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Der Israelit · 1901-09-26 · Heft 76-77 (26.9.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 76-77 (26.9.1901)
Date
1901-09-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1665 Mögen alte jcnr, die um den Entrissenen seidcr allzufrüh Gestorbcneu klagen, seine Familie, seine Freunde, seine Schüler und seine Gemeinde, mögen sie stets des Wirkens und selbstlosen Schaffens dieses Mannes eingedenk sein, ihm nachzueifern bestrebt, seinein Beispiel folgend, als feine treuen Schüler. Dann wird sein Werk nicht umsonst gewesen sein, und die emsige Mühe i'nd Liebe, mit der er uns in unsere Thauroh Hakdauschvh einznweihen versuchte, wird reichliche Früchte tragen. Segen seinem Angedenken. Rußland. Petersburg, im Aug. (D e r gegenwärtige Stand der I u d e n f r n g e.) So lautet die Ueberschrift eines inhaltsreichen Aussatzes, den der bekannte russische Schriftsteller A. S u b o t i n in dem zu Gunsten der nothleidenden Juden in Südrußland eben erschienenen Sammelwerke veröffentlicht hat. „Durch die Maigcsetzc," heißt es in dem sehr lesenswerthen Artikel, „hat sich die materielle Lage der russischen Juden überaus kritisch gestaltet. Sämmtliche aus dem unglückseligen Ansiedelungsrayon einlaufenden Berichte bekunden übereinstimmend, daß die Juden schon lange nicht mehr so viel erwerben können, um nur die allerdringendsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Die Juden in den 25 Gouvernements des Ansiedelungsrayon s darben, obgleich unter ihnen sich 130,000 Landrvirthe, 112,000 Tagelöhner, 04,000 Fabrikarbeiter und 430,000 Handwerker befinden. Die Juden scheuen sich also durchaus vor keiner physischen Arbeit und stellen nicht weniger als 3—4 Million unmittelbar produktive Arbeiter. Aber all ihr Fleiß, alle ihre Anstrengungen nützen ihnen nichts gegenüber den sie ruinircnden Maigesetzen, die ihre Bewegungsfreiheit einschränken, ihnen den Aufenthalt in dem größten Theile Rußlands verbieten, sic aus allen Dörfern vertreiben und ihnen das Wohnen 30 Km. rund um die Grenze crschtvcrcn. Schon 1887 hat die bekannte Pahlen'sche Kommission offiziell feststelleu müssen, daß 90 pEt. aller Juden in größter Arinuth und von der Hand in den Mund leben inuß. Seit dieser Zeit hat sich die Situation noch wesentlich vcrschliuimert. Eine zuver lässige, durch Umfragen von Haus zu Haus gesammelte private Statistik hat ergeben, daß 50, stellenweise sogar 75 pEt. aller russischen Juden arbeitsu. brodlos sind, daß sie ihre Häuser verfallen lassen und ihr bewegliches Eigenthum um jeden Preis verschleudern müssen. Die Zahl ihrer Kinder, die ohne jeglichen Unterricht aufwachsen müssen, nimmt erschreckende Dimensionen an. Die Zahl der Juden, die 1897 gezwungen waren, zn Pessack „Moes chitim" (Unterstützung zur Anschaffung von Mazzoth) anzunehmen, betrug im reichen Odessa 40,000, in Wilna 22,000 Seelen und in Minsk 1200 Familien. In Warschau können nur 5 pEt. aller Juden Gemeindesteuern zahlen und über die Hälfte aller Sterbenden inüssen auf Gemeindekosten beerdigt werden. Das sind alles die Folgen der barbarischen Maigeselle, welche eine Schmach für Rußland genannt werden müssen. Allein die Ungerechtigkeit gegen die Juden rächt ssch an den Urhebern selbst bitter. Denn nicht nur Schimpf und Schande, auch große materiellen Schäden haben die schmachvollen Maigesetze über Rußland gebracht. Es ist eben undenkbar, daß ein Theil der Bevölkerung eines Landes in schwere Roth gerätst, ohne daß auch die übrigen Theile des Volkes darunter leiden. Vis 1890 galten die 25 Gorvernements des Ansietelungsrayons als ein Gebiet, daß im raschen Aufblühen begriffen ist. Die Erträgnisse aus den Steuern waren verhältnißmäßig größer, die rückständigen Stenern geringer, die Provinzial- und Kommunalsteuern wesentlich höher und die in den Dörfern aufgespeicherten Getreidevorräthe für den Fall einer Mißernte weit reichlicher, als im europäischen Rußland. Auch der sittliche Zustand der Bevölkerung war in den Ländern des Ansiedelungsrayons ein weit höherer, als in den 35 Gouvernements des übrigen europäischen Rußlands. Das Verbrecherthum war wesentlich und die Trunksucht gar um das Vierfache geringer, als im Innern Rußlands. Jetzt haben sich alle diese schönen Zustände sehr verschlechtert. Mit der Austreibung der Juden aus dem Innern Rußlands sind die Handelsbeziehungen zwisehen dein Zentrum und der Peripherie des Reiches sehr zurückgcgangen. Die Verdrängung der Juden ans den Dörfern hat die Bauern einer Anzahl christlicher Vampyre ansgeliefert, die, auf ihrem Christen thume fußend, und die jüdische Konkurrenz los und ledig, den Bauern für ihre Produkte niedere Preise zahlen, dafür sie aber beim Verkauf von dringenden Be darfsartikeln unverschämt über's Ohr hauen, indem sie ihnen minderlverthige Waarcn zu höheren Preisen auf halsen. Durch die verminderte Kaufkraft der jüdischen Massen hat die ländliche Hausindustrie schwer gelitten, die Einnahinc hat sich vermindert, die Schulden haben sich vermehrt, die Stencrtraft hat nachgelassen und die Regierung verspürt die Wirkung der Maigesetze in Ge stalt beständig wachsend»»- rückständiger Steuern." Zum Schlüsse seines Artikels fordert Herr Snvolin dringend eine umfassende Revission der Mai geselle, eine Forderung, die bei der gegenwärtig in den höheren Regionen in Rußland herrschenden jndenfeindlichcn Stimmung ungestört verhallen dürfte. T. N l! in ci n i c n. Bukarest, im Sept. Dank der Entschiedenheit, mit welcher der Rabbiner Dr. Nacht aus Fotschan die ihm vom Tribunal zugemuthete Anwesenheit bei einer unter der Bezeichnung „More judaieo" bekannten Eidcsablegung abgekehnt hat, dürfte nun doch endlich ein schmähliches Ueberbleibsel mittelalterlichen Rassenhasses aus der rumänischen Gerichtspflegc verschwinden. Bis jeyt war es nämlich im rumänischen Zivilprozeßverfahren zulässig, daß von einem zur Eidesablegung

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