Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1901)
- Date
- 1901-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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2192 düng der böhmischen Statthalterei und des Ministeriums des Innern. Als Vertreter des Beschwerdeführers erschien Dr. Ludwig Bendiener aus Prag. Der Verwaltungsgerichtshof gab der Beschwerde statt und hob die angefochtenen Entscheidungen, mit welchem dem Rabbiner Büßgang das Heimathsrecht in der Ge meinde Hartmanitz abgesprochen worden war, als ungesetzlich auf. Definitiv — heißt es in der Begründung — müsse Derjenige als angestellt betrachtet werden, dessen Anstellung nicht widerrufen werden könne, wenn die Anstellung nicht als unsicher oder schwankend erscheint. Wer auf dreieinhalb Jahre fest angestellt werde, muß als bleibend und definitiv angestellt erscheinen. Dieser Grundsatz muß umsomehr bei einem Rabbiner gelten, weil bei ihm schon gesetzlich die Anstellung auf längere Zeit vorgeschrieben ist. Ungarn. Tapolcsany, 2. Dez. Am heutigen Tage starb unser vielgeliebter und verehrter „Rosch bes Din," Herr Rabbiner Prager. Er war ein Mann von edlem Charakter, voller Demuth, im strengsten Sinne des Wortes. Vom frühesten Morgen bis in die späteste Rächt war er mirc, per. Er war ein V-v, ein Großer nach jeder Richtung. Eine große Menschenmenge begleitete den Zadik. Unter den Anwesenden bemerkte man viele Rabbinen; so den Ober-Rabbiner von Neutra, die Rabb. von Zsambokret und Treucsin- Boan. Von Weit und Breit kamen die Leute, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Diamant G y u l e. Amerika. Newyork. (Auch e i n „P o l l a f.") Ein englischer Journalist, der den Stammbaum des Präsidenten von Nordamerika, Noosewelt, untersuchte, will gefunden haben, daß derselbe von rein jüdischer Abstammung sei, daher seine lebhafte Sympathie für die Juden, so daß er einen Juden als Privatsekretär angestellt hat. Der Großvater hieß Roswelski und stammte aus Ruffisch-Polen. Als er nach Amerika kam, änderte er seinen Namen in Rosenfeld um. Sein Sohn, der Vater des gegenwärtigen Präsidenten, ließ sich taufen und heirathete eine Holländerin und nahm den Namen Roosewelt an nach holländischem Dialekt. Feuilleton. Nach vierhundert fahren. 26s Von Friedrich Nott. „Als ich fünfzehn Jahre alt war," fuhr Frau Müller fort, „hielt mein Vetter bei meinen Eltern um meine Hand an. Mein Vater erwiederte, er habe zwar nichts gegen meine dereinstige Verbindung mit ihm einzuwenden. aber gegenwärtig wäre seine Stellung noch nicht der Art, daß er daran denken könne, ein Haus zu gründen, und ich wäre noch zu jung, um einen derartig entscheidenden Schritt zu erwägen. Wenn der Vetter wolle, könne er in einigen Jahren wieder anfragen, doch dürfe er inzwischen mit mir nach dieser Richtung hin nichts vereinbaren. Der Zusatz war überflüssig, der Vetter hatte vorher mit mir gesprochen und ich hatte ihn an nieinen Vater gewiesen. Kurz darauf übernahm mein Vetter in einer benachbarten Stadt ein kleines Geschäft und sehr bald schrieb er meinen Eltern, daß es ihm sehr gut ginge und daß er sein Geschäft bereits bedeutend vergrößert hätte. Wir lorresspondirten nicht miteinander. Das hätten meine Eltern nicht zugegeben, aber dennoch war ich glücklich und hoffnungsfreudig durch seine ausführlichen und regelmäßigen Briefe an meine Eltern. So mochten ungefähr zwei Jahre vergangen sein, stets kamen gute Nachrichten von dem Vetter, an den ich bereits wie an meinen künftigen Gatten dachte und ich glaubte hoffen zu dürfen, daß meine Eltern sehr bald in unsere offizielle Verlobung willigen würden.-Da, eines Tages kam mein Vater nach Hause in einer Stimmung, wie ich solche noch nie an ihm wahrgenommen. Seine Stirne war in tiefe Falten gezogen, er schien meine Anwesenheit in seinem Zimmer nicht zu bemerken, schien meine ihn grüßenden Worte nicht gehört zu haben. Wortlos warf er seinen Hut auf den Tisch und setzte sich erschöpft in den Lehnsessel vor deni Schreibtisch. Vor einer Viertelstunde war ein Brief von Alfred gekommen, meine Mutter war ausgegangen, ich hatte mir nicht erlaubt, ihn zu öffnen, jetzt schob ich ihn meinem Vater zu. „Willst Du ihn nicht ausmachen?" fragte ich schüchtern. Mein Vater fuhr auf, dunkle Röthe überzog für einen Moment sein sonst etwas bleiches Angesicht, als er, ohne ihn gelesen zu haben, den Brief entzwei riß. Ich schrie laut auf, mir war, als wäre mein Herz zerrissen. Da änderte sich plötzlich der Ausdruck in meines Vaters Zügen. Gütig, ivie immer, neigte er sich zu mir und streichelte mir die thränenüberflutheten Wangen. „Armes Kind!" sagte er, „armes Kind!" „Um Gotteswillen! Was ist geschehen?" stammelte ich, „sage mir alles! verhehle mir nichts!" — „Ich kann es Dir auch nicht verschweigen, ich muß es Dir sagen, so schwer es mir auch wird. Denke Dir, der Elende, den ich erzogen habe, den ich geliebt wie meinen Sohn, und den ich beinahe schon als meinen Sohn betrachtet habe, denn ich war doch im Begriffe, ihm mein Kind, mein höchstes Kleinod zu übergeben — er ist ein Missethäter in Israel, er bat sein Geschäft am Sabbat offen — um schnöden Gewinn Übertritt er eines der heiligsten Gebote unseres Gottes." Was ick damals gelitten habe, ich kann es Ihnen nicht beschreiben — „Jst's möglich!" rief Jsabella staunend, „aus diesem Grunde hat Ihr Vater mit Ihrem Jugendfreunde gebrochen? Ihren Bitten, Ihren Thränen ist es nicht gelungen, das harte Herz Ihres Vaters zu erweichen?" „Das harte Herz meines Vaters? Sie haben ihn nicht gekannt, aber ich sage Ihnen, Sie können lange