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Der Israelit · 1901-09-17 · Heft 73 (17.9.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 73 (17.9.1901)
Date
1901-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 73 Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. fe^mann in Utaiuj. Dienstag, den 17. September 5662 (1661). Leitender Artikel. Traum und Wahrheit. (MmjjtiMi) jis ^frfb'tiiniBgstaflf.) Voll Rabbiner Dr. Daniel Fink, Wien. Von dem gewaltigen König Nebukadnezar, der vor 2600 Jahren etwa das babylonische Weltreich beherrscht hat, wird uns im zweiten Kapitel des Buches Daniel folgende Geschichte erzählt: Er hatte einst in einer Nacht einen Traum. Als er morgens erwachte, tonnte er sich aus dessen Inhalt nicht mehr besinnen. Allein es mußte etwas Furchtbares gewesen sein, was er geträumt hatte. Schon die gänzlich verblaßte Erinnerung daran machte ihn rasend vor Aufregung. Er berief daher alle seine Weisen und Schriftkundigen und gab ihnen den gemessenen Befehl, — sowohl den Traum wieder in seinem Gedächtnisse zu erwecken, als auch dessen Bedeutung ihm bekannt zu geben. — Widrigenfalls hätten sie es ohne Ausnahme mit dem Leben zu büßen und ihre Häuser würden zu Trümmerhaufen verwandelt werden. Ganz bestürzt über diese verwegene Zumuthung, entgegneten sie: ein solches Verlangen wäre ganz unerhört und noch von keinem Menschen jemalsgestellt worden. Er möge nur den Traum erzählen. Hätten sie erst die nöthlgen Anhaltspunkte, so würden sie alsdann keineswegs verfehlen, ihm die gewünschte Deutung zu sagen. — Diese Antwort steigerte den Zorn des Königs nur noch mehr. Was er soeben gedroht, das sollte sofort vollstreckt werden. Auch Daniel, der zu den Würdenträgern des Königs zählte, ward an seinem Leben bedroht. Er begab sich zu demselben und bat, man möge das Strafgericht wenigstens eine kurze Zeit aufschieben. — Er versammelte hierauf seine drei Genossen Chananjah, Mischael und Asarja um sich. Vereint mit ihnen rief er die Barmherzigkeit Gottes an, damit ihm dieses Geh-imniß offenbart werde. Während er noch, im Gebete vertieft, auf den Knieen lag, kam ihm eine Erleuchtung von Gott und er ward in den Stand gesetzt, sowohl den Traum, wie auch dessen Deutung dem Könige zu verkünden. Er sprach: Du, o König, schautest in Deinem Traume eine hohe menschliche Gestalt von stattlichem Aussehen und ausdrucksvollen Gesichtszügen, ihr Haupt war aus Gold gebildet, Brust und Arme aus Silber, der Leib und die Hüften aus Kupfer, die Oberschenkel aus Eisen und die Füße zum Theil aus Eisen und zum Theil aus Ton. Da auf einmal erhob sich ein Stein, der von keiner menschlichen Hand geschwungen wurde, und zertrümmerte die Gestalt, zermalmte sodann das Gold, das Silber, das Kupfer und das Eisen, daß sie allesammt wie Spreu auf der Tenne in alle Winde verweht wurden. Aber der Stein selbst wuchs sich zu einem hohen Berge aus, dessen Gipfel die ganze Erde überragte. Sehen wir einstweilen von der durch den Mund des Propheten geoffenbarten Deutung ab, von welcher doch auch der König zunächst nichts wußte. Was"war denn an dem Traum an sich schon so Furchtbares, was ihn rasend machte? War es das geschaute Bild, oder vielleicht eine Ahnung von der Wahrheit, die sich unter demselben verhüllte? — Es war entschieden das letztere. Denn die Wahrheit, die sich uns für gewöhnlich am hellen Tage nur tief verschleiert zeigt, vor der wir außerdem noch meist die Augen verschließen, — sie hatte der König im Traume — Auge in Auge gesehen. Von einem Traume kann man bei dieser Erscheinung nur insofern reden, als sie den Vorgang an einem Orte und zu einer Zeit sich abspielen ließ, den wir alle schon einmal gesehen, — ja, den wir eigentlich täglich auf's neue und in aller Zukunft wieder sehen werden. Woher kommt es nun, daß wir, ohne im Entferntesten über eine so gewaltige Macht wie Nebukadnezar

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