Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1901)
- Date
- 1901-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SS43 Die Kaffe darf doch nicht aus den Grundzügen einer Lebensverffcherungsgesellschaft aufgebaut werden! Und; wenn nur Mitglieder des Rabbinerverbandes pensionsberechtigt sein sollen, wie darf sie sich die „Kaffe der norddeutschen Rabbiner" nennen? Wenn also ein orthodoxer Rabbiner aus prinzipiellen religiösen Gründen diesem Rabbinerverbande nicht beitreten will, so ist er trotz seines Rabbinerthums und trotz aller Würdigkeit von der Wohlthat ausgeschlossen!? Auch die einmaligen ersten Beiträge erscheinen uns viel zu hoch. Das Verlangen, noch vom Ruhegehalte weitere Prozente an die Reliktenkaffe zu zahlen, ist viel zu hart, und daß die Mitglieder fünf Jahre lang zahlen sollen, ohne auch nur im geringsten die Wohlthaten zu genießen, ist erst recht unbegreiflich. Aber der Grund für alle diese schweren Bedingungen ist klar. Die Kaffe hat eben noch nicht die Mittel und das Vermögen, um selbstständig ihre an sich gewiß sehr rühmenswerthe Ausgabe erfüllen zu können. Da wäre es doch aber wahrlich beffer, daß man mit der Begründung der Kaffe noch wartete und erst den Fond noch wesentlich erhöhte. Roch ist man nicht an die Großen und Größten, wir meinen an die Reichsten, herangetreten, und wenn sich das Komitee bemüht, bei kinderlosen reichen Leuten, die oft Millionen zu anderen Zwecken testiren, größere Summen für diesen Zweck zu erwirken, so wird die Kaffe auf breiterem, freundlicherem Boden erwachsen, dann wird man, nur um den Fond zu erhöhen, den Mitgliedern nicht so harte Pflichten auferlegen, dann werden manche Mitglieder zu ihren vielen Sorgen nicht noch die neue Sorge hinzusiigen, ängstlich um größere Beiträge bemüht sein zu muffen und gewärtig zu sein, die Mitgliedschaft einzubüßen, wenn sie auf eine zweimalige Aufforderung hin, ihre Beiträge nicht immer leisten können. Das Plenum des Rabbinerverbandes wird für eine mildere Faffung des Entwurfes sorgen muffen. Es ist wahr p» rsp px ex zur Thora gehört Brod. Run, das Brod soll gereicht werden, möge damit die Thora nicht schwinden, sondern gerade in größerer äußerer Sorglosigkeit der Rabbiner freudiger auch für die Ideale des Judenthums eintreten! Frankfurt a. M. Am Sabbat Mikez war der letzte Tag, an welchem für den der Mitwelt unvergeßlichen Freiherrn Willy von Rothschild s. A. das Kaddisch josaum des Owel-Jahres gesprochen wurde. Wie bedeutend ist die Zahl der von diesem Großen hinterlaffenen Jesaumim. Herr M. Michel, welchem vor Jahresfrist von der hochgeborenen Freifrau von Rothschild der ehrende Auftrag zu Theil geworden, in der v. Rothschild'schen Synagoge dieses Kaddisch im Laufe der nunmehr verfloffenen elf Monate täglich zu sprechen, ließ in seinem homiletischen Vortrage, welchen er allsabbatlich Morgens 11 Uhr im Verein Malbisch Arumim (Vörnestraße 62) abhält, die hebre Gestalt des großen Heimgegangenen vor dem Geiste seiner Hörer vorüberziehen. Ausgehend von den in Paraschat Mikez enthaltenen Worten pyvp rx erxo np’i mmb \m mm und der darauf bezüglichen Raschi- Stelle: i^axm ix*3tn :xpp ary^ x*?x nax xi> in’prn, führte Redner aus, wie bei uns das Bewußtsein feststeht, daß pnn pyor *r> bv inner uw bv ho njn; nachdem sein Guf noki unserem, Auge entrückt, wenn auch sein Andenken in unserem) Herzen ewig fortlebt. Dem Prinzip seiner Vorträge gemäß, stets an Sabbaten, welche der Feier jüdischer Gedachtnißtage vorangehen, deren Gründe an Dinim zu erklären, brachte der Vortragende in Verbindung mit der Erläuterung des Kaddisch, unter Zugrundelegung der in dem Gebetbuchkommentar seines unvergeßlichen Lehrers, Rabbiner Hirsch s. A., niedergeschriebenen Erklärung, die Erinnerung an die an Afforoh be-tewes begonnene Belagerung von Jeruschalajim in Erwähnung, wie so oft schon rvrn für sein Volk Licht und Schatten abwechseln, wie Haschem in früheren Zeiten Kez som lachauschech, so auch jetzt und in aller Zukunft Zeiten von Riffim golujaus aufhören, aber das S'chus von Zadikim, sowie die Riffim nistoraus niemals ganz erlöschen läßt. Eine große Mazewoh wird dem großen Heimgegangenen gesetzt werden, aber die unvergängliche Mazewoh, welche auch an Sabbaten und Feiertagen vor unserem geistigen Auge stets lebendig sein soll, das ist di? rz'io welche ihn uns in Erinnerung bringt, wie ihn Diejenigen stets geschaut und bewundert, welche Jahrzehnte lang zur Zeit seiner nbcnj seine Umgebung bildeten. Wer ihn bei dieser Gelegenheit geschaut, wie er vor seinem Gotte stand, wie er die fehlerloseste Aussprache eines jeden -Wortes — nicht allein von rop r*p und n-py n:xv — ängstlich beachtete, mit welcher nrr er betete — nahm den scheinbaren lontrastlichen Eindruck mit sich: Der g r o ß e, reiche Baron Williy von Rothschild betet auf eine Weise, wie nv “[hon th uns lehrt: irw "SP1 'n vth spy >a wb n*raru Täglich am Schluffe der nbsn rezitirte er laut den zweiten pia von msx ip-© von "p“ x'n nx ws cixn H •htp mp’ bis zur neunten h;po welche schließt: xan efcyn ”n H rwp ™ na-r ib rrjp. Bei Ablegung seiner pcho.v lernte er laut auswendig die drei ersten a-pvv von rwc ^aoo rupol nebst den zwei rr;po des vierten pvs. Sein Eintritt in sein jrar sowie der Ausgang aus demselben, geschah stets gebeugten Hauptes, die Worte in Erinnerung bringend nn aipen x*nj no Sofort nach seinem Eintritt nahm er 6—l0 Mal nvan p nn' errpp vor, sodann legte er rnba und pb'vri an. An Wochentagen, wenn er — besonders in den letzten Jahren — seine Synagoge betrat, nachdem bereits zur festgesetzten Zeit der pn die begonnen — betete er, um sein ma'S nicht nnao zu sein — laxp 7na bis zur >1010, '-o\x und:enpa X ibbn, sodann zusammen mit bnp den übrigen Theil der n^cn Die noch nachzuholenden rnbsn betete er, nachdem die dem p:o zugehörigen Leute, mit Ausnahme des Ehasan, nach poi-r pnp die Synagoge verlassen. Bevor er jedoch den noch nachzuholenden Theil der