Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1901)
- Date
- 1901-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2206 B e Iv e i s e Deiner Liebe UNS nie m n l S verlassen: Du w i r st uns a u ch t ü r die Ewigkeit nicht vreisgebe n." Zcitungsnachrtchtcn u»v tLorresponven.zcn. Deutschland. Mainz, i,n Dez. Herr M. Do r n b u s ch , der bis vor Kurzem das orthodoxe „Jüd. Tagblatt" in Vudapest redigirte und plötzlich brodlos gemacht wurde, deffen Appell an den jüdischen Edelsinn wir in Ar. 96 unseres Blattes veröffentlichten, ersucht uns, mitzuthell len, daß etwaige Arbeitsaufträge resp. Unterstützungen an seine Adresse: „B u d a p e st, Prophetengasse 6, zu richten sind. Berlin, im Dez. Gestern Abend feierte der am hiesigen Rabbinerseminar bestehende Verein „Dibbuk Chawerim" sein 23. Stiftungsfest. Es war ein herrliches Fest, deffen Glanz und Weihe wohl allen Tbeilnehmern noch lange Zeit im Gedächtniß haften wird. Traten doch bei diesem Feste der Charakter und die Bestrebungen des ernst-heiteren Vereins so recht in den Vordergrund. Wem sollte da nicht das jüdische Herz höher schwellen beim Anblick des innigen Verkehrs zwischen Dozenten und Hörern, Meistern uno Schülern, alten Herren uno aktiven Mitgliedern, von denen ein jeder es sich zur besonderen Ehre anrechnet!.', an dem Dibbuksfeste Theil zu nehmen. Von Nah und Fern waren liebe Gäste herbeigeeilt und trugen zur Verschönerung des Festes bei. Der Präsident, Herr cand. theol. u. phil. E. L e v y, eröffnete das Fest mit einer stilvollendeten Begrüßungsrede, in der er in der Hauptsache etwa ausführte, daß gleich dem erhöhten Glanze der heute erstrahlenden acht Chanukalichter auch des heutigen Festes und des Dibbuks Glanz sich mehren möge. Der Dibbuk vereinige seine Mitglieder zu einer begeisterten Malkabäerschaar, die getreu ihrem Wahlsoruche, '27 rv wenn nicht mit dem Schwerte in der Hand, so doch mit der Waffe des Geistes streiten. Möge Gott, wie einst jener heldenmüthigen Makkabäerschaar, auch uns seinen mächtigen Schuh angedeihen lassen und uns durch Kamvf zum Siege führen. Den Glanzpunkt des Ganzen bildete oer nun folgende Festvortrag unseres verehrten Dozenten Herrn Dr. A. Berliner, der sich das Thema erwählt hatte: „Eine litterarische Causerie." Alle Anwesenden lauschten mit ungetheilter Aufmerksamkeit den inhaltsvollen Worten, die, von kernigem Humor durchsetzt, so recht in den Rahmen eines Dibbukfestes paßten. In seiner bekannten, meisterhaften Weise gab der Redner eine Ueberstcht über Werth und Inhalt der verschieden, sten Büchertitel, die einen satyrisch beleuchtend, die anderen sachgemäß erklärend, und werden wir auf den Inhalt der Rede noch in der nächsten Nummer zurückkommen. Nach einer Begrüßungsrede der alten Herren durch Eommilitone D a ch s trat die Fidulitas in ihre Rechte und hielt die Gäste in heiterster Stimmung bis zum frühen Morgen versammelt. Cchdtkuhncn, 12. Dez. In der heute Nachmittag 4',- Uhr in Walters Hotel stattgefundenen Sitzung unserer Shnagogen-Gemeinde, in welcher Herr Landrath von Roedern-Stallupönen als Regierungsvertreter fungirte, wurde Herr Spediteur Louis Glaser mit 21 gegen 8 Stimmen, die auf den von der liberalen Partei ausgestellten Gegenkandidaten Herrn Moriß Butler entfallen waren, zum zweiten Vorsteher gewählt. Die konservative Partei hat also auch dieses Mal. tvie bei der Wahl des ersten Vorstehers, Herrn Josef L ö w e n st e i n , einen großen Sieg davongetraaen. Der Gegenkandidat, Herr Putter, ist wohl Jude, das Judenthum selbst aber ist ihm gänzlich fremd. — (P lötzli ch e r Tod.) Der 65iährige Rentier Isidor Wolfs, der getrennt von seiner Familie hier ein möbliertes Zimmer bewohnte, batte mehrere Tage lein Lebenszeichen von sich gegeben. Nachbarslenten fiel nun der penetrante Leichengeruch auf, der aus dem Zimmer drang. Da dasselbe von innen verschlossen war, schlug man die Thüre ein und fand Wolfs in seinem Bette liegend todt vor. Derselbe litt an Asthma und ist am Herzschlage gestorben. Er pflegte öfters zu seiner Frau nach Königsberg zu fahren. In dieser Annahme hatten auch seine hiesigen Angehörigen seine viertägige Abwesenheit nicht ausfallend gefunden. Der Verstorbene ivurde heute, 13. Dez., ans dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Er hat auch sein Lebtag kein Gotteshaus betreten. Solcher Leute gibt es fiter leider Mehrere! Die Familie Wolf's gehört dem Ehristenthume au. — (Vf ii s iv e i f u n g.) Die seit Jahren gelähmte arme jüdische Witte O k n. n i e in i tz nebst ihren zwei Töchtern, von 19 und 14 Jahren, Ivurde von hier heute nach Rußland ausgewiesen. Es wäre doch menschlich gewesen, mit der Vluslveisnna derselben bis zuni Eintritt einer gelinden Witterung zu ivarten. 'Wir haben hier gegenwärtig strengen Frost, verbunden mit beftigem Schmegestöber, wie schon seit Jahren nicht. Zn ivnndern ist nur, daß die so gebrechliche Frau den Transport noch ausgehalten hall Hier wurde für ihr Leben gefürchtet. Eduard Sega l l. Biebrich, 17. Dez. Hier verschied ani heiligen Sabbat ein Zaddik Tomim, Herr S a l o m o n Sender, im Alter von 51 Jahren. Der Entschlafene war von überaus schwächlicher Körperkonstitution — er war auf einer Seite gelähmt —■ besaß dagegen eine 'kraft des Geistes und eine Seelenstärke, wie sie nur wenigen Männern von vollkommener physischer Kraft zu besitzen vergönnt ist. Salomon Sender war seit dem Tode seiner ihm in noch jungen Jahren vorauLgegangener Brüder — es lebt heute miinoch Einer von ihnen, der aber in Darmstadt wohnt, Herr Leopold Sender xrrx der Chef und thaisachliche Leiter der angesehenen Getreidefirma Gebr. Sender, und trotz seiner körperlichen Be-