Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1901)
- Date
- 1901-12-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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3197 Berlin, 10. Dez. Der Bericht über das „Jüdische Genesungsheim Berlin" für das Jahr 1900 gibt ein treues Bild der gedeihlichen Wirksamkeit dieses Institutes. Das erste Jahr, in welchem der Verein im eigenen Heim die Pfleglinge aufnehmen konnte, hat ein für alle Beteiligten außerordentlich befriedigendes Ergebniß gezeitigt. Die Erfolge des laufenden Jahres stehen den vorjährigen in keiner Weise nach. Bereits am 16. April 1901 wurde das Heim wiedererösfnet, und bis zum 1. November d. I. rund 300 Pfleglinge dort ausgenommen. Fast alle diese körperlich geschwächten und zum Theil arbeitsunfähig gewesenen Personen konnten gestärkt zu ihrem Erwerbe zurückkehren. Auch der Versuch, einen hierfür geeigneten Theil der Pfleglinge über die Sommer- und Herbstmonate hinaus in der frischen Waldluft bis tief in den Winter hinein zu belassen, hat den erhofften, höchst befriedigenden Erfolg gezeigt und wird daher auch in diesem Jahre fortgesetzt werden. Die Absicht, die Wohlthaten der Anstalt ausschließlich Unbemittelten zuzuwenden, kann jedoch nur durch die kräftige Mithilfe weiterer Kreise zur Ausführung gelangen. Noch ist die Zahl der Freunde dieser Anstalt zu gering, um die finanzielle Sicherung für die kommenden Jahre zu gewährleisten. Da nun in dieser Anstalt ein Werk der wichtigsten sozialen Fürsorge verwirklicht ist, wenn wir unseren bedürftigen Glaubensgenoffen, welche nach überstandener Krankheit der guten Pflege und der kräftigen Landluft benöthigen, sowie insbesondere den überarbeiteten, bleichsüchtigen Frauen und Mädchen durch Wiederherstellung ihrer Gesundheit die Kraft und die Lust zur Arbeit wiedergeben, so ist nicht daran zu zweifeln, daß viele Menschenfreunde ihr Wohlwollen bekunden und dem Verein beitreten werden. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren und Damen: Martin Simon, Vorsitzender; Louis Sachs, stellv. Vorsitzender; Siegfried Brünn, Dr. L. Feilchenfeld, Frau Dr. Frankl, Frau Franciska Ginsberg, Hugo Heilmann, Prof. Dr. Lazarus, S.-R. Dr. Maetzki, M. Metzenberg, Frau Rosa Meyer, Frau S.-R. Mühsam, Emil Pincus, Frau Hermine Rathenau, Frau Rosa Sachs, Frau Dr. Wiesenthal, H. Witkowski. Berlin, im Dez. Der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim zu Berlin" hatte dieser Tag eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Die Veranlassung zu der Sitzung, die recht aut besucht war und von Sanitätsrath Wiesenthal geleitet wurde, gab eine dem Verein gemachte Schenkung und die Beschlußfassung über zwei durch diese bedingte Aenderungen der Satzungen des Vereins. Ein hochherziger Spender, welcher bis zum Eintreffen der landesherrlichen Genehmigung ungenannt bleiben möchte, hat dem Verein 100,000 Mark zum Zwecke der Errichtung eines eigenen Heims überwiesen. Nach langem Suchen ist auch bereits ein Terrain gefunden worden, das in Groß-Lichterfelde ganz nahe dem Bahnhof Groß-Lichterfelde-Weft belegen ist und 22,600 Mk. kostet. Das Heim, das nach Lichterfelder Vorschrift villenartig gehalten werden muß, soll hier in praktischer und solider Weise errichtet und mit allen modernen Einrichtungen ausgeftattet werden. Die Kosten des Baues werden sicher nach dem Voranschlag innerhalb der Restsumme der Stiftung verbleiben. Der Bau soll möglichst schnell begonnen und so gefördert werden, daß er am 1. Mörz 1903, dem 70. Geburtstage des Stifters, eingeweiht werden kann. Nach den Bedingungen der Spende soll ein Mitglied der Familie des Stifters stets Sitz und Stimme im Vorstande des Lehrerinnenheims haben und das Grundstück für ewige Zeiten dem statutenmäßigen Zwecke, unbeschadet einer etwaigen Erweiterung dieses Zweckes erhalten bleiben. Die durch die Stiftung, welche alsdann zum Vermögen des Vereins zählt, nothwendigen Aenderungen der Vereinssatzungen werden von der Versammlung widerspruchslos angenommen. Frankfurt a. M., 16. Dez. Wie wir erfahren, hat Freifrau W. v. Rothschild das Rotbschild'sche Palais Zeit 34 für die Zwecke eines jüdischen Damenstifts, nach Art des Augusta-Viktoria-Stifts in Heddernheim, bestimmt und zugleich einen entsprechenden Fond gegeben. Köln, im Dez. Dem Bericht des „Israelit. Asyl für Kranke und Altersschwache zu Köln pro 1900" entnehmen wir: Mit uns werden unsere Gönner aufrichtige Freude darüber empfinden, daß wir diesmal nicht, wie seit langen Jahren, unseren Bericht mit beweglichen Klagen über die Unzulänglichkeit unserer Räume, über das Mißverhältniß zwischen der Zahl der Aufnahmegesuchr und den vorhandenen Betten zu eröffnen brauchen. Nicht, daß dem großen Uebelstand schon abgeholfen sei. und unser Arbeitsfeld auch die erforderliche Ausdehnung gewonnen hätte. Aber die hochherzige Schenkung des Sir Ernest Cassel in London, eines geborenen Kölners, der zum Andenken an seine Lehrherren: Louis, Jakob Löb und Julius Eltzbacher, eine Stiftung von ca. 270,000 Mk. zum Zwecke eines Neubaues errichtete, hat uns in die Lage gesetzt, den längst gehegten Plan zu einem gänzlichen Neubau in Bälde verwirklichen zu können. Die Zahl der im Berichtsjahre verpflegten Altersschwachen betrug 33. Die für Altersschwache verfügbaren 30 Betten waren stets vollzählig belegt. Kranke wurden 674 ausgenommen, gegen 642 im Vorjahr. Poliklinische Behandlung wurde 6682 Patienten in der mehrfachen Anzahl von Konsultationen zu Theil. Unsere am Ende des Berichts zusammengestellte Jahresrechnung schließt leider wieder mit einem Fehlbetrag von 6004 Mark. Dagegen konnten wir unserem Vermögensbestand aus Legaten und Stiftungen 26,400 Mk. zuführen. Königsberg i. Pr., 12. Dez. Am hiesigen Orte bat sich in diesen Tagen ein lokaler Lehrerverein unter dem Namen „Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr." gebildet. Zweck desselben