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Der Israelit · 1901-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1901)
Date
1901-10-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1697 -Nach zurückgelegten Gymnasialstudien bezog er mehrere deutsche Universitäten. Von äußeren Sorgen nicht beeinträchtigt, konnte er ganz der Befriedigung seines unbegrenzten Wissentriebes leben. Der geistige Ertrag dieser Jahre war auch in der That ein gewaltiger. Er war nicht bloß auf den verschiedensten Gebieten allgemeinen Wissens bewandert; er beherrschte die Sprachen des klassischen Alterthums mit Meisterschaft, war in den modernen europäischen Kultursprachen und ihrer Litteratur, wie nicht minder in denen des alten Orients wie zu Hause. Die Leichtigkeit, mit welcher er fremde Sprachen beherrschte und in ihre besondere Geistesart eindrang, war uns ein Gegenstand immer erneuten Staunens. Hier offenbarte sich entschieden eine der stärksten Seiten seines umfassenden Geistes. Diese allein wurde ihn befähigt haben, eine Lehrkanzel an einer deutschen Universität glänzend zu bekleiden. So ausgerüstet traf ihn im Alter von noch nicht 24 Jahren eine Berufung als Direktor der israelitischen Realschule in Fürth in Bayern. Er folgte derselben ohne Zögern. Schien sich ihm doch dort ein weites Gebiet zu erschließen, auf welchem er jugendliche Seelen für seine Ideale großziehen wollte. Seine Erwartungen trügten ihn nicht. Die Anstalt war damals noch in der ersten Entloickelung begriffen. Ihre Hilfsquellen konnte sie weder aus dem großen Säckel eines Staates, einer Stadt, oder auch nur einer Gemeinde beziehen. Er war da nur auf die Opferwilligkeit eines engen Kreises angewiesen-, denen die Erhaltung des urkräftigen - Judenthums eine Herzenssache war. Der Ausbau der Anstalt schritt unter seiner Leitung rüstig fort. Sie ward zu einer leuchtenden Pflanzstätte, auf welcher moderne Bildung im Geiste des echten, altüberlieferten Judenthums blühte. Aber noch mehr. Seine zehnjährige Wirksamkeit hat dort dauernde Spuren hinterlassen. Die Anstalt ist bis auf den heutigen Tag ihrer ersten Liebe treu geblieben. Sie trägt noch immer das Gepräge seines Geistes. Die Nachfolger im Amte konnten nichts besseres thun, als, seinen Wegen folgend, die großen Ueberlieserungen ihres ersten Leiters sortpflanzen. In diesen Zeitraum fällt auch ein Ereignitz persönlicher Natur, das zwar für jeden Menschen zu den bedeutungsvollsten gehört, hier jedoch von noch weit größerer Tragweite ward. Sein Vater, Dr. H. V. Auerbach, bekleidete um diese Zeit das Rabbinat in der jüdischen Gemeinde zu Halberstadt. Unser Lehrer knüpfte auf diese Weise enge, freundschaftliche Beziehungen zu dem weltbekannten Hause Hirsch daselbst an. Ihre Krönung fanden dieselben schließlich darin, daß der damals noch jugendliche Direktor die Tochter des Chefs des Hauses, des kgl. preutz. Kommerzienrathes Josef Hirsch als Gattin heimführte. Diese verwandtschaftlichen Beziehungen waren noch dadurch verdoppelt, daß der ältere Sohn Jos. Hirsch's eine Tochter Dr. B. H. Auerbach's geheirathet hatte. Der freundliche Leser wird wohl bei Erwähnung dieser Episode in seinen Gedanken etwas inne halten. Einige dreißig Jahre trennen uns von jener Zeit. Wie ist es doch im Judenthum inzwischen so ganz anders geworden. Wem sollen wir zuerst unser Erstaunen widmen? Dem Kommerzienrath, dem Chef eines Welt- Hauses, eines der ersten in ganz Deutschland, der sich den Direktor einer jüdischen Schule zum Schwiegersöhne einsetzte, oder der jungen Kommerzienrathstochter, die in ihrem Gatten ihr höchstes Glück gemacht zu haben glaubte?! Unsere heutigen Kommerzienrathstochter haben allerdings meistens anders geartete Ideale. Sie aber hatte wirklich in unserm Meister das höchste Glück gemacht, deß sind wir, die Jünger, die Zeugen. So weit uns auch das Geschick später auseinander geführt haben mag, darin waren wir alle einig: ein glücklicheres, vornehmeres Eheleben, als in diesem Hause, ist uns nirgends in die Erscheinung getreten. Welche Frau vermag so ganz in dem Berufe des Gatten aufzugehen, wie sich dies uns hier gezeigt? Wir waren von diesem Beispiele geradezu hingerissen. Es wirkte auf uns mit der packenden Gewalt einer Offenbarung einer höheren Welt. Unser jugendliches, noch ganz unreifes Urtheil ahnte schon triebmäßig, daß hier das Höchste im Menschenleben in unmittelbarer Handgreiflichkeit uns gegenübertrat. Wi, konnten nur darüber nicht in's Klare kommen, wem die Palme höchsten Edelmuthes gebühre, ob unserem Meister, oder seiner Gattin? Sie ordnete "sich ihm doch so ganz und gar unter. Nur hier machte sie ihm ganz gegen ihren Willen den Rang streitig. Wir, seine Jünger, waren im eigentlichsten und buchstäblichen Sinne des Wortes die Kinder des Hauses. Nicht etwa darum, weil es sonst ein kinderloses Ehepaar gewesen wäre. Weit davon entfernt. Daran gab es ein ganzes Haus voll, und dabei alle noch im zartesten Alter. Nichtsdestoweniger wandte uns die Gattin unseres Meisters die zärtlichste mütterliche Fürsorge zu. Auf all' die großen Bedürfnisse, wie nicht minder auf jene kleinlichen Angelegenheiten, an welche der Jünger der Wissenschaft so gerne vergißt, sie waren ihr alle gegenwärtig und damit war ihnen zugleich abgeholfen. (Fortsetzung folgt.) Hektuttgsuachrrchteu und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Olt. Das 50jährige Geschäftsjubiläum beging heute Herr Kaufmann Leop. M. S e ck e l - s o h n , Inhaber und Begründer der altrenommirten sehr beliebten Tnch-EngroZ-Firma L. M. Seckelsohn, Heilig Geist-Straße 19. Dem Jubilar, welcher sich großer Hochachtung und Verehrung in allen Kreisen er- ' freut, wurden Ehrungen, Ueberraschungen und Auf-

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