Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1901)
- Date
- 1901-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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.'ü-vWUMip jlUMJL WWWW 2304 fuhr, stand ihm das Herz stille bei der unglaublichen Nachricht. Nachdem er die Sprache wieder gefunden und den Entschluß ausgesprochen hatte, seinen todtgeglaubten Sohn aufzusuchen, wird der neue Wendepunkt in dem Leben Jakob's mit den Worten eingeleitet: 'Zs ’sb cnzi ran vzw rrx“ xr: :b n»x S21 ba-in*' ycv .pnr „3 ß ra e t brach auf und allesSeine und kam nach Beer-Scheba: hier opferte er Mahl-Opfer dem Gotte se i n e s Vaters I i z ch a k." (1. B. M., Kap. 46, V. 1.) Die Sprache erweist sich einem Jakob zu schwach, um den Dank und die Freude für die beglückende Wendung seines trüben Lebensgeschickes auszudrücken. Er tritt deßhalb durch die That des Familienopfers vor Gottes Antlitz hin. Aber er huldigt nicht Gott ohne weiteres, sondern Gott, wie Er in dem Leben seines Vaters Jizchak zu Tage trat. Seinem Vater verdankt er die Kenntniß Gottes. Nicht sich, dem Verdienste des Vaters erkennt er alles Beseligende zu, das ihn nunmehr eine neue Zeit antreten läßt. Wie könnten wir auch einen neuen Zeitabschnitt antreten, ohne des Vaters zu gedenken, wenn wir dankend Gottes gedenken? Wenn uns überall das Gedächtniß Gottes durch das Gedächtniß der Väter vermittelt wird, wenn wir in allen gehobenen Momenten des Lebens w 'x, unseren Gott, als den Gott unserer Väter feiern, so bedarf es kaum eines Wortes der Rechtfertigung, wenn wir des eigenen Vaters gedenken, so oft wir eine neue Phase in der gedeihlichen Entwickelung seiner geistigen Nachkommenschaft anzutreten im Begriffe sind. Nicht die leiblichen Kinder, sondern die guten Thaten, sind, wie die Weisen lehren, die eigentlichen Nachkommen der Gerechten anw» cpHX bv ipv c're. Eine solche That, deren bedeutsame Folgen ganz unberechenbar sind, war die Gründung des „Israelit" vor nun zweiundvierzig Jahren. Es war die Zeit, wo der Abfall vom alten, einzigen Judenthum, wie es die Väter uns überliefert haben, einen Höhepunkt erreicht haben, der alle Sxnn ’rox alle wahrhaft Treugebliebenen in Israel mit unsäglicher Betrübnitz erfüllte. Man hatte dieses einzig wahre, unverfälschte Judenthum das orthodoxe genannt, und damit alle wahrhaft jüdischen Bestrebungen als Ausfluß eines lichtscheuen Muckerthums und eines rückständigen Köhlerglaubens zu verdächtigen gesucht. Der Abfall von dem jüdischen Gesetzesheiligthum wurde als Fortschritt und Aufklärung gepriesen und durch Zeitungen, Litteratur- Vereine, durch Rabbiner-Versammlungen und Synoden in immer größere Kreise getragen. Man nannte diese Fälschung und Verleugnung des Judenthums Reform des Judenthums, und forderte Abschaffung der heiligsten göttlichen Satzungen und Einführung nichtjüdischer Sitten und Gebräuche, in der ausgesprochenen und unausgesprochenen Absicht, aus diese Weise auch die sozialen und politischen Schranken zu beseitigen. Man glaubte das Judenthum preisgeben zu dürfen, um der Judenheit äußere Vortheile zu sichern. Es gehörte unter diesen Umständen ein großer Muth dazu, der irre geleiteten öffentlichen Meinung entgegen zu treten. Der Begründer dieser Blätter hatte diesen Muth. Sie sind bis auf den heutigen Tag das einzige Organ in Deutschland, das sich nicht nur der Gesinnung, sondern auch dem Namen nach zum orthodoxen Judenthum bekennt. Während die meisten anderen jüdischen Blätter nicht genug ihre Allgemeinheit betonen können, die alle Jnteresien und Parteien in gleicher Weise zu vertreten vorgibt, hat der „Israelit" sich von vorhinein selber als orthodoxes Parteiblatt eingeführt, indem es als „Centralorgan des orthodoxen Judenthums" auf den Plan trat. Dieser Umstand hat der ersprießlichen Entwickelung des „Israelit" so wenig Eintrag gethan, als den anderen Blättern ihre angebliche Vielseitigkeit und unparteiische Allgemeinheit etwas genützt hat. In Wirklichkeit ist die orthodoxe Richtung nur dem Namen nach Sache einer bloßen Partei. Sie ist allumfassend wie das orthodoxe Judenthum, das sie vertritt, dem in Wirklichkeit nichts Menschliches fremd ist. Diese Wahrheit zum Ausdruck und zur Anerkennung gebracht zu haben, hat der „Israelit" durch sein bloßes Dasein bewirkt. Die wahrhafte Gottesfurcht, verbunden mit einer lichten, heiteren Welt- und Lebensauffassung, die gründliche Kenntniß der allgemeinen und der speziell jüdischen Disziplin, die Meisterschaft des Wortes und der Feder, alle diese und eine Reihe anderer Vorzüge des Geistes und des Herzens, welche den Begründer dieser Blätter auszeichneten, hat er auf seine Schöpfung, den „Israelit," in einer Weise übertragen, von der jede einzelne Nummer beredtes Zeugniß ablegt. Man weiß nicht, ob man mehr die belehrenden und erziehenden Abhandlungen bewundern soll, welche die aus der Tiefe unserer heiligen Quellenschriften der mündlichen und schriftlichen Thora geschöpften Wahrheiten in ansprechender, geschmackvoller Form dem Leser boten, oder die herrlichen, spannenden Erzählungen, welche aus Vergangenheit und Gegenwart die herrlichsten Gestalten fixirten und sie einem aufmerksamen Leserkreis vorführten. Während in den Berichten aus allen auf dem weiten Erdenrund zerstreuten jüdischen Gemeinden der Leser über das Schicksal der zeitgenössischen Judenheit informirt wurde, vermittelten die mannigfachen Aufsätze jüdisch-wissenschaftlicher Natur die Kenntniß des Judenthums und seiner heiligen Schriften. Wie bei den Bauleuten des zweiten Tempels förderte die eine Hand den Aufbau, während die andere die Waffen führte, um die Feinde des Gottesheiligthums zurück zu weisen. Während in diesem Kampfe der unbeugsame Ernst und die unbestechliche Charakterfestigkeit aus jedem Worte leuchteten, zeugten die zahllosen Aufrufe und Sammlungen zur Linderung materieller Noth für die Re-