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Der Israelit · 1901-09-26 · Heft 76-77 (26.9.1901) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 76-77 (26.9.1901)
Date
1901-09-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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„Das würde ich Ihnen heute nicht empfehlen, das Wetter ist sehr unfreundlich und Sie sind doch noch etwas angegriffen." „Das ist richtig. Da muß ich mich wohl fügen und niich wieder in meiner eigenen Gesellschaft langweilen." „O. wenn Sie gerade um Gesellschaft verlegen find, damit kann ich dienen; Meine Kleinen haben Mich so dringend gebeten, ich mochte sie mit herunter nehmen, aber ich wußte Nicht, ob sie Nicht stören würden —" „Stören? Wie könnten sie mich stören? — Ich bitte sehr, gnädige Fräst, schicken Sie mir doch Ihre lieben Kleinen, ich bin eine große Kinderfreundin, Sie thuen nur einen wirklichen Gefallen — „Den will ich Ihnen gerne thun und außerdem Mache ich den Kindern eine große Freude. Sie sind Nämlich ungemein gespannt, die Dame kennen zu lernen, die sie gestern in Gefahr gesehen haben, denn die Kinder waren es, die zuerst auf das Boot aufmerksam gemacht haben, das sie mit den Wellen kämpfen sahen." „Dann bin ich auch den Kleinen zu großem Danke , verpflichtet und werde mich doppelt freuen, sie bei mir zu sehen. Also werden Sie dieselben herunterschicken?" j „Wenn Sie wollen, sende ich sie gleich. Ich habe noch ungefähr eine Stunde in der Wirtschaft zu thun, ' so lange können sie hier bleiben, dann gehen wir zum Baden. Und wenn Sie sich morgen ganz frisch suhlen. I wird es mich freuen, wenn Sie mit ausgehen. Adieu,! liebes Fräulein!" t I „Adieu, meine liebe, gnädige Frau! und nicht j wahr. Sie schicken mir gleich das kleine Volk?" > Frau Müller entfernte sich grüßend. j Fräulein von Nauhenstein begab sich in ein anstoßendes Zimmer, öffnete dort eine Reisetasche und > entnahm derselben eine Bonboniere für die kleinen Gaste, die sie erwartete. Gleich darauf vernahm sie i asche Kinderschritte und dann ein schüchternes Klopfen an der Zimmertbür. Auf ihr einladendes „Herein!" traten die uns bereits bekannten Geschwister in das Zimmer. Viktor hatte den Hut in der Hand und verneigte sich anmuthrg, Selma machte einen überaus tiefen Knir, beide aber blickten rnit unverkennbarer Neugierde auf die ihnen mit ausgestreckter Hand entgegeneilende junge Dame. ..Willkommen, liebe Kinder! Das ist schön von Euch, daß Ihr zu mir kommt." „Wir wären schon gern früher zu Ihnen gekommen," sagte Selma, „aber die Großmama hat gemeint, wir würden stören —" „Großmama hat geglaubt. Sie wären vielleicht noch müde von gestern," fügte Viktor hinzu, „aber wir werden doch keinen Lärm machen, wir sind ja keine kleinen Kinder mehr." — „Freilich seid Ihr keine so kleinen Kinder mehr," bestätigte das Fräulein, mit lebhaftem Interesse die schonen Kinder betrachtend. „Ihr seht sogar aus, als ob Ihr sehr brave Kinder wäret. — Aber vor Allem muß ich Euch vielmals danken, Ihr wäret doch gestern die Ersten, die das Boot gesehen haben, in dem wir waren —" „Selma hat es zuerst gesehen." sagte der Knabe. „Und Viktor ist hinunter gelaufen und hat Leute getufen," fügte das kleine Mädchen hinzu. „Darum bin ich Euch beiden zu großem Danke verpflichtet. Ohne Euch Ware ich vielleicht nie wieder aus dem Wasser herausgekommen." „Das kann man doch Nicht wissen," meinte Viktor, „vielleicht hätten Andere das Boot gesehen." „Mit Bestimmtheit wissen kann man das freilich nicht, aber Thatsache ist, daß Hhr uns gesehen uNd Hilfe geschafft habt. Das werde ich Euch nie vergessen. — Aber warum siehst Du Kleine so forschetid auf meinen Kopf? Was habe ich denn da?" Die Kleine scklug erröthend die Augen nieder, Viktor aber erklärte lachend: „Selma möchte so gerne Ihr Haar sehen, weil der Papa erzählt hat, daß er zuerst einen Zopf von Ihnen erfaßt hat." „Wirklich? Das habe ich nicht gewußt. Nun, es Dir Vergnügen macht —" sie nahm bei diesen Worten einige Schildkrotnadeln aus den Haaren und zwei lange schwere Zöpfe fielen hernieder. „Ach wie schön!" rief das kleine Mädchen bewundernd und streichelte schüchtern die goldglänzenden Zöpfe. „Es ist genau so, wie Dein Haar," versicherte Fräulein von Rauhenstein, indem sie einen ihrer Zöpfe um das Haupt des Kindes schlang. „Willst Du einen haben, kleine — wie heißt Du doch?" „Selma Müller," erwiederte das Kind mit einem Anflug von Stolz. „Fräulein Selma Müller — ei, das ist ein schöner Name. Und Sie, Herr Müller jr., wie ist Ihr werther Name?" „Viktor," erwiederte er lächelnd, „aber ein Herr bin ich noch lange nicht." „Aber ich möchte so gerne wissen, wie Sie heißen," sagte Selma mit einer gewissen schüchternen Zudringlichkeit, „bitte, sagen Sie mir, wie Sie heißen." „Mit Vergnügen. Ich heiße Jsabella Rauhenstein." „Rauhenstein," wiederholte die Kleine enttäuscht, „ach, das klingt gar nicht schön." „Aber Jsabella," fiel Viktor ein, „das ist ein schöner Name und er paßt so gut zu Ihnen." „Er paßt gut zu mir?" fragte das junge Mädchen, „was willst Du damit sagen?" „Ich meine nur —, wie Jsa heißt, das weiß ich freilich nicht, aber Bella heißt aus lateinisch die Schöne —" „Kleiner Schmeichler Du, Du wirst die Schuld haben, wenn ich stolz werde." (Fortsetzung folgt.)

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