Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1901)
- Date
- 1901-09-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Hungen 1× ep/1044798
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1860 Amtsrichter in Zukunft derartige Ausdrücke und Redewendungen, welche geeignet sind, den ehrenwerthen Stand israelitischer Lehrer in der Oeffentlichkeit herabzuwürdigen und zu beleidigen, vermeidet, müssen wir bezweifeln. Von viel heilsamerer Wirkung wäre eine wirksame Bestrafung des Richters gewesen, dessen Ausdrucksweise auf das Schärfste gegeißelt und zurückgewiesen werden muß. Wenn der Antisemit Böckel, ein Landsmann des Richters in Hungen, derartige Redewendungen gebraucht, wie sie das angezogene Urtheil enthält, so ist das mit seiner Gesinnungs—tiich tigkeit zu entschuldigen, bei einem Richter aber muß ein tlrtheil, ob es einen Christen oder Juden betrifft, in Form und Ausdruck den billigen Anforderungen entsprechen, welche man in Deutschland an die Vorurtheilslosigkeit der weder „sozial niedrig stehenden, noch ungebildeten" Richter zu stellen gewöhnt ist. L. Oesterreich. Prag, 8. Sept. Am 19. v. Mts. verstarb hier der Chef des Bankhauses M. Bloch und Sohn, Herr Markus Rosenbacher, nach kurzem Leiden im 72. Lebensjahre. Der Verblichene gehörte einer durch Gelehrsamkeit und Seelenadel ausgezeichneten alten jüdischen Familie an. Würdig seiner Ahnen, verband er mit echter Frömmigkeit ein vornehmes Wesen und eine Bescheidenheit, die ihn niemals in den Vordergrund treten ließ. Einem Manne von solcher Bildung, merkantiler Fachkenntniß und materieller Stellung wäre es ein Leichtes gewesen, viele Ehrenstellen zu erlangen, allein ein solcher Ehrgeiz wiederstrebte seinen Intentionen, die ihm jedoch nichts halfen, als man an ihn, den gediegenen Fachmann im Bankwesen, mit Drängen herantrat, sein Wissen wenigstens in den Dienst der Handelskammer zu stellen, der er auch bis zu seinem Tode angehörte. Wie unauffällig sein öffentliches Wirken war, so geräuschlos war sein Wohlthun, welches sich zumal bei jeder größeren Wohlthätigkeitsaktion, wie bei der Sammlung für die russischen und bei der der rumänischen Juden in reichlichem Maße manifestirte. Das Leichenbegängniß gestaltete sich durch die überaus zahlreiche Betheiligung an demselben zu einer großartigen Trauerkundgebung. Belgien. Brüssel, im Sept. Am 26. Juli verschied auf Schloß Rond Chene bei Eßneux in Belgien, im 68. Lebensjahre, Frau Hortense Montefiore Levi, Gattin des Senators Montefiore Levi, und Tochter des bekannten Senators Raphael Bischofsheim. Die Verstorbene, welche einem Herzfehler erlegen ist, war die leibliche Schwester der seligen Baronin Hirsch, mit der sie den wohlthätigen Sinn gemeinsam hatte. Ihre Wohlthätigkeit erstreckte sich jedoch nicht wie die ihrer berühmten Schwester über den ganzen Erdball, sondern blieb nur auf ihre engere Heimath Belgien beschränkt, wo ihr frühes Dahinscheiden von Tausenden von Armen beweint wird. ftt II I I I C t C tt. ZZad? oiednmheit Jalnvu. Von Friedrich Nott. 2! „Wcnu's der Herr Doltor sagt, da lönnen Sre ls>iff barauf nehmen," rief Herr Holm aufspringend, „und da sind wir ja, da drüben ist mein HauS und meine Frau sieht vor der Thüre, und weil nun Sie und Ihr Fräulein meine 'Gäste sein werden, will ich selbst das Fräulein hinüber tragen. Gehen Sie zurück, Viertens, lassen Sie mich zuerst aussteigen und dann tonnen Sie mit dem Herrn Doktor zusammen mir das Fräulein heransreichen." Er hatte sich bei diesen Worten aus dem Kahn geschwungen und stand nun vor demselben, beide Arme vorgestreckt, um die Ohnmächtige in Empfang zu nehmen, welche die hierzu Aufgeforderten ihm hinüberreichten. „So, danke schön. — Und nun helfen Sie auch der anderen Dame heraus und Sie, Herr Doktor, kommen doch auch gleich mit. — Empfehle mich, meine Herren!" ries er den andern zu, „besten Dank für angenehme Gesellschaft." Holm wandte sich seiner Wohnung zu, aber die Macht des Orkans war noch nicht gebrochen, nicht ohne Anstrengung und nur langsamen Schrittes konnten sie das Haus erreichen. Frau Holm stand noch vor demselben. „Herr Gott, was ist geschehen?" rief sie dem Gatten zu, „und wen bringst Du da?" „Das Fräulein ist in's Wasser gefallen, der Herr Doktor hat sie herausgeholt; — die Damen wohnen im Kaiserhof, das ist zu weit, darum bringe ich sie in unser HauS und stelle ihnen die Parterrewohnung zur Verfügung. Geschwind, liebe Frau, schließ die Zimmer auf."- „Die sind offen — bitte, hier herein. — Ach, das arme Fräulein! — Ack du lieber Gott!" „Seien Sie unbesorgt, Frau Holm, sie wird sich rasch erholen," sagte der Arzt, der mit dem Ehepaar und der Begleiterin des ohnmächtigen Mädchens in das Zimmer getreten war. „Legen Sie die Ohnmächtige dort auf den Divan, Herr Holm, und Sie, meine Damen, entkleiden Sie dieselbe schnell —" In diesem Augenblicke trat die Mutter des Arztes in das Zimmer. „Ich höre von Herrn Holm, daß die jung? Dame umgekleidet werden muß, da wollte ich meine Hilfe anbieten. Und Du, Leo, gehe rasch hinauf, ich habe Dir trockene Kleider zurecht gelegt, während wir die Dame entkleiden, kannst Du Dich gleichfalls umziehen, Du kannst Dich dann leichter bewegen."