Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1901)
- Date
- 1901-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449216--54204-2504816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1678 biner Dr. Horovitz sprach den 712» '2 für die Gemeinde und das Gebet für den Landesherrn. Sodann erfolgte das Einheben mit Chorgesang. Die Festpredigt des Rabbiners begann mit den Worten: dw» ijnp rm o’pbx r.’a dx '2 ht ,"X. ,Dies ist nichts als ein Gotteshaus, dies ist die Pforte des Himmels." So sprach Jakob, als er fern von der Heimath auf einsamem Felde übernachtete und da den Traum von der Leiter hatte, die. zur Erde gestellt, mit ihrer Spitze in den Himmel ragte, und an der die Engel auf- und niederstiegen. Auch Israel, das Volk fern von seiner alten Heimath, hat nicht aufgehört zu träumen den schönsten Traum des Lebens, daß inmitten aller Leiden die Leiter gestellt ist, die mit ihrer Spitze in den Himmel ragt, und daß die Sendboten Gottes nicht aufhören, an ihr auf- und niederzusteigen. Ueberall, wo Israel auch nur eine kurze Rast gefunden, war es bestrebt, seinem Gotte ein Haus zu errichten. Das Judenthum selbst ist eine Leiter, die gestellt ist auf die Erde, um Alle aufzurufen, sich dem Schöpfer zu heiligen. Es ist gestellt auf die Erde, das Buch der Lehre, das uns kündet, daß Gott geschaffen hat den Menschen nach Seinem Ebenbilde, alle Menschen. Es ist die Lehre gestellt auf die Erde, die da sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst? Dieses Judenthum, dessen Weisen sagen: „Dieses Wort ist eine große, allgemein umfassende Regel in der heil. Lehre." während ein Anderer noch meint, es gebe ein noch umfassenderes Wort: ein ^ed hi, „das ist das Buch von der Entstehung des Menschen," weil darin die Grundlage ist für alle Nächstenliebe, daß alle Menschen eines Ursprunges sind. Die Erinnerung an den Auszug aus Egypten ist gleichfalls an die ganze Erde gerichtet, sie lehrt, daß die Menschheit zur Freiheit, zur freien Entfaltung ihrer Kräfte bestimmt ist. Der Redner besprach dann die Schickungen, die auch, wenn sie uns augenblicklich hart scheinen, doch zu unserem Besten dienen. Redner gedachte der Dahingeschiedenen, welche an dem ersten Bau sich betheiligten, und dankte den Männern, die sich um den zweiten Bau verdient machten, die wetteiferten, das Gotteshaus zu verschönern, den Künstlern, den Arbeitern und Allen, die sich um den Bau bemühten und schloß mit einem zu Herzen dringenden Gebete. Das Maariv-Gebet beendete die Feier, die allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Hamburg. Dem Bericht des „Altenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde" in Hamburg für die Jahre 1899 und 1900 entnehmen wir: Ende des Jahres 1899 hatten wir 20 Pfleglinge und zwar 10 männliche und 10 weibliche, während sich Ende 1900 21 Pfleglinge, 9 männliche und 12 weibliche im Altenhause befanden, zu denen seit Beginn des laufenden Jahres 3 männliche und 5 weibliche Pfleglinge hinzugekommen sind, sodaß die Gesammtzahl gegenwärtig 29 beträgt. Von den Pfleglingen des Hauses sind im Jahre 1899 drei im Alter von 70, 84 und 89 Jahren und im verflossenen Jahre drei im Alter von 72, 77 und 84 Jahren verstorben. Die Gesammtlosten betrugen im Jahre 1899 Ml. 10,455.84, mithin pro Pflegling Mk. 783.00; 1900 Mk. 18,113.11, mithin pro Pflegling Mk. 862.53. Cydtkuhncn, 9. Sept. Der deutsche Kaiser hat an das „Komitee für die Abgebrannten in Wistyten" auf die telegraphische Dankadresse desselben für die hochherzige Spende von 10,000 Mk. Sr. Majestät, folgende drahtliche Antwort, datirt: Potsdam, 4. September, gesandt: „Ich danke bestens für den freundlichen Segcnsgruß. Ich habe mich gefreut, zur Linderung der dringendsten Noth unter den vorn Brandunglück Betroffenen beitragen zu können, und hoffe, daß das Komitee durch Spenden barmherziger Nächstenliebe in den Stand gesetzt werde. den in ihrer wirthschaftlichen Existenz bedrohten Unglücklichen noch weitere Hilfe zu spenden." gez. Wilhelm. Das hiesige Komitee für die Abgebrannten in Wistyten hat im Verlaufe von Ivenigen Tagen die verhältnißmäßig große Summe von über tausend Mark - - außer Kleidungsstücke und Wäsche — aufgebracht. Es ist als besonders lobenswerth anzuerkennen, daß an der Spende für die vom Brandunglück so schwer betrosfenen, größtentheils armen jüdischen Leute sich auch unsere christlichen Mitbürger in hervorragender Weise betheiligt haben. Es ist nicht der Zweck der Presse, und liegt auch nicht in, Sinn der biblischen Wohlthätigkeit, die Namen der Spender hier aufzuführen. Ein schöner Zug wird mir von einer hiesigen, alten, evangel. Dame erzählt. Zu ihr war nicht die Sammelliste des Komitees gekommen, dagegen ein abgebrannter jüdischer Mann aus Wistyten selbst. Geld nahm der Unglückliche nicht. Darauf steuerte ihn die Dame von Kopf bis zu Fuß mit schöner Kleidung und Wäsche aus. Der Mann erging sich in den größten Lob- und Danksprüchen für die ehrwürdige Wohlthäterin, die dein zu beherzigenden Grundsätze huldigt: „doppelt gibt, wer schnell gibt." Der arme Mann wird sich an dem bevorstehenden jü bischen Neujahrsfeste ganz besonders dieser Gabe freuen. Möge eine solche Freude noch vielen der Abgebrannten zu Theil werden! — Sein Leben für das ihm anvertrante Gut seines Brodherrn in die Schanze geschlagen, hat der jüdische Angestellte einer hiesigen russischen Gänse- Jmport-Firma. Derselbe — Namens Sol 25 Jahre alt, aus Wilkowitschky gebürtig, Vater einer mehrköpfigen Familie, war vorige Woche mit einer Summe von zweitausend Rubeln zum Einkauf von Gänsen nach Beissavolo bei Schaulen fRußlO gefahren. Bei dem dortigen Vertreter der Firma übernachtete er. Im Schlafe wurde derselbe nun zuerst von einem, nachher von zwei herkulisch gebauten, mit Revolvern und sonstigem Mordwerkzeug bewaffneten, vermummten Gestalten überfallen und zur Herausgabe des mitgebrachtcn Geldes energisch aufgefordert, indem ihm