Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1660 burtsnamen Sara; sie war von außerordentlicher Schönheit und bezauberte den König so, daß er seine Gemahlin Theodora verstieß und die schöne Sara, Die vorher ihren Glauben ablegen mußte, zu seiner Gattin machte, worauf auch sie den Namen Theodora annahm. Sie wurde nun eine fanatische Christin und widersetzte sich nicht den Verfolgungen, denen die Juden ihres Landes ausgesetzt waren. Auch sie bewies, daß die größten Judenfeinde stets aus dem jüdischen Volke selbst hervorgehen. Die jüdische Gemeinde in Tirnowo löste sich in Folge dieser Verfolgungen auf, und es ist bemerkens-; Werth, daß auch heute noch in der Stadt keine jüdische Gemeinde vorhanden ist, während in anderen Städten Bulgariens solche eristiren. Aber der jüdische Friedhof ( steht noch, und er reicht bis in jene Zeit hinauf. Auch die Erinnerung an „die schöne Jüdin von Bulgarien" , ist wach geblieben, und vor Kurzem hat der bulgarische Professor Popow die geschichtlichen Beweise für die ‘ Wahrheit dieser Erzählung von der „jüdischen Königin! auf dem bulgarischen Thron" gesammelt.! F e u i l l e 1 o tt. Nach vierhundert fahren. b\ Von Friedrich Roll. Das Fräulein brach in ein herzliches Lachen aus. „Sie können wahrhaftig recht haben, gnädige Frau, gerade s o spricht er. — Nun, und trotzdem würden ' Sie mir rathen, ihm die Hand zu reichen für's Leben?" j „Ich werde mir nicht erlauben, Ihnen, liebes , Fräulein, einen Rath zu ertheilen, das könnte in der! That als zudringlich bezeichnet werden." „Doch nicht, wenn ich Sie darum bitte." „Aber ich kenne doch Ihre Verhältnisse nicht." „Die kann ich Ihnen sehr rasch schildern.- Außer meinem Onkel, der zugleich mein Vormund ist, und meinem Vetter Alfred habe ich in Deutschland keine naben Verwandten. Als mir mein theurer Papa entrissen wurde, boten mir mehrere entfernte Verwandte ihre Gastfreundschaft für längere Zeit an, aber mein * Onkel wünschte nicht, daß ich von ihrer Einladung Ge- I brauch mache, vermuthlich, weil es in sämmtlichen Familien junge Leute gibt, und der Onkel fürchtet be- ' ständig, ich könnte einem andern als seinem Sohne meine Zuneigung schenken. Ich hatte übrigens auch, i namentlich in der ersten Zeit, durchaus keine Lust, eine j der Einladungen anzunehmen, ich wäre am liebsten mit 1 Juanita und dem alten Bedienten meines Papas, in un- ' serem bisherigen Heim geblieben. Aber mein Onkel j fand dieses, so lange ich noch nicht mündig sei, für nicht passend. Es wurde daher beschlossen, daß ich dieses , eine Jahr, das mir noch zur Volljährigkeit fehlt, in dem adeligen Pensionate der Frau von Z. ... in Dresden zubringen sollte, und bin ich dort in der That ungefähr acht Monate geblieben. Da will es das Unglück, daß ein Sohn der Frau von Z. . . sich in mich verliebt und, da ich ihm keine Hoffnung machen konnte, daß ich ihn je erhören werde, jagt sich der Unglücksmensch eine Kugel durch den Kops." „Großer Gott," rief Frau Müller schaudernd. — „Armes, armes Kind!" „Die Verzweiflung der Mutter können Sie sich denken und mein Entsetzen! — Daß ich keine Stunde länger dort im Hause bleiben konnte, ist selbstverständlich. Ich fuhr gleich mit dem Sanitätsrath, der gerufen worden war, in dessen Wohnung. Er und seine Frau drangen in mich, für längere Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber ich mußte fort von Dresden, ich hielt es dort nicht länger aus. Der Sanitätsrath setzte sich in telegraphische Verbindung mit meinem Vormund, der als Oberst eines Regiments gegenwärtig in einem entlegenen Orte in Posen liegt und mir deßhalb bei sich kein Asyl bieten kann. Es ward daher beschlossen, daß ich vorläufig mit Juanita hierher gehen sollte, der Sanitätsrath hält die Ostseebäder für meine etwas angegriffene Nerven sehr wünschenswerth. Wenn es mir hier aber nicht gefällt, kann ich in irgend ein anderes Bad gehen; in vier Monaten bin ich mündig, dann suche ich vor allem unser liebes, trautes Heim wieder auf und will sehen, wie mir's behagt, selbstständig ein Haus zu führen. — So, jetzt kennen Sie meine Verhältnisse ganz genau, nun können Sir mir auch rathen, ob ich dem Vetter Alfred die Hand oder einen Korb reichen soll. Also? —" „Sie verlangen doch nicht eine sofortige Antwort? Es ist überaus schwer, in einer derartigen Angelegenheit Jemanden zu rathen, — aber wenn Sie, ich weiß allerdings nicht warum, auf meinen Rath oder vielmehr auf meine diesbezügliche Ansicht Werth legen, so will ich die Sache in Erwägung ziehen, wozu Sie mir vermuthlich auch noch manche Details geben könnten. Doch es eilt ja nicht; — - heute sollen Sie sich überhaupt nicht anstrengen, weder mit Ueberlegen, noch mit Erwägen, Ihre Nerven scheinen in der That irritirt zu sein. Sie bedürfen noch der Ruhe." Sie hatte sich bei diesen Worten erhoben und reichte dem jungen Mädchen die Hand. „Auf Wiedersehen, liebes Fräulein!" „Sie gehen schon," rief diese, „ach wie schade, ich hatte mich so überaus behaglich gefühlt in Ihrer lieben Gesellschaft —" „Sehr schmeichelhaft für mich," entgegnete Frau Müller lächelnd, „wenn Ihnen meine Gesellschaft behagt, wird es mich freuen, wenn Sie sich uns anschließen wollen — wir wohnen hier in demselben Hause —" „Wie schön! und wie gern nehme ich Ihr freundliches Anerbieten an. Sic gehen jetzt zum Baden, gestatten Sie, daß ich Sie begleite?"