Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1901)
- Date
- 1901-10-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1699 so erhaben, daß sie kein Mittel scheuten, um den Plan zur Ausführung zu bringen. Zu damaliger Zeit war in Deutschland kein Ueberfluß an Männern, welche befähigt waren, eine solche Anstalt zu leiten und es war daher für die Fürther Herren doppelt schwer, zu einer Wahl zu gelangen, da ja auch die pekuniäre Gegenleistung sich in nur sehr mäßigen Grenzen bewegen konnte. Bei der Umschau nach einem solchen Manne wurde die Aufmerksamkeit der Herren auch auf den erst 21jährigen Dr. Selig Auerbach, der bereits sein „Doktor-Examen" und „Thoras Harooh" zu dieser Zeit glänzend bestanden hatte, gelenkt; nach mehrfachen Bemühungen gelang es, denselben für die Leitung zu gewinnen, ganz besonders auch, weil es sein Vater s. A. gewünscht hatte. Er selbst hätte zu gerne eine Zeit lang noch im Auslande seine Erfahrungen und Kenntnisse bereichert, bescheiden, wie er war, glaubte er sich dem Posten nicht gewachsen. Daß er es jedoch im höchsten Grade war, sollte sich bald zeigen. In Fürth, das einst der Sitz großer Männer in Israel war, war seit langer Zeit für besseren jüdischen Unterricht nichts geschehen. Die Kinder muhten nichtjüdische Anstalten besuchen und nur wenige Eltern haben ihren Kindern Privatunterricht im Hebräischen ertheilen lassen. Da erschien Dr. Selig Auerbach s. A. mit einigen Kollegen auf dem Platze (Herr Professor Dr. Werner, z. Z. in Frankfurt a. M., war einer seiner ersten tüchtigen Mitarbeiter) und richtete eine Schule ein, deren Resultate alsbald zeigten, ein wie trefflicher Mann der neue Direktor war. Es ist hier nicht der Platz, des Näheren auszuführen. mit welchen Schwierigkeiten nach den verschiedensten Richtungen der Verstorbene damals zu kämpfen hatte; seine Energie, sein redliches Wollen blieben Sieger. Neben dem Jugendunterricht stellte er sein reiches Wissen auch den Erwachsenen zur Verfügung, und seine Vorträge am Sabbatvormittag sind allgemein noch in bester Erinnerung. Leider sollte sein Wirken bald eine Grenze in Fürth finden. Durch den Tod seines großen Vaters s. A. wurde er 1872 auf das Rabbinat in Halberstadt berufen. Was er da geleistet, wie er dort gewirkt, mögen berufenere Federn seiner dortigen Schüler und Freunde schildern. Der Samen, den er in Fürth ausgestreut, hat unter ihm und unter seinem nicht minder hervorragenden Nachfolger, Herrn Dr. S. Dessau, gute Früchte gezeitigt. Diese wenigen Worte glaubte ein früherer Schüler und Verehrer des selig Entschlafenen den Manen desselben widmen zu sollen. I. F. 91 o v w c g o u Christiania, Ende Sept. Der „Israelit" enthielt in seiner Beilage zur Nr. 43 einen Artikel über die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde „Det mosaiske Troeffamfund," der über die thatsächlichen Verhältnisse dieser Gemeinde falsch berichtet und gestatte ich mir. Ihnen so kurz, wie es mir möglich ist, und wahrheitsgetreu, die Historie der jüdischen Gemeinde hier (Det mosaiske Troeffamfund) zu unterbreiten: Erst im Jahre 1846 wurde es Juden gestattet, in Norwegen zu reisen und sich dort anzusiedeln. Die Einwanderung ging vorerst sehr langsam von Statten und so waren im Jahre 1866 erst vier Familien und einige lose Existenzen ansäffig geworden. Von einer Gemeinde oder blos von einem Zusammenhalten dieser wenigen Juden, die obendrein nicht alle in Christiania wohnten, tonnte naturgemäß keine Rede sein. Da starb ein Kind kiese'' Familien. Einen jüdischen Friedhof gab es selbstredend nicht in Norwegen. Nach unserem Nachbarlande Schweden ging noch keine Eisenbahn und die Dampsschiffahrt war eingestellt, das^ es im Winter war. Da nahm einer der vier Eingewanderten und Vater des in dem erlvähnten Artikel genannten Herrn John Nathan, resolut einen Schlitten und fuhr Tag und Nacht nach Gothenburg (Schweden), wo er die Leiche bestattete. Dieser Herr N. N. Nathan wurde der erste Vorsteher der später gebildeten Gemeinde, und diese Stellung hatte er bis zu seinem Tode inne. Erst im Jabre 1876 gelang es den wenigen Juden, einen Friedhof zu erwerben, und da hier noch keine Gemeinde eristenzfähig war, so wurde in den Kaufakt aks Eigenrhiimer eingetragen: „die hiesigen Juden", und nicht die vier Männer, die die Kaufsumme entrichteten, nämlich der obengenannte Herr N. N. Nathan, Jsaac Glückstadt (jetzi Direktor der Landmannsbank in Copenhageu). A. Vollmann (jetzt als Privatier in Frankfurt a. M. lebend) und Emil Cohn (später im Auslande verstorben). Inzwischen siedelten sich mehrere Gkaubensgenoffen an unb so konnte man zu Anfang der achtziger Jahre zu den hohen Feiertagen, we-nn man die in den Hotels weilenden Glaubcnsgenoffen heranholte, zum ersten Male „Minjan" schaffen. Hierzu wurde dann ein Zimmer gemiethet und einer der Anwesenden fungierte dann als Vorleser. Aus diese Weise wurde der erste jüdische Gottesdienst in Norwegen abgehalten. Um diese Versammlungen überhaupt zu Stande zu bringen, hat Herr Louis Müller sich große Mühe gegeben. In den hieraus folgenden Jahren wurde die Einwanderung recht rege (Unterzeichneter etablirte sich im Jahre 1867) und im Jahre 1892 traten einige Glaubensgenossen zusammen, sowohl Deutsche wie Dänen und Polen und faßten den Plan, eine Vereinigung der Juden zu bilden. Unter dem Vorsitze des Herrn N. N. Nathan wurde ein Verein gegründet, woraus, falls es möglich sei, eine dauernde Einigung dieser verschiedenen Elemente, eine geordnete Gemeinde hervorgehen sollte. Zur Aufklärung diene, daß es hier in Norwegen gestattet ist, Gemeinden zu bilden, die außerhalb der Landeskirche stehen, daß es jedoch nicht gestattet ist, die Mitglieder zur zwangsweisen Steuer heranzuziehen, so daß alle diese Gemeindewesen lediglich auf freiwillige