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Der Israelit · 1901-12-16 · Heft 99 (16.12.1901) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 99 (16.12.1901)
Date
1901-12-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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2198 soll die Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes durch theoretische und praktische Arbeiten auf diesem Gebiete, wie durch die Pflege der einschlägigen, insbesondere der Jugendschristen-Litteratur sein. Zum Vorstand des Vereins wurden gewählt die Herren Rabb. Dr. V o g e l st e i n , Vorsitzender, Waisenbaus Inspektor Peritz, stellvertr. Vorsitzender und Schriftführer und Kantor Cohn, Kassierer. Der neue Verein wird seine Thätigkeit nach dem 1. Januar 1902 beginnen. München, 11. Dez. Heute Abend fand im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur ein Vortrag des Herrn Emanuel K i r s ch n e r statt. Cr lautete „Mittelalterliche hebräische Melodien und ihre Saugesweisen." Rach den lehrreichen Ausführungen des Herrn Referenten eröffnete Herr Rabbiner Dr. Werner als Vorsitzender des Litteraturvereins die Diskussion und betheiligte sich als Erster an derselben, indem er besonders das jüdische Empfinden, das in allen unseren iii dischen Liedern liegt, hervorhob. Im weiteren Verlauf der Diskusiion ergriff ein Student. Map Sichel, das Wort und verbreitete sich ausführlicher über beit von Herrn Rabb. Dr. Werner hervorgehobenen Punkt des echt jüdischen, spezifisch jüdischen Empfindens, das für uns in den Liedern schlummert. Der Student verstand es, den naheliegenden und doch so schwer zu präeisirenden Gedanken, daß diese Lieder nur dem jüdisch fühlenden und dem Judenthum gehörenden Herzen so ganz und gar verständlich, und daß sie so sehr Ausfluß der jüdischen Seele seien, daß nur jüdisch fühlende und bewußte Juden ihre Interpreten und Vortragenden sein tonnten, klar Ausdruck zu geben. Aber, fügte er hinzu — mit Absicht die religiöse Seite nicht heroorhebeud — moderne Juden fanden es für richtiger, christliche Choristinnen vom Operettentheater zu Interpreten der jüdischen Lieder zu wählen, die der jüdischen Seele entsprungen sind und ein integrirendes Stück jüdischer Seele und jüdischen Geistes bilden. Richt I u b e n sind es, sondern Christinnen, sagte er. die u n s I n - den unsere jüdischen Melodien und Lieder mit natürlich „tiefstem Empfinden" Vorsingen.-— Weiter tam er nicht. Herr Rabbiner Dr. Werner entzog ihm das Wort, mit der Begründung, Politik und Religion stäudeu außerhalb des Rahmens des Vereins. Dabei hatte der Student eben aus diesem Grttude die religiöse Seite nicht berührt. Schon während der Rede des Studenten machte sich ein 'unwilliges Murren im Publikum bemerkbar, uud als Herr Rabb. Dr. Werner dem Redner nngerechterweise das Wort entzog, ertönte Beifall, der — zu ihrer Ehre sei's gesagt — vom Widerspruch der jüdisch Fühlenden unterbrochen wurde. Tie Beisallspender braucht man kaum zu charak tertiären: Leute, denen die bittere Wahrheit uud das llrtbeil über den Mangel ihres jüdischen Gefühls und Empfindens zuwider ist. Von den Orthodoxen sei gesagt, daß sie mit dem Studenten einverstanden waren und ihm auch zum Theil Beifall spendeten, jedoch vielleicht aus falsch angebrachter Rücksicht — für den Redner nicht eintraten. Daß es ihnen an Muth dazu gebrach, wollen wir nicht glauben. Oesterreich. Wien, im Dez. In einer Vorsiandssttzuug der hiesigen israelitischen Kultusgemeiude brachte der Präsident zur Kenntniß, daß Freiherr Dr. Heinrich von Waldberg im Einvernehmen mit seinen Brüdern eine aus dem Nachlaße seines verewigten Vaters, Frei Herrn M. von Waldberg herrührende, überwiegend hebräische Büchersammlung von ca. 600 Bänden einem Zwecke zuzuführeu beschlossen habe, durch dessen Förderung er gewiß sei, pietätvoll im Sinne des Verblichenen zu handeln so npn rs 'rr-jz nc wpb»; Freiherr Dr. Heinrich von Waldberg habe es dem Crniesten des Herrn Vieepräsidenten Dr. Stern anheimgegeben, ob diese Sammlung der Bibliothek der Wiener israelitischen Kultusgemeiude einzuverleiben wäre. Herr Vicepräsident Dr. Stern hat nunmehr in diesem Sinne verfügt, mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die fragliche Büchersammluug dauernd mit dem Flamen des sel. Freiherrn M. von Waldberg verknüpft bleiben solle. tBeifall.) K u b a. Havanah. Von hier wird der ..Oesterr. Wochenschrift" folgende erfrenliche Mittheilung gemacht: „Die Juden der Insel Cuba organisiren sich zur gegenseitigen Unterstützung in sozialer und religiöser Beziehung. Die erste Versammlung zu diesem Zweck fand jüngst im Geschäftslokale des Herrn Charles Berkowitz in der Belascoain-Straße statt. Cs war eine Anzahl hervorragender Juden anwesend und die Art und Weise, >vie sie daran gingen, die neue Gesellschaft zu gründen, spricht für Erfolg. Folgende Beamte wurden provisorisch erwählt: Robert Diamond, Präsident; Charles Berkowitz, Sekretär; Alfred Er. Morales, Schatzmeister. Es wurde der Plan einer permanenten Organisation berathen und beschlossen, sogleich einen Fond auszubringen, uni eine Synagoge zu bauen und ein geeignetes Stück Land für einen Begräbnißplatz zu lausen. Die meisten Anwesenden zeichneten ansehnliche Beiträge, wie Alfred E. Morales 1000 Dollars, I. Barler 500, Robert Diamond 100, Charles Berkowitz 1O0, S. Biausiein 100, S. Greenberg 25, M. Oldstein 50, A. M. Chayon 100 und K. Deller 5, zusammen 1980 Dollars. Alle Anwesenden vervflichteten sich. Alles, was in ihrer Macht liegt, aufzubieten, alle Juden in Cuba für das Jntereste dieser Organisation zu gewinnen. Es wurde beschlossen, der Gesellschaft den Namen „Bnaj Israel von Cuba" zu geben. Gegenwärtig leben wenige Juden in Cuba, aber die anwesenden Glaubensgenosten hoffen zuversichtlich, daß in wenigen Jahren durch Zuzug anständiger jüdischer Familien ihre Zahl sich vermehren wird.

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