Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1658 gebildetsten, geistvollsten und feinsten Schriftsteller der Neuzeit, der seine Ideen stets mit der größten Schärfe und Konsequenz, aber auch mit der größten Sachlichkeit vertrat und niemals Meinungsverschiedenheiten auf das persönliche Gebiet übertrug. Ich habe dies in langem Zusammenwirken im Reichstage oft genug erfahren und den Heimgegangenen stets nicht blos wegen seiner großen geistigen Gaben und seiner verdienstvollen Mitwirkung an dem Ausbau des Deutschen Reiche, sondern vor allem wegen seiner schönen Charaktereigenschaften hoch verehrt. So denken alle seine Freunde und Bekannten. Sein Tod wird in den weitesten Kreisen betrauert, und sein Andenken wird die Jahre überdauern. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr ergebener M i q u e Man darf darauf gespannt sein, ob die Antisemiten diesen Brief ihres angeblichen Protektors abdrucken iverden. Berlin, 20. Sept. Wie die „Staatsbürgerzeitung" mittheilt, wurde der bekannte antisemitische Buchhändler Dewald heute früh verhaftet. Er war seiner Zeit wegen Beleidigung des Waarenhausinhabers Katz in Königsberg i. Pr. zu 100 Mark bezw. 20 Tagen Gsfangniß verurtheilt worden und nicht im Stande, die Strafe zu bezahlen. Frankfurt n. M., im Sept. Der Berein „Kindergarten für Israeliten" versendet den folgenden kurzen Bericht über seine Thätigkeit iin Laufe des letzten Jahres: Wenn wir von unserer Gepflogenheit, nur alle zwei Jahre einen gedruckten Bericht über unsere Thätigteit zu veröffentlichen, heute abweichen, so geschieht dies, um die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf unseren Berein in vermehrtem Maße zu lenken. Denn' um den Anforderungen, die an uns gestellt iverden, vollkommen gerecht zu werden, bedarf es des erhöhten Jnterestes aller hiesigen Israeliten. Mußten wir doch bei der diesjährigen Ausnahme sechzig .Kinder aus Mangel an den nöthigen Räumlichkeiten und Mitteln znrücktoeisen! Die Zahl unserer Pfleglinge beträgt sechzig. Mehr aufzunehmen, verbieten uns die staatlichen und städtischen Behörden, weil unsere Räume zu beschränkt sind. Die Frequenz beivegt jich stets in der Nähe der angegebenen Ziffer, da unsere Kleinen, G. s. D., überwiegend sich einer guten Gesundheit erfreuen. ES gereicht uns zur besonderen Freude, mittheilen zu können, daß unsere Einrichtungen den Beifall aller Fachmänner finden, die unsere Anstalt mit ihrem Besuche beehren, daß sie von den behördlichen Autoritäten belobt und für andere Kindergärten als mustergiltig bezeichnet wurden. Unsere Räume zu erlveitern, unsere Lehrkräfte zu vermehren, unsere hygienischen Einrichtungen zu verbeffern, dazu fehlen uns die Mittel. Wir können und dürfen darum nicht aufhören, uns immer wieder an das gute Herz unserer Glaubensgenossen zu wenden, sie zu bitten, uns ihre Mitwirkung zur Erreichung des hohen Zieles, das wir uns gestellt, zu theil lverden zu lassen. So Biele könnten sich unserem Verein noch als Mitglieder anschließen, so Viele uns noch durch Spenden in unserem Wirken unterstützen. Wir sind nur aus uns selbst, d. h. auf unsere Glaubensgenoss-n angelviesen. Unser Kindergarten, in welchem die Kleinen geistig und körperlich mit hingebendcr Liede gepflegt werden, entlastet ähnliche Anstalten unserer Stadt. Wir nehmen den hier bestehenden Kindergärten, die von allen .Konfessionen, und nicht zum kleinsten Theil von Juden, unterstützt Iverden, eine große Arbeit ab, die wir, nur unsere Glaubensgenossen in Anspruch nehmend, aus unsere Schulter laden. Wir glaubten darum nicht abschlägig beschieden zu werden, lvenn wir die Verwaltung des hiesigen „Vereins für Volkskindergärten," welche für den Monat Oktober dss. Jahres im Saale des Zoologischen Gartens ein großes Wohlthätigkeitskonzert plant, wobei mitzuwirken alle Koniessionen herangezogen Iverden, mit der Bitte anainacn, auch unfern Kindergarten nach der Anzahl unserer Pfleglinge am Reinerträge zu betheiligen, verfolgen wir doch die Ziveckc, die auch die jenes Vereins sind. Wir hatten uns jedoch getäuscht, wir wurden abgeiviesen. Wir ivollen hier nicht anklagen, nur beweisen tvollen Ivir, ivie sehr nur uns auf uns selbst verlassen müssen. Wenn alle unsere Glaubensgenossen dies ein sehen, so iverden sie geiviß nicht säumen, uns ihre Sympathien zuzuwenden und uns durch Zuweisung von Spenden in den Stand zu setzen, Kinder arbeitssreudiger, fleißiger Eltern in größerer Anzahl, als dies bisher geschehen tonnte, zu tleiden, pflegen und erziehen. Der Vorstand besteht aus den Herren: Aaron Nt euer, Pros. Dr. A. S n l z b a ch , Eduard C o - heu, Rechtsanwalt Adolf F u l d , Leo H o l z - ui a n n , Sallv L o e w e n i ck , Dr. Gustav Levi. Dr. Heinrich Nr a per, Dr. L. M e h l e r und Jakob E. S ch lv a r z s ch i l d. Ronrintcn, 20. Sept. Der Kaiser begab sich heute Nachmittag zu Pferde und in der Uniform seines russischen Grenadier-Regiments nach dem Grenzstädtchen Whschtvten. ivelches am 20. August d. I. zum größten Theile durch Feuer zerstört worden ivar. An die auf dcm Marktplatz .zusammengeströmte Bevölkerung hielt der Kaiser folgende Ansprache: „Seine Majestät Kaiser Nikolaus, Euer erhabener Landesherr, mein geliebter Freund, hat von Eurem schlveren Unglück gehört. Er läßt Euch durch meinen Mund mittheilen, ivie sehr ihn die Nachricht betrübt hat und läßt Euch sein herzlichstes Mitgefühl aussprechen. Aber noch mehr, er sendet Euch durch mich als Zeichen seiner landesväterlichen Fürsorge eine Spende von fünftausend Rubel, welche ich meinem Bevollmäcb kigken, Forstmeister von Saint-Paul übergebe zur Vertheiluug in Gemeinschaft mit Landrath von Lull und