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Der Israelit · 1901-09-17 · Heft 73 (17.9.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 73 (17.9.1901)
Date
1901-09-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1616 mänien 500,000 Fcs. ausgegeben. Heute gibt es in den verschiedenen Städten des Landes 25 jüdische Volksküchen, welche eine monatliche Ausgabe von 25,000 Frcs. verursachen und täglich an 6360 Portionen Esten verthcilen. Die für die Unterstützung der Emigranten verwendeten Summen belaufen sich auf 450,000 Frcs. Der Bericht der nach Rumänien gesandten Delegirten der „All. Jsr." verlangt von der „Alliance" einen monatlichen Kredit von 60—80,000 Francs. — Die armen Juden der Hauptstadt haben an vier Orren Versammlungen abgehalten, um über die künftigen Auswanderungen nach Spanien und nach Transvaal zu berathen. Der spanische Konsul in London hat der engl. Regierung mitgetheilt, daß die spanische Regierung geneigt sei, in Spanien die Juden aufzunehmen, die aus irgend einem LandeEuropas auswandern. In den Versammlungen wurden Komitees gewählt, um von den Behörden Spaniens und Transvaals Informationen über die Bedingungen einzuholen, unter welchen die jüdischen Emigranten daselbst ausgenommen werden können. Bukarest, 50. Sept. Das „Bukarester Tageblatt" schreibt: Betreffs der Frage des Koscherfleisches in der Hauptstadt begab sich dieser Tage eine Delegation von strenggläubigen Juden, unter Führung des Rabbiners Schor, zum Poli.zeipräfekten, um ihm eine Petition mit nachfolgendem Inhalte zu überreichen: „Da das für die jüdischen Fleischhauer bestimmte Vieh im Schlachthause nicht nach den rituellen Vorschriften geschlachtet ivird, so haben sich etwa tausend jüdische Bewohner der Hauptstadt mit den Fleischhauern dahin verständigt, nur dasjenige Fleisch zu taufen, ivetctjeä von einem e'tqcn§ bezeichneten Schächter geschlachtet wird. Als aber dieser Schächter sich im Schlachthause cinfand, sei er von der Verwaltung des Schlachthauses am Arbeiten verhindert worden. Die Unterzeichneten Juden beklagen sich beim Polizeipräsekten über diese Ungerechtigkeit, und bitten ihn, er möge dahin intervenircn, daß sic ihren Wunsch realisiren können, durch dessen Erfüllung ihr religiöses Gefühl geschont werde, ohne daß irgend Jemandes Jnteresie geschädigt werden. England. London. Unter der Deputation, welche die Stadt London zu Lord Salisbury entsandte, um gegen die Einwanderung polnischer und rumänischer Juden zu proteftiren, befand sich auch das jüdische Parlamentsmitglied Sir Paul Samuel. Darob mit Recht angegriffen, veröffentlicht derselbe nunmehr diesen Angriffen gegenüber eine Erklärung, in der er sagt: „Ich bin allerdings ein Jude, aber ich bin zugleich auch ein Engländer und muß als solcher die Interessen meiner Wähler vertreten. Mein Wahlbezirk ist East London. Dieser Theil der Hauvtstadt leidet an Uebervölkerung, und einem weiteren Zuströmen von „Einwohnern" muß vorgebeugt werden. Das liegt auch im Interesse der Juden, weil sonst deren Gegnerschaft schreckliche Ausdehnung annehmen könnte. Es handelt sich bei der Einwanderung der polnischen und rumänischen Inden um eine Frage der Uebervölkernng, und cine Fernhaltung der fremden Juden ist nöthig, um nicht auch in England jene Abneigung gegen die Juden hervorzurufen, die wir in anderen Ländern wahrnehmen." Wir haben bereits daraus hingewiesen, daß die Einwanderungssrage in London einen antisemitischen Hintergrund hat. Hier sehen wir dies bestätigt; man will es in England nur noch nicht tvahr haben. Die deutschen Antisemiten plaudern es aber mit großer Offenherzigkeit aus. London. (B r i e f w e ch s e l mit Lord 2 a l i s b u r y über die F r e m d e n e i n tv ander u n g.) Das vor einiger Zeit gegründete parlamentarische Komitee gegen die Fremdeneinwanderung hat unter Führting ihres unermüdlichen Vorsitzenden, Colonel Sir Howart Vincent, seine Thätigkeit bereits begonnen. Dasselbe übersandte dem Lord Salisbury eine Liste von 50 Mitgliedern des Unterhauses, welche sich alle der fremdenfeindlichen Bewegung angeschlossen haben. Dem Verzeichniß war ein ausführliches, von Sir Vincent und Mr. S. F. Ridley unterzeichneteS Schreiben beigefügt, in welchem die Negierung an ihr mehrfach wiederholtes Versprechen erinnert wird, der Fremdenfrage ernstlich näher treten zu wollen. Solche Versprechen wurden namentlich in der Thronrede von 1806 und in der vom Staatssekretär Mr. Ritschi im Unterhause am 10. Februar 1897 abgegebenen Erklärung gernacht. Seit 1897 sind in England 234,000 Fremde eingewandert. (Davon vergaß freilich Mr. Sir Howard Vincent ca. 50,000 Schisser abzuziehen. Red.) Seil 1901 werden die Einwanderer überdies von den Agenten instrnirt, den Beamten des Board of Trabes gegenüber zu behaupten, daß sie nicht nach England, sondern nach Amerika und Südafrika auswandern rvollten, wodurch die Zahl der nach England auswandernden vermindert erscheint. Daher fordert das Komitee, der Fremdeneinwanderung auf legislatorischeln Wege entgegen zu treten und stellt die von uns seiner Zeit mitgetheilteu Forderungen auf. Natürlich ist in dem ganzen Schreiben von den Juden nicht mit einer Silbe die Rede und nur zum Schlüsse desselben stellt Sir Howart Vincent seinen antisemitischen Pferdefuß heraus, in dem er für den Fall, daß die Regierung sich um die für ihn „brennende" Fremdeusrage auch ferner nicht kümmern sollte, für die nächste Zukunft schon eine Volksbewegung „antisemitischen Charakters" in Aussicht stellt. Also handelt cs sich in letzter Linie doch um die Juden! Lord Salisbury nahm das Schreiben des 69 Mitglieder zählenden „Parlamentary Comitee of Pauper

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