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Der Israelit · 1901-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1901)
Date
1901-10-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1700 Beiträge angewiesen sind. Hier war die große Schwierigkeit, denn wie sollte man eine Gemeinde schaffen, wo Jeder sich als Mitglied einschreiben konnte, und doch nicht zu zwingen war, eine Steuer zur Erhallnng der Gemeinde zu entrichten. Wir bildeten daher erst einen Verein, und zur Erhaltung der Kosten für einen Betsaal, ein Schullokal und den Lehrer wurden freiwillige Beiträge gezeichnet. Es wurde dann ein Lokal geiniethet, ein Lehrer, Mohel, Schächter und Vorbeter, alles in einer Person, wurde engagiert und bier von uns stellten sich als Garanten dem Hauswirthe und dem Lehrer gegenüber. Nun wirkten wir ein Jahr als Verein und schritten dann zur Bildung unserer jetzigen Gemeinde, die wir, wie die große Copenhagener Gemeinde, „Det mosaiske Troeffamfund" (Die mosaische Glaubensgenoffenschaft) nannten, weil dieser Name im ganzen Norden ein hochgeachteter ist. Gleich nach der öffentlichen Anerkennung unserer Gemeinde fanden sich einige Glaubensgenossen, die der obigen Gemeinde nicht beigetreten waren, die aber auch so ein Ding haben wollten, und bildeten eine Gemeinde, „den jidiske Menighead (die jüdische Gemeinde). So batten wir innerhalb eines Jahres zwei Gemeinden. Da dies aber die jüdischen Interessen nicht fördern konnte, im Gegentheil, viel Unruhe und Streit hervorrief, so wurde darauf hingearbeitet, die eine Gemeinde aufzuheben und es gelang uns durch Entgegenkommen von beiden Seiten. Die jüdische Gemeinde ging in der unserigen auf und die bisherigen Mitglieder dieser Gemeinde verpflichteten sich, niemals eine neue Gemeinde in's Leben zu rufen, weil, wie es in dem dazu aufgenommenen Protokoll, das von allen Anwesenden unterzeichnet wurde, heißt, zwei Gemeinden von Uebel seien und das Judenthum dadurch geschädigt würde. Nun war wieder Frieden in's Land gezogen, doch nicht lange sollte er dauern, denn zwei Brüder, Solomon. die sich inzwischen hier niedergelaffen (sie gründeten eine Schuhfabrik), bildeten mit einigen aus den obigen Gemeinden ausgeschiedenen Elementen eine neue Gemeinde des Namens „den israelitiske Menighed" (die israelitische Gemeinde), die heute noch neben der unserigen besteht. Diese neue Gemeinde, die niemals auch nur einen Pfennig zur Erhaltung des Friedhofes beigetragen hatte, jedoch dasselbe Begräbnißrechi wie die unsere hat, wollte die Oberherrschaft über den Friedhof haben und zwar, weil in dem Kaufakte als Eigenthümer nicht die „mosaische Glaubensgenoffenschaft" eingetragen war, sondern „die hiesigen Juden." Man beliebte zu bemerken, daß der Friedhof im Jahre 1875 angekauft wurde, wo noch gar keine Gerneinde erisfirte, u. daß die erste Gemeinde erst 1892 zu Stande kam. Ein Prozeß wurde von den Herren Salomon zur Auslieferung der Herrschaft über den Friedhof angestrengt, doch verlohn sie ihn selbstredend und der Friedhof verblieb laut Nichterspruch unter der Herrschaft der „mosaischen Glaubensgenossenschaft," die stets und heute noch ganz allein sowohl die Erhaltungskosten, als auch särnmtliche Abgaben entrichtet. Inzwischen hatte die Einwanderung speziell armer ruffischer Glaubensgenossen stark zugenommen. Unsere Lokalitäten wurden zu enge und in Folge dessen waren wir gezwungen, abermals größere Lokale zu miethen. Der Unterzeichnete erhielt gleichzeitig aus seiner Vaterstadt, wo die jüdische Gemeinde inzwischen eingegangen war, die vollständige Einrichtung der Synagoge überlassen, eine, wenn auch kleine, doch sehr hübsche und komplette Synagoge. Nun wurde beschlossen, für das neue hübsche Lokal auch einen Schritt weiter zu gehen und außer einem Vorbeter und Schächter, auch einen höheren Lehrer zu engagiren und zu dieser Stelle meldete sich Herr Dr. Aschkanaze. Hier muß eingeschaltet werden, daß wir mit unseren beschränkten Mitteln, die, wie erwähnt, aus freiwilligen Beiträgen, jedoch nur von unseren eigenen Mitgliedern herstammen, nicht daran denken konnten, einen hochgelehrten, erstklaffischen Rabbiner zu bekommen, und da die Ansprüche des mehr- > erwähnten Herrn Dr. Aschkanaze mit unseren Mitteln in Einklang zu bringen waren, so wurde er engagirt. Unbekannt mit den fremdartigen Verhäliniffen engaoirten wir Herrn Dr. A. auf Grund der von ihm vorgelegleu Atteste, auch ohne uns anderweitig über ihn zu erkundigen: und dies ist der große Fehler, den wir begangen haben, denn nicht lange nach dem Antritte dieses Herrn in sein Amt, wurde unser Gemeindefriede empfindlich gestört. Es stellte sich nämlich bald heraus, daß mehrbenannter Herr nicht geeignet für unsere Gemeinde war, und wir konnten ihn, da er sich auch noch als Mohul, wozu er auch engagirt war, unbrauchbar erwies, nicht länger als ersten Kultusbeamten behalten und mußten ihn von seinem Amte sofort suspendiren. Nach der Verabschiedung von uns wurde er von der israelitischen Gemeinde engagirt, jedoch nach kurzer Dauer wieder entlassen. Nun bildete er selbst eine Gemeinde, kie dritte, die er Adath Jeschurun (Israels Gemeinde) nennt, die aber keine geordnete Gemeinde ist und wohl auch niemals werden wird, da die Mitglieder lose und heterogene Existenzen sind. Herr Dr. Aschkanaze stellte dann die Forderung an die mosaische Glaubensgenoffenschaft, daß wir ihm noch vier Jahre Gage zahlen sollten, weil er behauptete, daß er auf fünf Jahre Kontrakt hätte. Da wir die Forderung als unwahr zurückwiesen, trat dieser Herr den gerichtlichen Weg gegen uns an. Wir wurden freigesprochen und Dr. A. obendrein wegen ungebührlichen Prozeffirens zu hoher Geldstrafe verurtheilt. Inzwischen ist der Wunsch immer stärker geworden, unser eigenes Gotteshaus zu erwerben und somit die erste Synagoge in Norwegen zu bauen, um auch nach Außen hin unseren Mitbürgern anderer Konfessionen zu zeigen, daß wir Juden in geordneten Gemerndewesen

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