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Der Israelit · 1901-09-19 · Heft 74-75 (19.9.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 74-75 (19.9.1901)
Date
1901-09-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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42. Jahrgang. weite Weil, zu M 74 5- 75 des „Israelit" Leitender Artikel. wo bist Du? nra Line ns’2 Li'-IZelrachlnnri von Dr. M. L. Bamberger—Schri m m. Sie nahen Aste oder doch fast Alle, auch diejenigen, welche während des lieben langen Jahres keine Zeit fanden, an ihren Gott zu denken, und sich zu besinnen über das, was sie ihrer göttlichen Religion schuldig sind! Am hören auch jene die Stimme ihres Vaters im Himmel, die ihnen zuruft: nrx wo bist du und wo sollst du sein? ' “rx Wo warst du am vorigen Jaum Kippurim und rrrx wo bist du in der Zeit zwischen dein vorigen Jaum Kippurim und dem gegenwärtigen gewesen? Heute vor einem Jahre hast du zu wiederholten Rialen das Siiudenbetenntniß gesprochen, hast zu wiederholten Malen deinen Gott um Verzeihung deiner Sünden gebeten, hast zu wiederholten Malen gelobt, nicht mehr hinabzusteigen in die Grube des Verderbens, des Lasters und der Sünde, nrx, wo bist du nun? Hast du gehalten, was du versprochen? Bist du deinem Gelöbnisse treu geblieben? Hast du dir auch während der langen Reihe der Tage des Jahres wiederholt zugerufen: „nrx, wo bist du?" Du wurdest von deinem Gott hineingesctzt in die Welt als sündenfreier und sündenreiner Mensch, wurdest hineingesetzt ’iiEtr'r. Gottes Gebot zu erfüllen, Gottes Verbot zu meiden, wurdest eingesetzt in diese schöne Welt, um dort Theilnehmer zu sein an der Vervollkommnung der Menschheit, wurdest eingesetzt, um das erhabene Ziel der Gotteserkenntniß allgemein erreichbar zu machen, um für die erhabene Lehre von der Gotteserkenntnist die Menschheit zu gewinnen, rcw wo bist du? Bist du jenem Ziele näher gekommen, hast dein Ziel du erreicht oder bist du abgeirrt von dem Wege und hast das Gegentheil bewirkt von dem, was du anstreben solltest? Du wurdest einstens an den Fust des in Flammen stehenden Sinai hingeführt, wurdest dort bestellt als Hüter und Wächter des Feuergesetzes, der Thora. Du solltest wahren und hüten das Kleinod, das dir von Gott dem Herrn selbst eingehändigt wurde, nrx wo bist du, bist du auf dem Posten geblieben, hast du ausgeharret bei der Fahne, die dir anvertraut worden, hast du tapfer und muthig sie vertheidigt? nrx Wo bist du, Haft du deine Aufgabe jederzeit vor Augen gehabt? Bist du niemals treulos geworden dem Bunde, den dein Gott am Horeb mit dir geschloffen? Du wurdest der Verheißung gemäß, die Gott deinen Vätern gegeben, in ein Land geführt, wo Milch und Honig fließt. Du solltest dort mit Ruhe und Muße dich widmen dem Thorastudium und dem Gottesdienste, solltest dort in dem Tempel des Herrn, den in Seiner Gnade Er dir geschenkt, als Priester und Lehrer aller Welt die Lehre vom Einig Einzigen Gotte verkünden, nrw*. Wo bist du geblieben? Hast deinen Beruf du gewiffenhaft erfüllt, oder hast durch deine Sünden und Laster dl! es verschuldet, daß du hinaus mußtest in die weite Welt, um durch deine Wanderung durch die Länder der Erde deine Sendung zu erfüllen? Du hattest vergessen in deinem Sinnentaumel dir zuzurufen ro-x. uw bist du, wohin bist du gerathen, nun steht du erstaunt und verwundert ausrufend nrx. wie bin ich verwandelt worden, wie ist aus dem gottgeliebten, erstgeborenen Sohne Israel ein von Gott entfernt und entfremdet Volk geworden? rcx Wo bist du? Diese Frage an uns zu richten, vergessen wir allzu häufig. Israel hatte durch seine Prüfungen und seine Leiden lernen sollen, daß durch Gott und mit Gott seines Glückes Stern sich erhöhet, daß ohne Gott und entfernt von ihm seine Leiden sich häufen, sein Unglück sich mehret, daß Israel als solches, der einzlene Israelit als solcher, nur in Gott Schutz und Schirm, Hilfe und Rettung, Erlösung und Befreiung finden kann. Israel und der Jsraelite muß jederzeit wissen, daß sein zeitlicher Segen, ebenso wie sein unvergänglich ewig Heil, in Wechselwirkung steht mit der Anhänglichkeit und der Treue seinem Gott gegenüber, daß, jemehr Israel seinem Gotte sich nähert, desto mehr sein Gott ihm nahe ist, und je häufiger es sich die Frage vorlegt, nr-x wo bist du und 'n rr« wo ist dein Gott, desto gewiffenhafter es die Pflichten gegen seinen Gott erfüllt. Wenn wir am Sabbat und an den Festtagen uns doch immer und immer wieder zurufen wollten ~rx, wo bist du, bist du auf dem Wege, auf den dein Gott dich hingestellt, bist du nicht abgeirrt von dem Pfade, den dein Herr für dich geebnet, dann würden wir uns niemals dazu bestimmen lassen, die Sabbat- oder Festtagsruhe durch verbotene Arbeiten zu entweihen und zu entheiligen, dann würde es uns ein Leichtes sein, der Versuchung zu widerstehen, den Segen des Erwerbs, der an den Arbeitstagen uns versagt geblieben, unerlaubter Weise am Schabbos und Jaumtauw uns aneignen zu wollen! Wenn wir bei jedem Genüsse, den wir uns zuführen wollen, zuvor uns befragen Tß'x wo hcst du, welche Richtung schreibt dir der enge Pfad deiner Religionsvorschriften vor, welche Bahn ist es, auf der du dich zu begeben hast, dann würde die noch so lieblich duftende Schüssel mit verbotenen Speisen uns nicht be-

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