Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 80 (10.10.1901)
- Date
- 1901-10-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 80 Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Begründet von Dr. in IKtain}. Donnerstag, den 10* Oktober 5662 (1901). Leitender Artikel. Sltikiif Sfltfliifrt)ii 11111111 irnii Mtntliiiiii. ii'üit Jacob Ephraimsohn. -prx “2 pwi /-,3 m L'X ‘.raii "2 ^ca 'N .jj"b 03-533 pfrn '13 biW .P’Ofnj ->'7)1 P'S'X7 XlpJ& b'3L»3 X~3 ~'tPN~3 LX737I3 S7pn hü 2X73713 pXIT L'3V7! .PH^in T^X .Dü 7"7)1 27173X3 X^X ,3"p o’bon 'i bbrr X73) rar; Wer einmal im Judenthume geboren ist, der kann nach der Bestimmung der Vorsehung, nur schwer aus demselben heraus. Da ist es denn das Gescheidteste, sich offen und stolz als Jude zu bekennen. Wie ist man aber Jude, wenn man keine Religion mehr hat? Unsere modernen Brüder, die für die verlassene Religion der Väter ein Surrogat suchen, das sie trotzdem als zum jüdischen Stamme gehörend erkennbar macht, bemühen sich, mögen sie nun als nationale Jungjuden oder als Assimilationsjuden dem ererbten Glauben den Rücken gekehrt haben, dem Worte „Judenthume" eine andere Bedeutung beizulegen, als dasselbe von jeher hatte. Daß das Judenthum auch heute nichts anderes bedeutet, als vor undenklichen Zeiten, und daß es auch bis in alle Zukunft nichts anderes ausdrücken wird, das soll einen Tl)eil des Inhalts der nachstehenden Betrachtung bilden. Es ist nicht meine Absicht, hier eine ausführliche Darlegung des großen Zersetzungsprozeffes zu geben, den einerseits die jüdische Nationalbewegung und andererseits das Bestreben, es den Völkern, in deren Mitte wir leben, nachzuthun, hervorgerufen hat. Ich begnüge mich nüt der kurzen Fassung der Definitionen und der Beleuchtung der Gegensätze zwischen ihnen und uns zwischen ihrem und unserem Judenthume. mirotprmxa Die Wissenschaft soll angeblich unvereinbar sein mit dem Glauben an das höchste, einzige Wesen. Wohlan, was ist denn Wissenschaft, und wie weit haben wir cs denn bis heute in der Wissenschaft gebracht? Ist man im Stande, die Behauptung der Gott negirenden Philosophen, daß Alles von selbst nach gewissen Gesetzen entstanden, zu beweisen? Gewiß nicht. Wissenschaft heißt zunächst das Wissen selbst als Zustand des Wissenden, sodann de^-Jnbegriff dessen, was man weiß. Im engeren Sinne heißt Wissenschaft der vollständige Inbegriff gleichartiger, nach durchgreifenden Hauptgedanken geordneter Erkenntnisse. Aus solcher Grundlage einer bloßen Systematik wächst dann erst die Wissenschaft im strengen Sinne als eine Erklärung und ZurückUihrung der Erfahrungsstoffe aus ihre tieferen Gründe und Zusammenhänge hervor. So gelangt man in allen Wissenschaften bis zu gewissen letzten Prinzipien, aus denen erklärt wird, die stch aber vom Standpunkte einer einzelnen bestimmten Wissenschaft aus nicht weiter erklären lassen. Die Untersuchungen, welche sich auf diese höchsten Prinzipien beziehen, bilden dann eine der Aufgaben der Philosophie. Nun sollte man meinen, daß, da es nur eine Wissenschaft, also auch nur eine Wahrheit geben kann, auch die modernen Philosophen auf Grund der gemeinsam gemachten gleichartigen Erfahrungen nur ein System, d. i. nur eine Erklärung für die Entstehung aller Dinge haben müßten. Das ist aber nicht der Fall. Fast jeder Universitäts- Professor, jeder Gelehrte, jeder Schriftsteller, alle, alle haben sie ihre besondere Anschauungen, während der Eine sich an Schoppenhauer hält, klammert sich der Andere an Nietzsche, der Dritte an Spencer und der Vierte an irgend einen anderen gerade in Mode gekommenen Philosophen, und sei es auch nur Eduard von Hartmann. Halten wir uns einmal an die gegenwärtig verbreitetste philosophische Weltanschauung der modernen