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Der Israelit · 1901-12-24 · Heft 101-102 (24.12.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 101-102 (24.12.1901)
Date
1901-12-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2256 Ich kann dies Argument nicht gelten lassen, denn nicht das Bedürfniß des Augenblicks ist es, das hier befriedigt werden soll, und bis die nöthigen Vorarbeiten erledigt sind, tann und wird hoffentlich der wirtchfchaftliche Horizont einen heiteren Ausblick zeigen. Es war deßhalb meine Absicht, in einer kleinen Broschüre mein Projekt der Qessentlichkeit vorzulegen. Nun ist, ehe es dazu kam, der Eingangs erwähnte Artikel erschienen, der mich veranlaßt, von dieser Stelle aus schon jetzt das Wort zu nehmen. Im Interesse der weiteren Diskussion möchte ich meine Ausführungen dahin zusammensaisen: „Ein allgemeines jüdisches Credit- Institut erscheint für Deutschland u n n ö t h i g." „Ein Credit-Institut, das sich die Errichtung und Unter st ützung von am Sabbat geschlossen haltenden Geschäften zum Ziel setzt, ifteindringendesBedürfn i ß." Moritz A. L o e b. Der Herr Dr. W., der diese Frage im „Israelit" angeregt, behauptet, daß man in Deutschland noch nie gehört habe, daß bei allem sonstigen Antisemitismus „einem Juden seines Glaubens oder seiner Rasse halber der nachgesuchte Credit bei einem Bankinstitut nicht bewilligt worden wäre." Darauf muß ich erwiedern: Wenn derartige Fälle auch noch nicht so an's Tageslicht getreten sind, daß man die Motive glatt und rein herausschälen könnte, so unterliegt es dock gar keinem Zweifel, daß wir in Deutschland eine ganze Reihe antisemitischer Bankdirektoren und solcher Antisemiten besitzen, die in Bankinstituten einflußreiche Stellungen einnehmen. Beweis, die diesjährigen Bankkrache, deren Faiseure doch zum größten Theile ausgesprochene Antisemiten waren. Glaubt der Herr Dr. R. W. nun, daß diese Herren, so lange sie noch in „Amt und Würden" waren, den an ihre Institute herangetretenen Juden nicht auch deßhalb ihre Gesuche abgeschlagen haben, ausschließlich weil sie Juden waren? Sicher war dies der Fall und ich könnte, wenn es daraus ankäme, Beweise erbringen. Und wieviel derartige Herren mögen heute noch in führenden Stellungen sein? Unbestreitbar haben Solche, wenn sie bei Ablehnung Gründe angeben, sich mit der dem Rerserveleutnant eigenthümlichen Reserve ausgedrückt und in den Gründen nichts von ihren antisemitischen Neigungen merken lassen, aber daß solche oft die wahre Ursache für Creditverweigerung sind, wird wohl kaum Jemand in Abrede stellen können. Es wäre auch gar zu merkwürdig, wenn ein solcher Direktor, der grundsätzlich mit keinem Juden verkehrt, bei keinem Juden etwas kaust, in seiner beruflichen Thätigkeit nach anderen Grundsätzen verfahren sollte. Eine andere Frage ist, ob trotz alledem ein jüdisches Ereditinstiiut in Deutschland Bedürfniß und lebensfähig ist. Diese Frage wage ich schon deßhalb nicht zu entscheiden, weil die Beantwortung derselben nach meinem Ermessen für die verschiedenen Gegenden und Länder Deutschlands immer wieder anders ausfallen würde. Ergebenst M. M. S. (Weitere inzwischen eingelaufene Kundgebungen in dieser Angelegenheit folgen in einer späteren Nummer. Red.) Brief ans Galizien. Die Taufwuth hat in den letzten Zeiten bei uns zu Lande in einem geradezu beängstigenden Maße zugenommen. Aus der allerjüngsten Zeit haben besonders drei Fälle großes Aufsehen und noch größere Erbitterung hervorgerufen. Der Professor der Biologie an der Lemberger Universität, Dr. Jos. Nußbaum, Sohn eines bekannten Warschauer jüdischen Schriftstellers, Namens Hilarins (eigentlich Hillel) Nußbaum, der eine sechsbändige Geschickte der Juden, in polnischer Sprache geschrieben, und auch sonst einige Schriften über Juden und Judenthum verlaßt hat, ist mit seiner ganzen Familie zum Christenthum übergetreten. Desgleichen der Professor der Physik an der Krakauer Universität, Dr. Wladislaw Natansohn, Sohn des früheren Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Warschau, Dr. Ludwig Natansohn, ferner Landgerichtsrath August Wolf in Koloinea, Sohn des im Alter von 87 Jabren verstorbenen Lemberger Religionslehrers und Hilfspredigers der dortigen „fortgeschrittenen" Gemeinde, Michael Wolf. Es muß dazu noch betont werden, daß der erst- und der letztgenannte der Abtrünnigen ihre Erziehung und ihre jetzige Stellung jüdischem Gelbe verdanken, welches ihre Väter von den jüdischen Gemeinden erhielten. Auch das ist merkwürdig, und verdient mit Nachdruck, als vsvckvlogisch merkwürdige Thatsache hervorgehoben zu werden, daß die genannten Täuflinge der sog. „fortschrittlichen" Partei angehörien, denen die Glaubenssätze unserer jüdischen Religion unbequem waren, veraltet schienen und als „reformbedürftig" oorkamen. Run haben diese Leute, denen der einig einzige, allmächtige, allgütige und allgerechte Jndengott „zu viel" war, die es nickt über sich bringen konnten, an die Unsterblichkeit der Seele, die ewige Gerechtigkeit und die sittliche Weltordnung zu glauben, aus einmal die unüberwindliche Sehnsucht empfunden, die Dogmen der christlichen Kirche, sowie die 865 Heiligen derselben an-uer kennen u. s. w. Die Ueberzeugung geborener Nichtjuden, die in ihrem Glauben ausgewachsen sind und demselben treu bleiben, ist für uns unantastbar, und ein jeder aufrichtige Jude empfindet es gewiß schmerzlich, wenn man das Bekenntniß eines anderen Menschen antastet, vielleicht nicht minder schmerzlich, als w?nn er sein eigenes Glaubensbekenntnis; angegriffen siebt. Aber kein Mensck wird uns das weiß machen wollen, daß ein Jude, und erst ein solcher, der mit seinem eigenen Glauben zerfallen ist, eines schönen Morgens erwacht, und die „Ueberzeugung" hat, es sei zu seinem Seelenheil unbedingt nothwendig, daß er die Lehren des katholischen Katechismus sich zu eigen mache; daß er von der „absoluten Wahrheit" besagter Glaubenssätze

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