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Der Israelit · 1901-09-09 · Heft 71 (9.9.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 71 (9.9.1901)
Date
1901-09-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1560 Stadt. Sogar der Gouverneur ließ sich von einem seiner Beamten vorstellen und hatte ungefähr zehn Polizeiagenten zu unserer Verfügung gestellt. Kaum waren wir vom Wagen gestiegen, als man Schafe opferte, (?) von Neuem Gesänge anstimmte und Blumen auf unseren Weg streute. Welche Menschenmasse! Welch' freudige Erregung! Welche Begeisterung! Selbst die Frauen riefen uns freundliche Willkommgrüße zu. Wie sollten wir uns diesen herzlichen Empfang erklären? Die Bewohner von Cachan wußten sehr wohl, daß wir uns nach Jspahan begaben. Dennoch haben sie uns allerlei vortheilhafte Anerbietungen gemacht, um uns zu bewegen, in ihrer Stadt zu bleiben; sie baten inständig um eine Schule, und wir mußten ihnen versprechen, bei dem Central-Comitee uns für sie zu verwenden. Wir wollten die Nacht in einem „Menzil" zubringen und am folgenden Morgen früh wieder abreisen, aber der reichste und angesehenste Mann der Gemeinde hatte uns so herzlich zu sich eingeladen, daß es uns unmöglich war, ihm seine Bitte zu verweigern. Bei der Abreise wiederholte sich dieselbe Szene, wie bei der Ankunft, aber auf die Freude folgte eine allgemeine Bestürzung. Was soll ich jetzt noch von dem Empfang berichten, der uns in Jspahan bereitet wurde? Er war noch inniger, als derjenige in Cachan. Man sah bei unserer Ankunft nicht nur Lehrer, sondern auch andere angesehene Mitglieder der Gemeinde. Folgende charakteristische Einzelheit wird die Seelenstimmung unserer Glaubensgenoffen kennzeichnen. Einer der Vornehmsten der Stadt, ein Greis von 85 Jahren, ergriff weinend unsere Hände mit den Worten: „Jetzt, mein Gott, kann ich sterben/' Diese Stimmung, diese Begeisterung erklärt sich, wenn man weiß, welchen Ausschreitungen diese unglücklichen Leute seit langer Zeit ausgesetzt sind. Sie wissen wohl, daß die Vertreter der „Alliance" thatkräftig bei dem Schah und den hohen Beamten für sie wirken, um ihnen nachdrücklichen Schutz gegen die Gewaltthätigkeiten, die Ungerechtigkeiten und die willkürlichen Gesetze zu verschaffen. Wir werden alle unsere Pflicht thun und bemüht sein, des uns entgegengebrachten Vertrauens uns würdig zu zeigen." MMHrtlMM aus de» W. Arwellverelsru md ffir Mtfelben. fELrnmMche iüd. Wanderbettelvereine unv «anen für Durchreisende find gebeten, UNS MittheUungen über Grfahrnnge«. die fie auf dem Gebiete ihrer THLttskeit mache«, zukommen zu lasten.) Diespeck a. Aisch, 4. Sept. Vor einigen Wochen ließ ein einer Wagengesellschaft angehörender Ausländer eine Geldbörse mit Inhalt bei mir liegen. Ersuche nun die Herren Kollegen und Kassirer von Wanderunterstützungskassen, mir zur Erfüllung beipn-nnixc von mzit rrn gütigst behilflich zu sein. B. F u l d e r, Lehrer. Feuilleton. Nach vierhundert Jahren. Von Friedrich Rotl. i] Die See ging hoch. Die drückende Schwüle bei nahezu vollständiger Windstille der jüngst verflossenen Tage war plötzlich durch einen orkanartigen Sturm unterbrochen worden, der die Wellen thurmhoch peitschte, während der Regen in Strömen herniederfiel. Der Strand der freundlichen Badeinsel, sonst während der Saison von Badegästen stets belebt, war wie ausgestorben, nirgends erblickte man einen Menschen, nur auf dem Balkon der sog. Strandvilla hielten zwei Kinder, ein Knabe von zehn Jahren und ein ungefähr zwei Jahre jüngeres Mädchen das Eisengitter umklammert, um nicht durch den Sturm zu Boden geschleudert zu werden. Es waren frische, rosige Kinder, denen es ein ganz besonderes Vergnügen zu bereiten schien, den Unbilden des Wetters Trotz zu bieten. Sie standen dicht nebeneinander, doch in dem Toben der Elemente konnten sie sich nur verständlich machen, wenn sie ihre hellen Stimmen schreiend erhoben. Das war ihnen aber das größte Vergnügen. „Der arme Papa!" rief Selma, „wenn er nur erst hier wäre — er wird ganz naß werden." „Ach Unsinn!" schrie Viktor, „der Papa reist nie ohne Gummimantel, durch den dringt kein Wasser." „Wenn nur dem Papa nichts geschieht," ries Selma, „der Wind ist gar zu arg." „Was Du heute treibst!" schrie Viktor, „der Papa fährt doch nicht auf der See und in der Eisenbahn schadet so 'n bischen Wind gar nichts." „Ein schönes bischen Wind!" lachte Selma, aber plötzlich schrie sie auf und umklammerte den Arm ihres Bruders. „Viktor! Viktor! Da ist ein Boot oben auf den Wellen — und jetzt fallt es herunter! — Hu!" Schaudernd drückte sie das Gesicht an des Bruders Schulter. Dieser aber riß sich los und eilte in das Balkonzimmer. Gleich darauf kam er zurück. „Ich habe Großmamas Operngucker," schrie er, „jetzt werden wir sehen. — Ja, es ist ein Boot — und die Menschen, die darin sind, strecken die Arme in die Höhe, o Gott, o Gott!" „Lieber Gott hilf ihnen," schluchzte Selma, „o Gott!" — „Wir müssen helfen!" schrie Viktor, indem er zurück in das Zimmer stürzte. „Großmama! Großmama! Da ist ein Boot mit Menschen darin auf der See, und der Sturm wird es umwerfen —!"

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