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Der Israelit · 1901-09-17 · Heft 73 (17.9.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 73 (17.9.1901)
Date
1901-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1608 zu verfügen, diese Vorgänge ganz ruhig mit ansehen u. nich' "'aran denken, — unter ihrem Eindrücke zu rasen? arauf läßt sich zweierlei sagen: entweder hat uns das Alltägliche gegen das Erschütternde der Er- , mg abgt stumpft, wahrscheinlicher jedoch ist das aübi.c was sich dem Nebukadnezar in einem einzigen Vorgänge zusammendrängte, das wickelt sich vor unseren Gingen erst in einer Reihe von vielen Jahren ab. Im Verlaus der Zeit verlieren wir aber den Zusammenhang aus den Augen und der Eindruck geht für uns verloren. Der Kops aus Gold, die Brust aus Silber, der kupferne Leib, die eisernen Füße, sie bezeichnen die Stufenleiter des menschlichen, ausschließlich dem Irdischen zugewandten Strebens. Wer schon nicht die höchste Stufe erreichen kann, der trachtet wenigstens nach der zweiten, oder mindestens der dritten. Der Stein aber, der nicht von Menschenhand geschwungen, — das ist der Geist Gottes. Seiner Gewalt kann keine irdische Macht und auch alle zusammen nicht widerstehen. Mag sich menschlicher Stolz, von Habe und Besitz aufgebläht, noch so hoch dünken, ja, mag er selbst ein ganzes Weltreich gleich Nebukadnezar in einer Hand vereinigen, es wird ihm nicht gelingen. Der Augenblick kann ihm immerhin gehören, — die Ewigkeit aber wird dem Geiste Gottes zu Theil. Diese Lehre, die, wie wir eben gesehen, dem heidnischen Könige im Traumgesichte angedeutet worden, und in einen Schrecken ihn versetzte, daß er darüber rasend wurde, sie wird uns in noch viel eindringlicherer Deutlichkeit durch das Opfer der welches der Hohepriester am heiligen Versöhnungstage na» "2 ms von Seiten der Kinder Israels darzubringen hatte, vor die Seele geführt. Ueber diese beiden Widder wird, wie bekannt, das Loos geworfen. bmTvb mx bim "6 -rot Durch das eine Loos wird der eine Widder'rb zu einem Opfer für Gott, der andere zu einem solchen für Asosel bestimmt. Wie kommt es nun, daß gerade hier über die Opfer geloost wird, wie dies sonst nirgends im heiligen Dienste vorkommt? Welche Bewandtniß hat es nun gar mit dem i>7XTvd vytp? — Was ist denn eigentlich Asosel? — Nachdem, was wir soeben ausgeführt, kann ein Zweifel nicht mehr darüber bestehen. Asosel ist — wie schon das Wort selbst bekundet — bw w. die Macht, welche der Vergänglichkeit und schließlich dem Untergänge verfallend, alle ihre Anhänger auch dahin führt. Das ist eben jene Macht, deren sinnfälligen Vertreter Nebukadnezar im Traume gesehen, wie sie sich ausGold, Silber, Kupfer und Eisen vor seinen Augen aufbaute. Es ist wahr, das Heidenthum, zu welchem kein Strahl von dem Lichte der Thora gedrungen, kannte überhaupt keine andere Macht als diese. So sehr es auch bemüht war. sich an diese irdische Gewalt zu klammern, — es wurde zertrümmert. Von wem? — drängt sich hier die Frage auf. — Von einem Steine, der zwar nicht von Menschenhand geschwungen, aber gerade darum das Werk der Zerstörung desto gründlicher vollbrachte. Wir aber, die wir doch wissen, bei wem die Macht, bei wem unsere Stärke und Erhaltung liegt, wir dürfen im Lichte dieses heiligen Tages die Frage aufwerfen: wem dienen wir eigentlich das ganze Jahr hindurch? Etwa Gott ausschließlich? Wer wollte das angesichts des feierlichen Ernstes behaupten? Oder, sind wir etwa dem Götzendienste verfallen, wie nicht selten unsere Vorfahren in alten Zeiten? — Das werden wir erst recht bestreiten. Nun, so sei es denn offen gesagt, wir dienen nicht den Götzen, aber Gott auch nicht, wohl aber dem bm;y, jener Macht der Welt, die vermöge ihrer glanzvollen Außenseite unsere Augen befangen macht. Denn das Heidenthum, es ist im Grunde nichts anderes, als der Abfall von Gott und das Hängen unseres Herzens an der Macht dieser Welt. Dieser Götzendienst hat nur seine Formen gewechselt, die Sache selbst ist geblieben und längst nicht aus der Welt geschafft. In tvelcher Form immer sie auftreten mag, stets ist und bleibt es die Hingebung an den ins vj, der Eintausch von cb'v der ewigen, gegen die "iny D^y — vergängliche Welt. Ihr hatte sich auch der verlorene Sohn verschrieben. von dem der Prophet in der heutigen Haphtara ein so schaudervolles Bild entwirft. Er zeigt ihn, wie er vom Zorne Gottes gejagt, von wüsten Gedanken verstört. durch die schauervollsten Einöden schweift. Was hat ihn denn bei gesundem Leib und Leben in solch' rasenden Wahn getrieben? =>“px7 “rer; nrxi 'revp 'vxz \'sz 'dS “pre srur -“fm. Nun, er war dem Laster des Geizes ergeben. Darum eben schlug ihn Gott in seinem Zorne, — er schlug ihn und hielt sich gleichzeitig vor ihm verborgen. So eben kam es, daß er wie sinnesverwirrt auf den Wegen seines eigenen Herzens umherschweifte. So stellt sich das Ende Aller, die dem im* tv sich hingeben. Das alles wird uns auch durch das Verfahren, welches mit brmyp i'yv> dem dem Asosel verfallenen Opfer beobachtet wird, mit erschreckender Deutlichkeit vor die Seele gestellt. Der bmiyh “'vjv wird zunächst nicht durch einen Zwang, der von irgend einer Seite ausginge, seiner Bestimmung zugcführt. Die Entscheidung erfolgt durch die freie Wahl des Looses. Wenn sie auch im gegebenen Falle für Asosel entschieden, es wäre ebensogut möglich, daß ihn das Loos nb träfe. Dieser Vorgang soll uns zunächst die Ausreden abschneiden, welche bei uns so sehr im Schwünge sind. Fragt man, warum gerade bei uns das Gebot Gottes stets zu kurz kommt und so oft dagegen gefehlt wird, so wird man um Ausflüchte nicht verlegen sein. Der Eine sagt: die Zeiten sind ohnehin schwer genug, man hat auch so seine Plage. Der Andere wieder spricht: das mag alles in früheren Zeiten angebracht gewesen sein, wo unsere Vorfahren noch mit dem Packen auf dem Rücken umherzogen. Bei dem

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