Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1656 Recht gesehen, ist dies ja auch die Forderung, welche die Thora selbst bei der Einsetzung des Sukkothfestes aufstellt, oxeta ’rsBcr v~inb ov iw nsronn “jx v'v' jtwp "i :n nx unn s'ix.i jwcji am „Jedoch am 15. Tage des siebten Monats, wenn ihr die Ernte des Landes einbringet, sollt ihr das Festdes Ewigen sieben Tage lang feiern. — und weiter: co’ nvzv p^x 'n -isb onrctpi „Ihr sollt euch vor dem Angesichte Gottes sieben Tage lang freuen." Wenn die Thora unser Fest mit der Ernte in Zusammenhang bringt, — pK.n wenn nx aasoxn — so erwarten wir, sie würde uns n :rt rix i;nn ein Erntefest zu feiern befehlen, sie aber lehrt: -i nx i;nn Wir erwarten ferner, sie würde uns auffordern ormtn d’ö’ tvae» D3T3tp2 statt dessen wird uns geboten: o«' war ',7>t>rr n 'iob onn&tn. „Ihr sollt euch vor dem Angesichte Gottes sieben Tage lang freuen." In Wirklichkeit stellt sich aber die Sache so: daß wir zu der Zeit, wo Scheuer und Kelter vom jungen Ernetesegen übervoll sind, uns darüber freuen sollen, braucht uns schwerlich erst geboten zu werden. Das versteht sich eigentlich ganz von selbst. Ein Volk, das nicht um diese Zeit sein Erntefest hielte, gibt es auf der ganzen Erde nicht. Ebensowenig aber gibt es auf der ganzen Erde ein Volk, das eben erst die Ernten eingebracht, statt sich dieser so natürlichen Freude hinzuge- .geben, sein Herz von Ernte und Reichthum abwendet und statt dessen sich mit seinem Gotte freut. Dieses Volk gibt es zwar nicht. Die Lehre der Thora dagegen sucht es und will aus Israel ein solches machen. In diesem Sinne ist ihre Lehre zu verstehen: „Am 15. Tage des siebten Monats, wenn ihr eure Ernte eingebracht, sollt ihr das Fest — des Ewigen sieben Tage lang feiern." Es läßt sich kaum in Abrede stellen, daß sich der Lösung einer solchen Aufgabe keine geringen Schwierigkeiten in den Weg stellen. Schon in Bezug auf die Freude an sich sind die Ansichten der Gelehrten aller Zeiten durchaus entgegengesetzte. Die Einen meinen, die Freude bedeute den Untergang alles Guten und Edlen unter den Menschen und müsse deßhalb grundsätzlich gemieden werden. Leichtsinn und Uebermuth sind von derselben einerseits nicht zu trennen, wie andererseits Unmäßigkcit und Ausschweifung stets in ihrem Gefolge austreten. Solchermaßen ist das von ihr angestistete Verderben fast unvermeidlich. Andere vertreten genau den entgegengesetzten Standpunkt. Sie meinen, die Freude wäre von der Natur geradezu geboten. Gleicht diese doch selbst einer reichbesetzten Tafel, die zu jeder Jahreszeit uns immer neue Leckerbissen in schier unerschöpflicher Fülle auslischt. Der Frühling bietet uns seine lieblichen Rosen, der Sommer die reifenden Saaten, der Herbst seine schwellenden Reben, der Winter seine zahlreichen gesellschaftlichen Freuden. Für wen duften die Blumen, für wen blinken die funkelnden Meteorsteine im Schoße der Erde, für wen anders, als für den Menschen? Wollt ihr noch zögern, euch zu schmücken und zu bekränzen, um alsdann an der reichen Tafel euch gütlich zu thun? Beide Lehren sind jedoch einseitig und darum als schädlich zu veriverfen. Denn man mag die Gefahren der Freude in noch so grellen Farben und abschreckenden Beispielen ausmalen, — der Mensch mag und tann davon nicht lassen. Aber auch ihre Fürsprecher sind durchaus unzuverlässig. Sie preisen auf so verführerische Weise des Lebens reichbesetzte Tafel, aber wehe dem, der dem Lockrufe ohne weiters folgen wollte! Er würde mit Gesetz und Recht in eine verhängnißvolle Verwickelung gerathen. Diese Tafel ist zwar gedeckt, aber der Zutritt zu ihr ist gar theuer. Die Wenigsten können das Eintrittsgeld zahlen. Doch, wozu erst so weit gehen, um die entgegengesetzte Auffassung über die Freude zu hören? Sie tritt ja bereits bei den größten Männern in unserer eigenen Mitte auf. Das meinen wohl die Weisen mit ihrer Lehre: ib'sn ynz ickw ,iao annzttz icwn bmi 'zbi leis tun mr msn lav mai a'ra emaxs ’ripa bbn „Größer ist der Ruhm, der von Abraham verkündet wird, als der David's. Von Abraham heißt es: er schloß mit ihm, d. h. dem urwüchsigen Lebenstrieb, einen Bund, indeß David von sich bekennen mußte: mein Herz ist mir im Leibe erstorben. — Der Sinn soll wohl dahin gehen: Abraham war eine höchst vornehme, abgeklärte Natur. Er brauchte sich nicht die starken Gewaltmaßregeln aufzulegen, um den Ansturm der niederen Leidenschaften von sich abzuwehren. Der Sieg über das Böse war für ihn ohne heißen Kampf entschieden. D'-cn wv rroi. Er konnte daher mit allen heiteren Lebensfreuden, mit welchen der böse Unhold sonst ein gefährliches Spiel zu treiben pflegt, in Berührung treten, ohne an seiner Seele Schaden zu nehmen. David dagegen war eine heißblütige, leidenschaftliche Natur. Hatte er doch von der Gewalt der Sünde einmal eine so gar schwere Niederlage erlitten. Um sich in seiner Reinheit zu behaupten, mußte er schwere, bittere Kämpfe durchführen. Als er sie beendet hatte, war aber sein Herz erstorben — bdn ‘»nb’i — er hatte die Fähigkeit zur Freude verloren. Von uns aber wird Größeres verlangt. Gleich David sollen wir zunächst am aw den Kampf gegen die niedere Natur durchführen. Besser jedoch, als er cs vermochte, sollen wir ihn bestehen. Nicht mit erstorbenem Herzen davongehen, sondern die vornehme Hoheit Abrahams erreichen. Das Sukkothfest bietet die Gelegenheit, dies an den Tag zu legen. Es ladet uns zur Freude ein, erwartet jedoch, daß sie nicht in Gemeinheit bei uns ausarten werde. Mitten im Genüsse sollen wir doch über ihn uns erhaben fühlen, so daß nicht dieser — sondern Gott unsere Freude sei.