Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1901)
- Date
- 1901-12-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4L. Jahrgang. Erste Weil, zu M101 ä-102 des „Israelit." Leitender Artikel.?>c / «iiii kr $11111*11111$. Basel, -uc. Die Zionisten, die in wenigen Zagen wieder hier ihre Heerschau halten, kehren damit zu ihrer alten Liebe, in Basel zurück, die ihm London auf die Dauer doch nicht streitig machen tonnte. Was unter den vielen Großstädten Europas gerade Basel und London fiir die Zionisten Anziehendes haben, das werden nur die wenigen Eingeweihten wissen, zu welchen ich nicht zähle. Auf der Suche nach einem IVrtnm) comp.-irntionis zwischen diesen beiden Städten drängt sich mir unwilltür lief) die Thatsache aus, daß beide Hochburgen der Judenniinion, d. h. der Bestrebungen sind, die mit allen Mitteln daraus Hinzielen, jüdische Seelen zu sangen und sie der christlichen Kirche zuzusühren. Thatsache ist, daß den Zionisten wiederholt Heil widerfahren ist, von Seiten der Iudenmission. So loenig Antlang der Zionismus auch bei den Juden in Westeuropa findet, die Wortführer der Judenmission haben ihn aus den Schild erhoben und roguettiren freundschaftlich mit ibm. Von den mannigfachen f)terhergehörigen Aeusterungen mögen hier einige Proben folgen. Vor mir liegt ein Sevaratabdruck aus den „Lichtstrahlen" Nr. 8. der unter dem Titel: „Wie viel U f) r i st e s an Gottes \\ h r?" die 2tinon Heseliels von den wiederbelebten Todtenbeinen zum Gegenstände hat und die Verwirklichung dieser Prophetie in dem „Zionismus, dem großen Zeichen un serer Zeit", erblickt. Es heißt daselbst: Der Z i o u t s m n s , d a s g r o ß e Z e i ch e n u n serer Z e i t. „Der Zionismus, diese wunderbare Rüstung des Volkes Israel, ..dieses große Zeichen unserer so ernsten Zeit," hat sich in wenigen Jahren der Gemüther von Millionen Israeliten aller Glaubens und Altersstufen bemächtigt, und ist die großartigste Bewegung seiner 'Art unter dem jüdischen Volle. seit dein Iall Ierusa lems im Jahre 70, die Bewegung zur Wiederherstellung des jüdischen Bolkes und zum Wiederaufbau des Dem pels unter Kaiser Julianus, dem Abtrünnigen, um's Iahr -06.0, nicht ausgenommen. Hunderte von Zio uisteuverciueu und -Briiderschasten und in allen Welttheilen gegründet tvorden und haben Tausende von begeisterten Mitgliedern. Zionistische Zeitungen, Wocheu- und Monatsschriften werden in verschiedenen Sprachen herausgegeben. Eine wunderbare Liebe zur hebräischen Svrache bat gleichfalls das Bundcsvolt ergriffen. He bräische Gesänge — der wundersame Anfang der Erfüllung von Hos. 2,15: „Und daselbst wird sie anheben zu singen, tvie zur Zeit ihrer Jugend, da sie aus Egvptenland heraufzog," werden allenthalben unter den Inden gehört und hebräische Zeitungen und Bücher veröffentlicht." „Es wird auch, ivie auf anderen Gebieten, auf dem Gebiete des Zionismus sich alles riesenschnell entwickeln und in kurzer Zeit Großes geschehen. Die Millionen unterdrückter Juden in Rußland, Rumänien und Galizien stehen bereit, den Wanderstab zu ergreifen." „Man kann heutzutage leichter mit vielen Israeliten über den Stifter der christl. Religion reden, als mit vielen Tausenden von Ramenchristen über das zweite Kommen des Herrn. In letzter Zeit hat es mehr denn je zuvor, seit 1800 Jahren, wahre, suchende, heilsver langende Juden gegeben, was beweist, daß der Herr unter Seinem auserwählten Bott ein Verlangen nach Wahrheit geweckt hat." Wir haben niemals gehört, daß die Zionisten diese Bundesgenossenschost mit der Iudenmission zurückgeioiesen oder gar dagegen protestirt hätten. Dagegen liegt uns eine zionistische Aeußerung vor, welche selbstgefällig über das beifällige Lob quittirt, das ein Indenmissionär dem Zionismus spendet. In Z ü r i ch haben die Zionisten auch ihren Verein, drüen Mitglieder sich wie überall, fast ausschließlich aus eingewanderien und vorübergehend dort sich aushaltenden osteuropäischen Juden rekrutiren. Im Hinblick aus den bevorstehenden Kongreß haben sie den üb lichen Tamtam etlvas lebhafter als sonst in Scene geseht und einige Versammlungen und Distustionsabende zuwege gebracht, an welchen sich auch schweizerische Israeliten und sveziell Mitglieder der Züricher Synagogen Gemeinde betheiligten. Diese haben nun, soweit stc als Redner austraten, aus politischen, sozialen und ötonowischeu Gesichtspunkten die zionistischen Bestrebungen als verfehlt, bedenklich und gefährlich bezeichnet. Der Präses der Züricher Gemeinde erklärt es sogar als seine Pflicht, jedes Mitglied seiner Gemeinde davor zu warnen, sich den zionistischen Bestrebungen anzuschließen. Am folgenden Abend hielt Herr Rabbiner Dr. E b r m a n n aus Baden in Zürich einen Vortrag über die religionsgesetzliche Seite des Zionismus, dessen Resümee ebenfalls zu einem vernichtenden Verdikt dieser Bestrebungen gelangte. Dasselbe haben zwar die ersten zeitgenössischen Koryphäen der Thoratunde schon vor einigen Jahren gethan — wir erinnern nur an die Gutachten über den Zionismus der Rabbiuen von Lods. starlin, Brisl, Darwinsk, Grodno und LibawiczM 0 Dieselben sind gesammelt in der Lckui'l C-r" tn ron 0 Landau n. .Zos. Rabinowitsch n Kowno. — 5n dieser Scdritt findet sich auch eine ans dem Englischen in's Hebräische übertragene Berurtbeilung des Zionismus non 491813