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Der Israelit · 1901-12-19 · Heft 100 (19.12.1901) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 100 (19.12.1901)
Date
1901-12-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2207 schwerden besuchte derselbe allwöchentlich die Nachdarstädte behufs Erledigung seiner Geschäfte. Seine Irömmigsteik, seine Gottesfurcht und seine Wohlihätigteit waren van hohem Grade und dieserhalö erfreute er sich in allen Kreisen der hiesiaen Bevölkerung eines g r o ß e n 2 l n s e h e n 2. Am Grabe gaben die Verwandten des Heimgegangenen, die Herren Rabbiner Dr. W e i s t 0 h f - Paris und Rabbiner Dr. K 0 t t e k - Homburg, beredteu ^Ausdruck. Dein Herrn Dr. & a h n , Rabbiner der altisraelitischen Kultusaemeinde in Wiesbaden und dem Herrn Lehrer Sulzberger - Biebrich, ebenso dem bei der Beerdigung anwesenden Distritts Rabbiner non Hanau, Herrn Dr. S. B a m b e r g e r , wurde von dein zuständigen Rabbiner, Herrn Dr. Silberstein Wiesbaden, nicht gestattet, eine Leichenrede zu halten. Man kann nicht gerade behaupten, daß dieses Verbot ausschließlich aus Intoleranz gegen die Drthodorie erfolgt ist, denn vor einiger Zeit untersagte der Herr Rabbiner sogar seinem eigenen Vorstande, dem hier in allen Kreisen sehr angesehenen Herrn Heimerdinger, am Grabe eines Logenbruders, in seiner Eigenschaft als Logenpräsident, einen Nachruf zu widmen. Daß dieses Vorgehen des Herrn „Protest-Rabbiners" sehr zur Steigerung seiner Beliebtheit beiträgt, wirb Rieurand zu behaupten wagen und die von ihm sehnlichst n i ch t berbeigewunschte Pcntionirnng lvohl nicht mehr lange aufhalten. Tobcrnlwii», 1«> Dep Zu, lveleher Beliebtheit die t^bauula-Verauäaltungeu der unter Leitung unseres Herrn Lehrers B e r e n d t stehenden Religionsschule r-!:d den hiesigen und bei den in den Nachbargeniein ^cn wohnenden llllanbensgenossen gebracht haben, be lvies die graste -hasst der Besucher, welche der geräumige Saal der „Hohen Burg" am Sanistag Abend, 7 Uhr, toAim fallen vermochte. Das Programm war mit vielein Gesclsta zuiammengcstellt, und entledigte sieh Herr Bereuest seiner keinesivegs leichten "lusgabe mit beta n n ter Rteisterschast. Eiugeleiiet tourde die Feier durch ein von Herrn lllerichtsschreiber H ö n i u g künstlerisch gespieltes VS lndiunr für Pianosorte. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Verendt. Alle Anwesenden folgten mit grösster Anfinerksamteit den Ausführungen des beliebten Red ncrs, der zum Schluffe die Jugend ermahnte, das tbcure Gut, für das die Makkabäer gerungen, sieb \\\ eigen, pu nrachern uch zu vertiefen in die reichen Schätze unserer Religion, Geschichte und Litteratur, zu lernen, was es heißt. „Jude," ein Nachkomme jenes Juda Vstattabi ',u sein. Alsdann saug -Herr Verendt mit seiner volltönenden, wohlgebildeten Baritonstimme die „Brochaus" und entzündete die Lichter. Es >var ein entzückender Anbliet, als darauf sämmtliche .Knaben - LB an der stahl --- die Ehanutatichter an ihren eigenen Leuchtern anznndelen. Letztere waren ein Geschenk von der vorjährigen Ehanntaseier. Nach „Moautz zur je schuosi" wurden Detlarnationen und Lieder vorgetragen, ^^n^ kam bei letzteren die vortreffliche, gesangliche Disziplin zu herrlicher Entfaltung. Die Hanptnnmmer der Ausführungen bildete das von Alexander Simeon verfaßte Festspiel für die Jugend: „Der Weg der Treue." Hier trat die treffliche Schulung so recht in's Licht und ließ dieses Stück zu einer vollendeten Glanzleistung gedeihen, welche stimmtliche Zuhörer zu brausendem Beifall hinriß. Nach dem gemeinsamen Gesänge des Liedes „Schirm und Schutz", von Lewandowsti, folgte die Ehanuta - Bescheerung. lim 11 Uhr verließ die Versammlung, voll befriedigt non dem Gehörten und Gesehenen, den Festsaal, in dem Bewußtsein, daß hier auf wirklich erhebende und über den Rahmen des Alltäglichen und der gewöhnlichen Leistungen einer Schule hinausgehenden Weise Eha r.utn würdig gefeiert worden sei. In Anerkennung feiner Verdienste um das Gelingen lvurde dem Herrn Verendt von den hiesigen Damen ein sehr werthvolles Gescheut überreicht. Aus.Hessen, 10. Dez. Ungeachtet der durch Einführung der mitteleuropäischen Zeit bedingten Verschiebung der Gebetszeiten gibt es doch noch Gemeinden — und ihre Zahl ist nicht gering — die das Minchagebet am Vortage des Neumonds, an welchem, wie vielfach üblich, pLv r' abgehalten wird, so frühzeitig verrichten, daß die in Betracht kommende Religionsvorschrift bezüglich rxr.r' rr nicht nur nicht erfüllt, sondern auch Bedenken lvegen sich ergeben. Die Herren Rabbinen, die anscheinend von dieser gesetzwidrigen Handhabung der Minchagebets-Jnstitution nicht unterrichtet sind, darauf aufmerksam zu machen, ist der Zweck dieser Zeilen. Möchten diese berufenen Organe in der angedeuteten Richtung Remednr schaffen! rer” -c- : wrw'e r-;r. F r a n l r e i ch. Paris, 10. Dez. Die hiesigen russisch-polnischen Juden haben vor einiger Zeit eine Gesellschaft gegründet, die einem schon längst empfundenen Bedürfniß entspricht. Diese Gesellschaft stellt sich zur Aufgabe, arme Juden während der ersten Tage nach ihrer Ankunft in Poris zu beherbergen. Dieselbe hat im jüdischen Viertel ein reinlich und geschmackvoll eingerichtetes Haus gemietbet, wo arme Glaubensgenossen Schutz und Obdach finden. Wenn man sieht -- und leider sieht man es nur zu oft - in welch' trauriger Lage sich ein Jude befindet, der von falschen Hoffnungen nach Paris verlockt, in der großen Seinestadt, ohne Freunde und Bekannte, ohne einen Pfennig, ohne die geringste Kenntniß des Französischen, ein elendes Dasein fristet, da kann man erst verstehen, welch' ein großes und hohes Werk die neugegründete Gesellschaft verfolgt. Das hohe nnd hehre Ziel der Gesellschaft hat auch Herr Zadoe Kahn Kar und deutlich erkannt, llnd da das geistige Oberhaupt der französischen Juden überall muthig und energisch eintritt, wo es Thränen zu trocknen und Leiden

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