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Der Israelit · 1901-09-19 · Heft 74-75 (19.9.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 74-75 (19.9.1901)
Date
1901-09-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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I 151640 stimmen können, davon zu kosten! Wenn dies inhaltsschwere Wörtlein ro’x. „Wo bist du" wir uns stets gegenwärtig halten, wenn wir es jederzeit als Wegweiser vor Augen haben, dann werden wir niemals einer Pflichtverletzung uns schuldig machen, dann werden die Vorschriften über Mein und Dein, über Fried- und Nächstenliebe, ebenso von uns hochgehalten, wie wir dann heilig halten die Keuschheits-, Reinheits- und Ehegesetze, weil bei jedem unerlaubten Schritte, den wir zu thun beabsichtigen, mit mächtiger Stimme an unser Ohr die Frage dringet: -rx wo bist du und wo sollst du sein? Ja, wir werden dann, gleich dem ersten Menschen, als er die Stimme Gottes nrx rufen hörte, uns fürchten, der Gottesgebete uns zu entledigen ci-ny '2 xi xi, ja, wir werden ob des sündhaften Gedanken, der in uns aufgestiegen, mit Schamgefühl erfüllt sein x-nx: und ihn in das Innerste unserer Brust verschließen, daß er niemals zur That werde. n^x! Dies Wörtlein genügt, um dem heiligen Jaum Kippurim in uns'rer Mitte dauernden Erfolg zu sichern, dann ist jede Sünde für die Zukunft ausgeschlossen, dann können wir am künftigen Jaum Kippurim auf die Frage nrx mit gutem und ruhigem Gewissen antworten, wir sind dort, wo unser Gott uns bingestellt, wir sind nicht abgeirrt von der Bahn, die Er uns vorgezeichnet, wird sind nicht abgelenkt von dem Pfade, den Er für uns geebnet. Dazu möge Gott uns die Kraft und den Muth verleihen. Amen. Zeitungsnachrichten und Corrcsporiderrzen. Deutschland. München, 16. Sept. Unsere Gemeinde hat den Verlust eines ihrer besten und begabtesten Männer zu beklagen. Am ersten Tage Rosch Haschono, Abends Uhr, ist im Alter von kaum 60 Jahren Herr Isidor Landauer plötzlich verschieden. Der Verstorbene, von Beruf Bankier, besaß in hohem Grade alle jene Eigenschaften, durch die ein Gemeindemitglied befähigt wird, ein Kehillomann im besten Sinne des Wortes zu sein. Mit einem klaren, durchdringenden Verstände vereinigte er eine gediegene, vielseitige Allgemeinbildung, sowie einen regen Sinn für alles Ideale und Erstrebenswerte. Nicht minder bewährte sich das gute, edle Herz des Heimgegangenen in allen Fällen, wo es galt, sich gabenfreudig und hilfsbereit zu bethätigen; im Verkehr mit allen Nebenmenschen, mochten sie gesellschaftlich der bevorzugtesten oder der bescheidensten Klasse angehören, legte er stets größte Liebenswürdigkeit und herzgewinnende Freundlichkeit an den Tag. Lange Jahre hindurch gehörte er der Kultusverwaltung an; seine große, gediegene Sachkenntniß auf den verschiedensten Gebieten, seine treffliche Ausfassungsgabe und große Arbeitsfreudigkeit und nicht zuletzt sein vornehmes, versöhnliches Wesen machten ihn zu einem der geschätztesten und beliebtesten Mitgliede der genannten Körperschaft. Einen Feuereifer und eine energische Festigkeit bethätigte er in allen Fällen, in denen es galt, für die Aufrechthaltung und Unverletzlichkeit überlieferter Satzungen und religiöser Einrichtungen ganz und voll einzutreten. Weit größer, als es allgemein bekannt sein dürfte, waren der Einfluß und das Ansehen, deren sich der Dahingcgangene bei unteren wie bei höheren Behörden, so>vie in außerjüdischen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kreisen erfreute. So manchen gegen die Judenschaft geplanten Hieb verstand er durch sein rechtzeitiges Eintreten abzuwenden; in verschiedenen Fällen gelang es ihm, dem Judenthum ungünstige Strömungen und Stimmungen niederzuhalten. Von alledem gelangte fast nichts in die Oeffentlichkeit, der beste Beweis für die große Bescheidenheit und für den feinen Takt, durch welche der Verstorbene sich auszeichnete. Als im Jahre 1806 der inzwischen verstorbene Landtagsabgeordnete Ratzinger in der bayerischen Abgcordnetenkainmer eine antiseniitische Brandrede hielt und gegen die Juden Beschuldigungen erhob, deren Nichtigkeit und Verlogenheit dem edlen Volkstribunen sehr gut bekannt sein mußten, richtete Isidor Landauer an Notzinger, der früher mit ihm sehr befreundet gewesen, einen vortrefflichen Brief, in dem er an der Hand historischer und wissenschaftlicher Beweise die Hinfälligkeit und Ungerechtigkeit der gegen das Judenthum gerichteten Angriffe klarlegte und mit einem Appell an das Billigkeitsgefühl Ratzinger's schloß, daß sich derselbe durch die entsprechenden Argumente überzeugen lassen und hieraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen möge. Nickt dem Verstorbenen gereicht es zur Unehre, wenn die in diesem Briefe bekundete Auffassung hinsichtlich des Eharakters Ratzinger's eine zu optimistische gewesen: ein antisemitischer Demagoge will eben nicht überzeugt sein und die Antwort Ratzinger's auf die ebenso scharfsinnig und logisch aufgebauten, als sachlich und würdig gehaltenen Ausführungen Landaner's bestand darin, daß Ratzinger den betreffenden Brief im „Bayerischen Vaterland", dem Organ seines Gesinnungsgenossen und Freundes Sial —- Dar nobile frafrem — veröffentlichte, was natürlich Letzterer zur Anbringung seiner sattsam bekannten Schnurren und Glossen benutzte Schon seit mehreren Jahren machte sich bet dem Dahingeschiedenen ein schweres Leiden bemerkbar, welches ihn zwang, ssch von jeder öffentlichen Tbätigkeit zurückzuziehen. Vorigen Freitag, am my erlitt er einen Gehirnfchlag, welcher dem Leben des vortrefflichen Mannes ein so rasches und vorzeitiges Ziel fetzen sollte. Möge der Allglltige der tiefgebeugten Wittwe und den vaterlosen Kindern Trost und Aufrichtung spenden:

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