Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 73 (17.9.1901)
- Date
- 1901-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1613 liche Fürsten und berühmte Männer haben in seinen prächtigen Räumen gewohnt/ jetzt wird es wohl ein Absteigequartier für Schmuser und jüdische Geschäftsreisende werden. Wir tonnen den Schmerzensschrei des edlen Blattes verstehen und rufen in dessen Jargon: „ferchterlich!" Marienbad. (M u st e r h a f t e Humanität.) Die hiesige Hausbesitzerin Frau Johanna E b e r t, eine gute Katholikin, beweist es zur Genüge, dass die Menschenfreundlichkeit keine Konfession kennt. Genannte Dame, die ihrer erhabenen Anschauungen halber in Markenbad auch sonst verehrt wird, beherbergt in ihreui Hause schon seit Jahren eine arme, jüdische Frau, Namens Sarah Satschi aus Jerusalem, ganz gratis, und überdies versieht sie die Aermste, die in Folge ihres schweren Leidens viel zu schassen gibt, mit „koscherer" Kost. Frau Ebect achtet ganz gewissenhaft daraus, dass ihre „Liebe Satschi" ja zufrieden sei. Wahrlich edel und lobenswerth'. Ungarn. Miskolez. (Ein seltenes F e st.) Die Festlichkeiten zur Einweihung der neuen Synagoge und Schule verliefen über alle Erwartungen glänzend. Vertreter der christlichen Konfessionen und Deputationen der Gemeinden Debreczin, Gyöngyös, Nyiregyhaza und Kaschau und fast alle Gemeinden des Borsoder Komitates nahmen an derselben Theil. Beim Hammerschlag auf den Schlussstein sorach der reformirte Bischof Kun den Wunsch aus, dass zwischen den in unserem Vaterlande lebenden Konfessionen die Eintracht, der Friede und die Liebe nie aufhören möge. Auch Vizegespan Tarnay sprach die Hoffnung aus, dass es nicht gelingen werde, Zwietracht zwischen den Konfessionen zu säen. Russland. Petersburg, im Sept. Der hier in russischer Sprache erscheinende „Woschod" („Der Osten"), das Organ des russischen Judenthums, veröffentlicht einen „offenen Brief" an Baron Edm. Rothschild in Paris, in welchem derselbe aufgefordert wird, sein Protektorat über die jüdischen Kolonieen in Palästina niederzulegen, weil dieses der Entwickelung dieser Kolonieen hinderlich im Wege stehe. Der „offene Brief" schließt mit den Worten: „Auf Ihre Millionen gestützt, usurpiren Sie Rechte, die das jüdische Volk um keinen Preis in Ihren Händen lassen will. Das jüdische Volk wird es, ohne die Hülfe seiner Millionäre, verstehen, sich von der Sklaverei zu befreien und ein unabhängiges Leben zu erringen." (Wir können dieser Nachricht keinen rechten Glauben schenken. Red.) Rumänien. Bukarest. Vor zwölf Jahren wurde dem Schächter Marcu Haham u. seiner Frau Chaia von Zigeunern ihr kleines Töchterchen entführt. Nunmehr wurde das inzwischen herangewachsene Mädchen durch Zufall entdeckt, als die Bonde ein Dorf in der Nähe von Darabani vassirte. Es wurde eine Untersuchung des Falles eingeleitet und vor einigen Tagen kam der Prozeß vor dem Tribunal von Dorohoiu zur Verhandlung. Alle Welt, und insbesondere die jüdische Bevölkerung, brachte diesem Prozesse das lebhafteste Interesse entgegen und erwartete mit Spannung das Urtheil des Gerichtshofes. Zu allgemeine? Ueberraschung sah sich der Gerichtshof veranlasst, den Entführer der kleinen Esther, den Zigeuner Konstantin, sreizusprechen und zu entscheiden, dass Esther dem Zigeuner zurückzugeben sei, da dieser behauvtete, dass Esther sein Kind sei. Die wahren Eltern des Mädchens haben gegen dieses tlrtheil Berufung eingelegt, und sie legen Briefe der Esther vor, aus welchen hervorgeht, dass das Mädchen init Widerwillen und Eckel unter den Zigeunern weilt und nicht müde wird, zu versichern, dass sie die Tochter des Maren Haham und seiner Frau Chaia sei, und von den Zigeunern gegen ihren Willen entführt worden sei. Türkei. Kvnstantinvpcl. (Ein jüdischer Divis i o n s g e n e r a l.) Der Sultan hat den Viceadmiral Dr. Jsaac Molho Pascha zum Divisionsgeneral ernannt. Der so Ausgezeichnete ist schon seit längerer Zeit Snnitätsinspektor der kaiserlichen Marine und Präsident des jüdischen Konsistoriums von Konstantinopel. In der Verwaltung dieses Ehrenamtes, das er wiederholt inne gehabt, hat Dr. Jsaae Molho Pascha viele Beweise außergewöhnlicher Tüchtigkeit gegeben; manche in der Geschäftsführung des Grossrabbinats angeführte Reformen und Verbesserungen sind seiner Initiative znznschreiben. Sein Bruder ist der erste Draqoman im kaiserlichen Palast, Daud Effendi Molho. Feuilleton. Nack? vierhundert 3al?ren. Von Friedrich Nott. 3' „Möglich, dass ich mich um einige Minuten irre, auf die Uhr habe ich nicht gesehen —• aber das ist ja nun auch einerlei, gelobt sei Gott und alle Heiligen, dass mein liebes, theures, gnädiges Fräulein wieder auf dem Trocknen ist, das werde ich dem Herrn Doktor nie vergessen, und wenn ich hundert Jahre alt werden sollte." „Ich auch nicht," flüsterte die Gerettete, „sein Leben muß doch auch in Gefahr gewesen sein —"