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Der Israelit · 1901-09-17 · Heft 73 (17.9.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 73 (17.9.1901)
Date
1901-09-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4T. Jahrgang. Meilage zu M 73 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Carrespon-enzett. Deutschland. Berlin, 10. Sept. Mit Johannes v. Miguel, dein früheren Finanziuinister, ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Persönlichkeiten dahingegangen, die Anthril an der beschichte des deutschen llleiches und des preußischen Staates gehabt haben. Für uns ist aber bei diesen! Todesfall nur die eine Sache besonders charakteristisch, daß die, die einst die erbittertsten Feinde dieses Staatsmannes waren, jetzt die unbedingten Lobredner desselben sind, nämlich die Antisemiten. Die „V. Z." schreibt darüber: „Das waren in erster Reihe die Antiseiniten, die ihn, den nächsten Freund Lasters, 'als Gründer und Jndenlnecht verschrieen hatten, in ihm nur den Direktor der Diskonto-Gesellschaft sahen und Ahlwardt's „Enthüllungen" hoffnungsvoll lauschten. Wie war es doch am 2t. März 1803? Da erzählte der „Rektor aller Deutschen," daß bei der Gründung des Jnvalidensonds und anderen ähnlichen Dingen „Verhandltrngen oer schlimmsten Art" mtt Börsenlenten gepflogen wordeii seien: „Der Name des jetzigen preußischen Finanzministers ist auch darunter. Es wird sich zeigen, daß von diesen Leuten das deutsche Volk um Hunderte von Millionen betrogen lvorden ist." Nicht zum ersten Male wurde Miguel also bezichtigt. Es gab Zeiten, >vo auch eie „Kreuzzeituug" ihn als Gründer brandmarkte und die lleberzeugung aussprach, er werde nie ein Portieuille erlangen. Und dann wurde Johannes Miguel der Vertrauensmann der konservativen Agrarier, und man war schließlich genwhnt, Mittheilungen über ihn und seine Verwaltung nirgends zuverlässiger zu finden, als in dem früheren Blatt des Abgeordneten Ahlwardt." Berlin, im Sevt. Mit einer antisemitischen Ausschreining hatte dieser Tage das Schöffengericht zu lhun. Mit den Worten: „Na Juden, wart Ihr dafnen?" (beten» ivnrden zwei Männer empfangen, die in der Nacht znm 20. September v. I., dem jüdischen Versöhuuugsfest. das Alerander Kaffee betraten. Die Frage kam von einem älteren Herrn, der mit einem anderen dicht am Eingang des Lokals an einem Tische saß. Einer der beiden Eintretenden, der zwar dunkles Haar hat, aber nicht jiidischen Glaubens ist, trat an den Tisch und verbat sich eine derartige Anulkung. Als er mit seinem Begleiter dann an einem Tische Platz nehmen »oollte, folgten ihm spöttische Redensarten, die im mauschelnden Tone fortgesetzt tvurden, bis von der anderen Seite nochmals eine ernstliche Verwahrung dagegen erfolgte. Der Angeulkte trat nochmals an den Tisch, berührte den älteren Mann etwas kräftig und verbat sich toiederholt, ihn zur Zielscheibe unpaffender Scherze zu machen. In demselben Augenblick sauste ein Spazierstock auf seinen Kopf hernieder und verwundete ihn dermaßen, daß er iiber und über mit Blut besudelt tvar und die Unfallstation aufsuchen mußte. Der Schläger stand nun in der Person des schon bejahrten Kaufmanns I. Mietschke vor dem Schöffengerichte. um sich tvegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Sein als Zeuge auftretender Begleiter behauvtete, daß er die beiden in's Kaffee tretenden Männer init Bekannten verwechselt und ihnen scherzhaft zugerufeu habe: „Ra, heute am großen Jontiff im Kaffee?" Er gestand zu, etwas vorlaut geivesen zu sein, machte aber zu seiner Entschuldigung geltend, daß er lväbrend des Tages — 30 Glas Bier genoffen habe. Der Angeklagte behauptete, daß er sich in einer Art Nothwehr bekunden habe, da der Verletzte den Arm zum Schlage gegen ihn erhoben und er mit dem Stocke nur den Arm habe treffen wollen. Der Gerichtshof hielt hierüber noch eine weitere Beweisaufnahme für nothwendig. Dem Angeklagten kann der „Scherz" etwas theuer zu stehen kommen, denn der als Nebenkläger auftretende Verletzte verlangt außer der Bestrafung des Angeklagten auch noch eine Buße von 210 Mk. Oesterreich. bFcriiowiü. (H e l d e n m u t h eines I ü n g - I i n g s.1 Bor einigen Tagen badete im Pruth bei Ludi-Horecza ein zehnjähriger Knabe Namens Netter u!it seinen Eltern. Der Knabe wagte sich zuweit in den Strom und eine größere Welle riß ihn mit sich, er verlor den Boden und versank in den Flnthen. Trotz Schreien und Bitten der Eltern »nagte Niemand, den Knaben zu reiten. Die Panik der Eltern und der Zuschauer war eine gräßliche. In dieser höchsten Noth stürzte sich ein Jüngling, Namens Osias Deutsch, Abiturient der gr.-or. Oberrealschule. in das Wasser, mn den Knaben zu retten. Trotz zweimaligen Unterkauchens konnte er dev Kleinen nicht erwischen: hierauf verschioand auch der kühne Schwimmer — nun gab man die Beiden auf - - aber welch' Wunder! nach einigen Augenblicken kam der bekdenmütbige Jüngling sammk dem Knaben wieder zur Oberfläche und man sah denselben mit seiner Last!nm Itfer beranfcbwimmen. Der Knabe war schon bewußtloJ nur durch das rasche Eingreifen einer Doktorsfrau gelang es, den Kleinen zum Leben zu bringen. Tew mutbiaen Jüngling wurde die vollste Anerkennung für diese heldenmüthige That zu Tbeil. Rumänien. Bukarest. (Zur I u d e n f r a g O Vom Mai 1300 bis Januar 1001 hat die „Alliance Jsr." allein für die Iluterstützung der nothleidendeu Juden in Ru-

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