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Der Israelit · 1901-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1901)
Date
1901-10-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1701 leben und unseren Glauben bekennen. Um diesen erhabenen Gedanken in die Wirklichkeit Hinauszuführen, haben einige Männer mit der Repräsentantenschaft der „mosaischen Glaubensgenossenschaft" sich zusammengelhan, um den ersten Schritt zu machen. Da unsere Mittel allein nicht hinreichen, haben wir einen Aufruf an Glaubensgenossen in's Ausland ergehen lassen; und da Christiania alljährlich von vielen Glaubensgenossen, die sowohl als Geschäftsleute, als auch als Touristen kommen, besucht wird, so dürften wir der Ueberzeugung sein, dass unser Ruf gehört werde. Dieser Aufruf ist es, der den gehässigen Artikel in Ihrem geschätzten Blatte Nr. .82 zur Folge gehabt hat. Hier, Herr Redakteur, haben Sie eine geschichtliche Darstellung der „mosaischen Glaubensgenossenschaft" in Christiania. Hochachtungsvollst ergebenst Julius v. Essen, Mitglied der Repräsentantenschaft der Mosaischen Glaubensgenoffenschaft in Christiania. Feuilleton. Xlacb vierhundert Hahren. r>] Bon Friedrich Rott. „D nein, davon können Sie nicht stolz werden, Sie können doch nichts dafür, dass Sie schön sind, Sie haben sich doch nicht selbst schön gemacht," versetzte der Knabe mit unvergleichlicher Naivetät. „Darin hast Du recht, Du kleine Weisheit " enigegnete Jsabella ihm freundlich zunickend. Jetzt nahm das Fräulein die Bonboniere, theitte sie und bot den Kindern je die Hälfte an. „Das ist Alles für uns?" jubelte Selma, „ach wie schön, wie schön!" Viktor blickte mit grossem Interesse auf die guten Dinge, die ihm das Schwesterchen zeigte, denn obgleich seine Intelligenz weit über seine Jahre reichte, war er doch nicht weniger Gourmand, als das kleine Mädchen. „Ich danke Ihnen, Fräulein Jsabella," sagte er, indem er ihr die Hand reichte. „llnd ich danke Ihnen auch, Fräulein Jsa — nein, Jsa klingt gar nicht schön, darf ich nicht Fräulein Bella zu Ihnen sagen?" „Wenn es Dir Vergnügen macht, warum nicht —" „Ja, es macht mir Vergnügen. Bella heisst doch die Schöne und Sie sind ja so schön, nicht wahr, Viktor?" „Ja," erwiederte dieser, zustimmend mit dem Kopfe nickend, „ich habe noch nie Jemanden gesehen, der so schön gewesen ist, ausser unsere Mama, die war vielleicht noch schöner." „Dann ist sie vermuthlich auch jetzt noch schöner," sagte Jsabella. „Ach nein," sagte der Knabe, tief aufathmend, „unsere Mama ist nicht mehr bei uns, schon lange nicht mehr, ich glaube, es sind schon drei Jahre her; Selma war gerade fünf Jahre alt, da hat sie einmal, als ich in der Schule war, Halsschmerzen bekommen, und da hat der Papa ihr in den Mund gesehen und gleich gesagt, dass sie eine gefährliche Krankheit hat, die auch ansteckend ist und dass ich gar nicht in's Haus kommen darf. Dies alles hat mir unser Hausmädchen damals erzählt, als ich — ich erinnere mich noch sehr genau — Mittags nach Hause gehen wollte, und ausserdem noch, Papa hätte gesagt, ich sollte zur Grossmama gehen und so lange bei ihr bleiben, bis Selma wieder gesund geworden. Die Grossmama wohnte damals noch nicht bei uns, sondern in einer ganz anderen Strasse. Und der Papa hat auch nicht haben wollen, dass die Mama immer bei Selma ist — aber die Mama ist doch immer bei ihr gewesen und ist schliesslich auch krank geworden. Und wieder einmal, als ich aus der Schule kam, da fass die Grossmama auf dem Sopha und weinte, ach so schrecklich hat sie geweint. Und als ich sie bat, sie möchte mir doch sagen, warum sie weine, da hat sie zuerst gar nicht sprechen können und dann sagte sie, lieber Viktor, die Mama lässt Dich grüssen und lässt Dir sagen, Du sollst immer brav sein und nie vergessen, an jedem Morgen und Abend das Sch'ma zu beten. Und ich hab's noch nie vergessen und werde es auch nie vergessen." Seine Augen füllten sich mit Thränen bei der Erinnerung an seine liebe Mama. „Armes, liebes Kind," sagte das Fräulein, „aber Ihr seid doch noch weit besser daran, als ich, Ihr habt Eure liebe gute Großmama und Euren lieben Papa. — Ich aber habe meinen lieben Papa vor acht Monaten durch den Tod verloren und meine gute Mama schon vor fünf Jahren, und eine Grossmama habe ich nie gekannt —" „Gar Niemanden haben Sie?" fragte der Knabe voll Tbeilnabme. Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Hier in der Nähe habe ich Niemanden." „Aber Sie sind auch schon gross," siel das kleine Mädchen altklug ein. Fräulein von Rauenstein musste unwillkürlich lächeln. „Und wer hat Ihnen denn die vielen guten Sachen gegeben, die Sie uns geschenkt haben?" frug die Kleine weiter. „Die habe ich beim Conditor gekauft. — Aber nun kommt, esset, lasset es Euch gutschmecken." Beide Kinder schüttelten den Kopf. „Wir dürfen nichts essen, was die Grossmama nicht gesehen hat." „Das ist sehr vernünftig," lobte Jsabella. „und Ihr seid brave, folgsame Kinder, darum wollen wir die

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