauung, die dem altgriechischen Ausspruch: „Alles fließt" sehr nahe kommt, nimmt für die unaufhaltsame Bewegung aller Dinge zweierlei Kräfte an. die intensive oder die Molekularbewegung, und die extensive, d. i. die mechanische. Zu den ersteren gehört die Elektrizität, die sich in der Kraft, dem Licht, der Wärme und dem Magnetismus äußert, ebenso wie die Chemie, die durch die Beziehungen der Stoffe zu einander Veränderungen bewirkt. Zu den letzteren gehören die mechanischen Kräfte, die rein äußerlich wirken, wie das Gesetz der Schwere, die Elasticität u. s. w. In den früheren Zeiten, als die Natur noch wenig erforscht war, bediente man sich ausschließlich der mechanischen Kräfte, um die menschlichen Werkzeuge und Getriebe in Bewegung zu setzen, nachdem man jedoch die intensiven Naturkräfte entdeckt hatte, gab man, deren Wichtigkeit erkennend, diesen den Vorzug. Es entwickelte sich hieraus eine gewaltige Industrie und Verkehrstechnik, die eine völlige Umgestaltung aller menschlichen Lebensweise zur Folge hatte. Die gleiche Beobachtung, die wir nun in der physischen Welt gemacht, können wir auch in dem sozialen Leben der Völker verzeichnen. Wurde früher die Entwickelung und Machtstellung der Völker durch rohe Gewalt gefördert und bedingt, so gewinnt heute die Intelligenz und die Bildung der Nationen immermehr Einfluß auf ihre Bedeutung in der Welt. Das Judenthum gleicht nun einem jene wunderbaren, intensiven Stoffe enthaltenden Gefäß. Als Sozialkörper war es von je der Gegenstand der Bewunderung der Denker aller Zeiten. Die Existenzfähigkeit dieses Volkes läßt sich nicht durch Ursachen erklären, welche für das Leben und Blühen anderer Völker maßgebend sind. „Was ist das Judenthum an und für sich?" Seit Hunderten von Jahren hat diese Frage all' diejenigen beschäftigt, die für das Judenthum größeres oder geringeres Interesse zeigten und veranlaßte sie, mehr oder minder treffende Definitionen zu geben. Daß das Judenthum als eine den anderen gleichgestellte. Nation zu betrachten sei, ist schon aus dem Grunde ausgeschlossen, als ihm jedes Merkmal anderer Völker, wie Verkehrssprache, Land u. s. w. fehlt. Für! den rechtgläubigen Juden bildet die Beantwortung dieser Frage keine Schwierigkeit. Für -ihn gilt die uralte Definition: Wir Juden sind ein von allen anderen Nationen wohl zu unterscheidendes Volk, wir sind ein: mp r:nr ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk und nur als solches hat das Judenthum eine Existenzberechtigung. Die Kräfte, die den jüdischsozialen Körper beleben, sind intensiver Natur: ,i\*vnu mi m rrpsT rrrcj? bv ein min nrr Hieraus erklärt sich die Lebensfähigkeit dieses Körpers, in welchem im Verhältnis; zu der geringen Materie so viele inneren unsichtbaren Kräfte wirken. Nach einem bekannten Naturgesetz wirkt die Intensität da stärker, wo viele Kräfte sich auf geringe Materie vereinigen. Ein kleines Stückchen Dynamit ist im Stande, einen Felsen, der Tausende von Centnern wiegt, zu sprengen. Eine kleine Kugel, vermittelst Pulver aus der Pistole geragt, vermag den mächtigsten Stier dahinzustrecken. Wie der Allmächtige sich in der Natur der treibenden Kräfte für feine Zwecke bedient, durch die ein unaufhaltsam fortschreitender Entwickelungsvorgang stattfindet, r'.rvb EEx si: "trx, so bedient Er sich Israels unter den Völkern zur Entwickelung und zum Fortschritt der Gesammtmenschheit. Israel ist gleichsam die Waffe, deren sich Gott bedient, die erfüllt mit dem edlen Stoffe, dazu berufen, die Welt von den Fesseln, mit der die nächtigen Geister sie gefangen halten, zu sprengen. In dem nächsten Kapitel wollen wir einmal zeigen, wie die Waffe Israel ausfieht, wenn ihr die Munition fehlt, und wie unsere heilige Thora über die Ziele Israels als Volksthum urtheilt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfponden;en. Deutschland. .Haml'urq, 8. Okt. Als „jüdische Unredlichkeit" bezeichnen die Antisemiten den Wechsel der Firma, und sie behaupten, er werde nur darum vorgenommen, um das Publikum zu täuschen, damit es dem Betrüger, der es schon oft „hineingelegt," abermals in's Garn gehe, nachdem er sich ein neues Firmenschild beschafft. Es ist nun ein köstlicher Witz, daß gerade die Antisemiten in einem kurzen Zeitraum mit „jüdischer Unredlichkeit" so oft die Firma gewechselt haben, daß es kaum mehr möglich ist, alle die.verschiedenen Bezeichnungen aus dem Gedächtnis; aufzuzählen. Nun ist wiederum ein Firmenwechsel eingetreten. Die unter dem Vorsitz des Reichs- und Landtagsabgeordneten L. Werner in Kassel stattgehabte Hauptversammlung des Antisemitischen Landesverbandes beschloß, den Namen desselben zu

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