Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1901)
- Date
- 1901-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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säos zu lindern gilt, so hat Zadoc Kahn dieser neuen Gesellschaft sein hohes Interesse und seine innige Theilnahme am vollen Gelingen des von ihr unternommenen Werkes dadurch bekundet, daß er den Ehrensitz übernommen hat. Die Gesellschaft hat die Absicht, jetzt ein Haus zu kaufen, und sie verfügt schon über eine größere Geldsumme, sodaß man hoffen darf, daß es ihr möglichst bald vergönnt sein wird, dieses Ziel zu erreichen. Es ist interessant, hervorzuheben, daß es die hiesigen russisch-polnischen Juden sind, die diese Gesellschaft gegründet haben. Diese russisch-polnischen Juden, die meistens selbst unter dem Druck des wirthschaftlichen Lebens furchtbar zu leiden haben, deren ganzes Leben nur eine Kette von Noth und unsäglichen Entbehrungen ist, sie bemühen sich trotz alledem, ihren armen Brüdern zu helfen und sie nicht untergehen zu lassen. Gestern habe ich mit einem russisch-jüdischen Schuhmacher, der vom frühen Morgen bis zum späten Abend im Schweiße seines Angesichts arbeitet, über diese Gesellschaft gesprochen. Und dieser arme Handwerker erwiedert mir voll Männerwürde und Männerstolz: „Ich bin auch Mitglied dieser Gesellschaft und werde es immer bleiben." Dieser jüdische Handwerker, der selbst so schwer um's Dasein kämpfen muß, findet trotzdem Mittel und Wege, seinen Brüdern, die vielleicht noch mehr als er leiden, zu helfen. Wie ist er doch groß und bewundernswerth! Ich drücke die Hand dieses guten, ehrlichen, selbstlosen Mannes, und Gefühle, die ich nicht zu definiren vermag, bestiirmen mein Herz. Pi. England. London, 15. Dez. Heute Sonntag Nachmittag fand die feierliche Installation des Rabbi Avigdor C h a i k i n als Rabbiner der „Federation of Synagogues" statt. Die United Synagoge stellte der „Federation" die „Neue Synagoge" in der City zur Verfügung; dieselbe war festlich beleuchtet und stark besucht von Gemeindemitgliedern aus allen Städttheilen. Nachdem das Chor Boruch habo gesungen, fand ein Umzug statt. Der Chief Rabbi, mit dem Beth Din, dem Dajon Rev. B. Spiers und Rev. Sußmann Cohn, eröffneten den Zug, dann folgte der neue Rabbiner Chaikin, nach ihm kamen Sir Samuel Montagu, Präsident der „Federation," Mr. Hermann Landau, sodann die Vorstände der Neu-Synagoge. Die kräftige Stimme des berühmten Kantors Rev. E p st e i n , der das Mincha-Gebet vortrug, sowie die bis auf den letzten Platz gefüllte, herrlich erleuchtete Synagoge, bildeten ein imposantes Ensemble. Nun betrat Rabbi Chaikin die Kanzel und hielt seine wohldurchdachte Antrittsrede in englischer Sprache. Nach deren Schluß hielt er noch für die anwesenden polnischen Zuhörer einen hochinteressanten enn im Jargon, der mit zahlreichen Midrasch- und Talmudstellen ausgeschmückt war. Der Hauptgedanke, daß die Reichen der Londoner Gemeinde mit den Gelehrten in allen religiösen Unternehmungen Hand in Hand gehen möchten, verfehlte nicht, sichtlichen Eindruck hervorzubringen. Nach beendigtem Gottesdienste begaben sich die Komitee-Mitglieder und viele Gäste nach den Räumen der Sitzungshallen, woselbst Erfrischungen verabreicht wurden. Dortselbst hielt Sir Samuel Montagu seine Bewillkommnungs-Ansprache an Herrn Rabb. Chaikin; alsdann rühmte der Chief-Rabbi die großen Vorzüge des neuen Rabbiners und betonte, daß derselbe in Sheffield die Zuneigung sämmtlicher Gemeindemitglieder — auch nicht speziell zu seiner Gemeinde gehörig — erworben hatte. Der Chacham Rev. Dr. G a st e r drückte in begeisterten Worten seine Bewunderung für die litterarische Thätigkeit des Rabbi Chaikin aus und gab seine Bereitwilligkeit kund, die Kanzel der portugiesischen Synagoge jederzeit dem neuen Rabbiner der „Federation" zur Verfügung zu stellen. Sprechsaal. Welche Eiweiß-Nährpräparate dürfen wir essen? Als Entgegnung auf den Artikel unter der obigen Ueberschrift erhalten wir von Herrn Dr. med. Auerbach- Halberstadt die folgenden Ausführungen: „Unter den vielen Nährpräparaten, die im letzten Jahrzehnt hergestellt wurden, befand sich bis vor wenigen Jahren meines Wissens nicht ein einziges, das man mit ruhigem Gewissen einem jüdischen Patienten empfehlen konnte. Deßhalb war es von nicht zu unterschätzendem Werthe, als vor einigen Jahren ein neues Milch-Eiweißpräparat „Plasmon" hergestellt wurde, das, als Nährmittel den bisherigen mindestens gleickiwerthig, ohne Skrupel den jüdischen Patienten empfohlen werden konnte. Auch ich habe dieses Mittel zu wiederholten Malen mit Erfolg angewandt, nachdem ich durch Einsicht der Litteratur mich von der Herstellung des „Plasmons" überzeugt hatte. Ich war daher sehr erstaunt, als in dem genannten Artikel das „Plasmon" unter die Zahl der nicht erlaubten Präparate gerechnet wurde. Um ganz sicher zu gehen, wandte ich mich deßhalb an die „Plasmon-Gesellschaft" in Neubrandenburg, von der ich bereitwilligst die Antwort erhielt, daß „das „Plasmon" außer Milcheiweiß beziehungsweise Milchzucker sowie den organischen Milchsalzen nicht eine Spur weiterer animalischer Bestandtheile besitzt." Es ist ersichtlich, daß gegen die Anwendung des „Plasmon" auch nicht das geringste Bedenken obwaltet. Ich halte es für nothwendig, daß dies entgegen der in dem genannten Artikel ausgesprochenen Ansicht bekannt wird. Feuilleton. Nach vierhundert fahren. 27] Von Friedrich Nott. „Schade! Schade! — Er fuhr sich mit der Hand über die Stirne und athmete tief auf. — „Also Du glaubst, es werde sie unangenehm berühren, wenn ich mit ihr davon sprechen würde?"