Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1901)
- Date
- 1901-12-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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2246 u. a. — aber der Redner hat die gegen den Zionismus von religionsgesetzlichem Gesichtspunkte aus sich erbebenden Bedenken wesentlich vermehrt und auch eine christliche Stimme, das Votum des derzeitigen Rektors der Universität Bern, als Beweis dafür angeführt, daß der bloße Wortlaut der Juden und Christen gleich heiligen Bibel genüge, um den Stab über die zionistische Bewegung zu brechen. In der diesem Vortrage folgenden Replik machte einer der anwesenden Zionisten dem Redner u. a. den Vorwurf, daß er eine andere christliche Stimme zu Gunsten des Zionismus tendenziöser Weise verschwiegen habe, und zwar die des Herrn Professor Heman in Basel. Dieser Herr ist nun die Seele der Basler Judenmiffion. In einem von demselben erstatteten Berichte wird von dem Zionismus wörtlich gesagt, daß er dazu gedient habe, „die Aufmerksamkeit der Juden auf die alttestamentalischen Weissagungen zu richten und den Blick auf die Geschichte ihres Volkes und damit auf den Stifter der christlichen Religion zurückzulenken. Auch unter den Rabbinern regt sich die Frage: Wie nlüffen wir uns zu dem Stifter der christl. Religion stellen? Ein sehr angesehener Rabbiner verlangte, daß die Kinder über den Stifter und seine Lehre unterrichtet werden sollen, und mehrere Rabbiner stimmten diesem Plane bei. Seit der Zeit des Stift, der christl. Religion ist noch keine solche Veränderung im Geiste der Rabbiner eingetreten."* *) Dieses Citat ist dem soeben erschienenen 12. Jahrgang 1901 des „Politischen Jahrbuchs der Schweizerischen Eidgenossenschaft" entnommen. Sein Herausgeber, Dr. Carl H i l t y , Professor des Bundesftaatsrechtes an der Universität Bern, bemerkt dazu: „Wir glauben unsererseits weder an den Zionismus, noch an die Judenmission, sondern dieses Volk wird nach dem Prophetenwort wieder nach seiner Heimath gerufen werden, wenn es Zeit dazu geworden ist." Diese Beziehungen zwischen der Judenmission und dem Zionismus sind nicht neu. In dem ersten Heft des 3?. Jahrgangs der Zeitschrift für die Mission der Kirche an Israel „Saat auf Hoffnung" heißt es: „Heute, wo sich die Entscheidung unter den Juden selbst vollzieht, wo sich im Zionismus das Volk erhebt, heute muß ein neuer, positiver Weg eingeschlagen werden, um das Evangelium in die Mitte der Nation zu bringen!" Chief-Rabbi Dr. Adler in London, die durch die überzeugende Schärfe ihrer Argumente von besonderem Interesse ist. *) Ein sie b r angesehener Rabbiner? und mehrere angesehene? Wie schade, daß der Bericht deren Name mitzutheilen vergessen hat. So lange Zerr Prof. Heman aber keine Namen nennt, wird er sich nicht darüber wundern dürfen, wenn die Juden, soweit sie nicht Zionisten sind, nicht nur über das ^Ansehen, sondern auch über das bloße Vorhandensein derartiger Rabbiner ihre eigene Meinung haben. Red. Daß diese Beziehungen sich aber fort und fort wiederholen, daß die Zionisten selber diese ihre Gesinnungsgenossen von der Judenmission nicht nur nicht von ihren Rockschößen schütteln, sondern daß man sich aus diese Bundesgenossenschaft etwas zu gute thut und daraus dringt, Herrn Pros. Heman als Lobredner der Zionisten nicht mit Schweigen zu übergehen, das spricht Bände und charakterisirt den Zionismus besser, als alle Argumente seiner zahlreichen Gegner. HetturrgSnachrichte« und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 15. Dez. In der „Repräsentanten-Bersammlung" bildete heute die Errichtung eines Jugendgottesdienstes den Hauptpunkt der Sitzung. Wie ich Ihnen bereits gemeldet, hat der konservative Rabbiner, Dr. Eschelbacher, erklärt, daß er mit der hier üblichen Agende nichts zu schaffen haben, sondern eine neue will. Beginnen soll dieselbe mit Ma tauwu, dann soll ein deutsches Gebet folgen, nach dem Psalm 145 soll Uwo le-Zion eingefügt werden, der Thoraabschnitt, der am Vormittag vorgelcsen worden ist, soll nur hebräisch verlesen werden. Nach längerer Debatte gelangte man dahin, die ganze Angelegenheit zu vertagen. Frau Jenny Born hat der Gemeinde 150,000 Mark überwiesen. Es folgen Rechnungsabschlüsse, und zum Schlüsse eine Verhandlung, wonach die Berichterstatter im unteren Saale plazirt werden sollen. E. N. Berlin, 19. Dez. Der geschäftssührende Ausschuß des „Rabbinerverbandes in Deutschland" versendet heute an die Mitglieder des Verbandes die folgende Zuschrift: „Wir beehren uns, Ihnen hierdurch ergebenft mitzutheilen, daß die in Frankfurt a. M. für Ende d. Mts. in Aussicht genommene Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland wegen Erkrankung des (übrigens inzwischen genesenen Red.) Kollegen H o r o v i tz in diesem Jahre nicht mehr stattsinden kann, und daß sie durch Beschluß des geschäftsführenden Vorstandes d. d. Baden-Baden 18. XI. a. c. auf den Sommer 1902 verschoben worden ist. Die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland soll daher in einer noch näher zu bestimmenden Zeit des neuen Jahres in Frankfurt a. M. abgehalten werden. Der ausführliche Bericht über die Thätigkeit des geschäftsführenden Vorstandes in den seit der letzten Generalversammlung verflossenen drei Jahren muß für die nächste Generalversammlung Vorbehalten bleiben. Die wichtigsten Arbeiten, welche dem Schutze der Schechita gegen die ununterbrochenen Angriffe von Seiten der Geschäftsleiter des Berliner Thierschutzvereins gewidmet waren, sind Ihnen, wenigstens zum Theil, durch die von uns im Juli d. I. allen