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Der Israelit · 1901-09-19 · Heft 74-75 (19.9.1901) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 74-75 (19.9.1901)
Date
1901-09-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1624 gemeine Kampfesmüdigkeit macht nicht Halt vor den Grenzpfählen der Orthodoxie: mischenitten reschuß lemaschiß enau mawchin den tauw lora! Das Judenthum steht gesteigerten Schwierigkeiten seiner Existenz gegenüber, gesteigert durch die allgemeinen Verhältnisse und durch die besonderen Umstände, in die es durch die Sonntagsruhe und die antisemitischen Bestrebungen versetzt ist; das Judenthum bedürfte heute einer erhöhten Kampfesfreudigkeit, und es kann sich natürlich nicht frei erhalten von der allgemeinen Kampfes- und Lebensmüdigkeit. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Ruhe, die Abneigung gegen alles, was Kampf ist, bildet das moderne Opium der Geister, das in orthodoxen Kreisen nicht toirkungslos bleibt. Die Väter wollen nicht mehr gegen die Söhne, die Mütter nicht mehr gegen die Töchter kämpfen, es ist, als ob der Prophet Elijabu, der Bote des Weheschiw lew owauß al Bonim tvelew bonim al awaussom, schon gekommen wäre. Man null im Hause Ruhe haben, ja die Eltern sind froh, wenn der Hohn der Kinder sie nicht verfolgt: verhängnisvolle Kamvfesmüdigkeit! Hier kann nur der große Styl Wunder thun, der große Stnl, der nicht im Sturme einhersaust, nicht im Erdbeben donnert, nicht in der Flamme prasselt, sondern im sanften, stillen Säuseln die Allmacht Gottes verkündet. Die Reform hatte Unrecht, wenn sie bei ihrer Nachgiebigkeit gegen den modernen Leichtsinn sich auf dieses „leise, stille Säuseln" des Propheten-Gesichtes berief: „Pinchoß seh Elijohu," sagen unsere alten Weisen, was nach einer ivunderschönen Erklärung des großen Dr. I. Hildesheimer, sichraunau liwrocho sagen will: Nur ein Pinchas hat das Recht, ein Elija hu zu sein! Wer vor dem Kampfe zur Ehre Gottes nicht zurückgeschreckt ist, der hat nachher das Recht, das leise, sanfte Säuseln zur Geltung zu bringen. Aber gleich die Waffen strecken und die sanfte Friedensschalmei blasen, und alles vreis geben: das thut nur der Feigling. Es kann nie und nimmer die Aufgabe des Judenthums sein, sich aufzugeben! Nie und nimmer wollen wir auch nur das kleinste Theilchen des Judenthums aufgeben! Der große Styl der friedlichen, schöpferischen Tbätigkeit des Geistes ist nur eine neue, den veränderten Verhältnissen angemessenere Methode zur Erfüllung der alten Aufgabe, zur Erhaltung des ungeschmälerten, gesetzestreuen Judenthums. Der Jndifferentismus ist der Tod -- wie soll in die todten Gebeine Leben eingehaucht, oder in den lebenden das Leben erhalten werden? Das kann nur der große Styl des G e i st e s! imexi dix p x2m mm bx xrn Hx ivxn Tw min' 'Xi2 jflrm p2ixv epS 'n idx ro mm ba vm .-Hxi d^iid. (Jescheskel 37,9) „Wende dich als Prophet dem Geiste zu! Sprich als Prophet zum Geiste. Menschensohn! Sprich zum Geiste: So spricht mein Herr, der Ewige — von allen Seiten komme, o G e i st, und hauche gegen diese Gefallenen, damit sie lebendig werden! — Was wir brauchen, ist G e i st! G e i st von vielen, von allen Seiten, wenn das Leben erhalten, wenn es lebendig werden soll unter den Abgelebten! Neben den kleinen Kämpfen der journalistischen Talente den großen Kampf der genialen Geister! Der Kampf der Geister war das Lebenselement des Judenthums zu allen Zeiten. Wir erinnern nur an die glühenden Kämpfe, die sich an die Größe unseres großen Lehrers Maimonides anschlossen. Der Kampf der Geister in den Lehrhäusern, in der Litteratur,. in den Jeschiwaus, wo der vielgeschmähte „Pilpul" die Geister entflammte und mit Glut aufeinander platzen ließ, aber dadurch das Talmudstudium und das religiöse Leben der Gemeinden und Familien mit allen Zaubern des Geistes durchfluthete: das war zu allen Zeiten ein Quell der Verjüngung für das Judenthum. Das Judenthum war stets ein abgesagter Feind des Genre Ennunyeux: hüten wir uns auch heute vor der Langweiligkeit. Und langweilig wird auch das Erhabenste, wenn der Geist nicht dafür sorgt, daß B'BHpß pryn nrn di dvr, daß es jeden Tag >vie neu erscheine! Der alte Wein verlangt immer neue Krüge: “C sprö xbrn, „was nicht wächst, nimmt ab," wachsen ist aber nichts Aeußerliches, sondern ein Innerliches — durch den G e i st! Den Geist erivecken möchte ich. Die Geister möchte ich in der Orthodoxie aufrufen zu großen Thaten, zu interessanten Schöpfungen, in Philosophie, in Poesie, im Thora-Studium, auf allen Gebieten des jüdischreligiösen Lebens. Für den großen Styl möchte ich die Geister gewinnen, der fesselt, der imponirt, der begeistert! Und es ist die A u f g a b e d e r O r t h o d o x i e, der Pflege des großen Styls sich zuzuwenden, des großen Styls, in welchem sie in ihren großen Begründern und klassischen Führern so große Vorbilder hat. Es ist dies darum dw Ausgabe der Orthodoxie, tveil — d i e R e f o r in t o d t i st! Ich wiederhole: cs ist dies darum Aufgabe der Orthodoxie, nicht o b - gleich, sondern weil die Reform tobt ist! — - Jakob auf der Flucht vor Esau sah auf der Himmelsleiter im Traumgesichte Engel Gottes zuerst hinauf- und dann heruntersteigen D^y op^x '2xbv njm dhiiv erst au lim und dann jaurdim. Das erklären unsere Weisen so: die bxilrn px 'rxbv die Engel des heiligen Landes, hatten ihn bis an die Grenze begleitet, diese verließen ihn an der Grenze, stiegen zurück in ihre Heimath, und an deren Stelle stiegen herunter die pxd njfin -2xbv die Engel des Auslandes. Die „Engel des Auslandes," das sind die Hüter und Bundesgenossen im Kampfe gegen den äußeren Feind, und das ist immer ein Kampf kleinen Styls. Aber auch im „heiligen Lande," in der Heimath, bedarf der Mensch der Schutzengel, der Führer und Bundesgenossen, und das ist der Kampf des g r o ß e n S t y l s ,

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